Diamantener Meisterbrief für Uhrmacher Heinz Belting aus Rees

Reeser Uhrmachermeister : Ehrung für Heinz Belting

Der Reeser Uhrmacher erhielt jetzt den Diamantenen Meisterbrief.

Der Landesinnungsverband der Uhrmacher und die Handwerkskammer Münster verliehen jetzt den Diamantenen Meisterbrief an Heinz Belting. Der Reeser wurde für sein 60-jähriges Jubiläum als Uhrmachermeister geehrt.

Hätte Heinz Beltings Vater nicht eine Halbschwester gehabt, die erst in der Dellstraße und nach dem Krieg am Kirchplatz einen angesehenen Laden für Uhren, Schmuck und Brillen betrieb, wäre Heinz Belting vielleicht nie Uhrmacher- und Optikermeister geworden. Doch jene Tante Maria Müller fragte eines Tages im Hause Belting an, ob nicht einer der beiden Söhne später ihr Geschäft übernehmen wolle. „Mein drei Jahre älterer Bruder winkte sofort ab, weil er damals Förster werden wollte“, sagt Heinz Belting, „aber ich konnte mir das vorstellen. Meine Mutter bestärkte mich darin, weil es in Rees nur zwei recht alte Uhrmacher gab und bald eine Lücke zu erwarten war.“

Da es im kriegszerstörten Rees nicht einfach war, eine Lehrstelle zu finden, half Heinz Beltings Vater nach: „Er war bei Oldenkott mit dem Einkauf von Tabak beauftragt, der unter anderem in Haselünne im Emsland angebaut wurde. Am Telefon fragte er den Vorsitzenden der dortigen Sparkasse, ob er nicht einen Ausbildungsbetrieb für mich kenne. Zufälligerweise war dessen Vetter, Reinhard Münster, Uhrmachermeister. Dort habe ich im  Alter von 16 Jahren die Lehre begonnen.“

Das war 1951, und die dreieinhalb Jahre lange Ausbildung war „hart, aber lehrreich“. Da der Monatslohn nur 25 D-Mark betrug, mussten die Eltern Kost und Logis des Sohnes bezuschussen. Offiziell musste er montags bis samstags von 8 bis 18.30 Uhr arbeiten, doch der Chef erwartete, dass er an jedem Morgen eine Dreiviertelstunde lang die Werkstatt putzte und auch sonntags im Laden stand, wenn die Bauern auf dem Weg zur Kirche ihre defekten Uhren brachten.

In Hamburg besuchte Heinz Belting den Blockunterricht der Berufsschule. Danach verbrachte er in Köln seine Gesellenzeit als Uhrmacher und ließ sich parallel zum Optiker ausbilden. Mit zwei Gesellenprüfungen in der Tasche, ging er im Winter 1957 für ein Jahr in die Schweiz und arbeitete nahe Zürich, bevor er, mit Hilfe der Begabtenförderung im Handwerk, die Meisterschule besuchte und im März 1959 erfolgreich abschloss. In Bad Kissingen wollte er weitere Erfahrungen als Optikergeselle sammeln, doch irgendwann rief seine Tante Maria an: „Sie sagte, sie sei jetzt so alt und krank, wenn ich nicht nach Rees komme, müsse sie ihren Laden verpachten.“

Parallel zur Arbeit am Kirchplatz baute Heinz Belting in der Kapitelstraße ein Geschäfts- und Wohnhaus und eröffnete 1961 seinen eigenen Betrieb. Kurze Zeit später legte er in Düsseldorf auch seine Optikermeisterprüfung ab. „Dafür bekomme ich im Herbst 2021 einen weiteren Diamantenen Meisterbrief“, sagt Heinz Belting und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich bin guter Dinge, dass ich das schaffe.“

Sein Sohn Stefan ist in die Fußstapfen des Vaters getreten: „Er ist Optikermeister und Akustikermeister, aber vom Uhrmacher habe ich ihm abgeraten, weil mit dem Aufkommen der pflegeleichten Quarzuhren eigentlich jeder die Uhren verkaufen kann.“ Dennoch hat Heinz Belting erst jetzt wieder bei der Ehrung in Coesfeld erfahren, wie gefragt Uhrmachermeister weiterhin sind: „Ein Kollege war gerade zwei Wochen in St. Petersburg, weil er über die deutsche Botschaft in Moskau angefragt worden war, um die alten Uhren in einem Museum zu überholen.“

(Michael Scholten )