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Rees: „Der Zahnarzt wollte meiner Tante helfen“

Rees : „Der Zahnarzt wollte meiner Tante helfen“

Ein Reeser Zahnarzt muss 3500 Euro bezahlen, weil er eine Seniorin behandelte. Die Nichte der Frau: "Seine Hilfsbereitschaft wird bestraft."

Als die Nichte gestern in der Zeitung las, dass das Verfahren gegen den Reeser Zahnarzt gegen die Zahlung von 3500 Euro eingestellt wird, konnte sie das kaum glauben. "So etwas zu lesen, das tut mit weh. Der Zahnarzt wollte nur helfen und wird dann dafür noch bestraft", sagt die Nichte der älteren Frau, der der Zahnarzt im Februar 2011 zwei Zähne gezogen hatte.

Dafür sollte er sich bekanntlich am Donnerstag vor Gericht verantworten. Der Grund: Die Betreuerin der Seniorin war nicht gefragt worden. Damit hatte der Mediziner nicht den offiziellen Weg eingehalten. Es ging rein um das formale Verfahren und nicht um einen Behandlungsfehler. Der Nichte ist es wichtig, dem Zahnarzt den Rücken zu stärken. "Er hat nichts Falsches getan und wollte meiner Tante einfach nur helfen", sagt die Reeserin. Das wollte sie auch vor Gericht als Zeugin sagen, aber die Verhandlung wurde abgesetzt.

Der Fall zeigt, wie kompliziert das Betreuungsrecht ist. Als es seinerzeit hieß, dass die Tante eine 24-Stunden-Pflege benötige, habe die Frage im Raum gestanden, wer Betreuer wird, erinnert sich die Nichte. Ihre Familie stammt aus Russland. Daher kannten ihre Angehörigen auch nicht die Bedeutung dieser Betreuung. "Ich habe gedacht, dass würde bedeuten, dass wir meine Tante zuhause pflegen müssen. Das war nicht möglich, weil ich selbst vier Kinder habe", berichtet die Frau. Daraufhin wurde eine Betreuerin gestellt, die Tante kam ins Heim.

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Die 82-Jährige habe dann Probleme mit den Zähnen bekommen. "Sie hatte oft Entzündungen", berichtet die Nichte. Die Betreuerin habe man öfter darauf hingewiesen, doch sie sei immer nur vertröstet worden. Daraufhin hatte die Nichte den Zahnarzt gebeten, sich die Tante doch einmal anzusehen. Der Arzt betreute die Patientin schon länger. Er sei ins Heim gekommen. Die Einrichtung habe extra einen Pfleger als Dolmetscher gestellt, damit die alte Dame versteht, worum es geht. Der Arzt sei der Ansicht gewesen, dass zwei Zähne gezogen werden müssten. Dazu müsse die Tante in die Praxis kommen. Die Nichte fuhr gemeinsam mit ihrer Cousine zum Heim, um die 82-Jährige abzuholen. Das Altenheim selbst habe versucht, die Betreuerin zu erreichen. Vergeblich.

Daraufhin sei ein junger Pfleger aus dem Heim zusammen mit den beiden Nichten und der Tante zur Praxis gefahren. "Die Behandlung verlief ohne Probleme, meiner Tante ging es danach richtig gut", berichtet die Nichte. Sie sei dann allerdings von der Betreuerin als "Entführerin" beschimpft worden. Der Zahnarzt durfte die Dame auch nicht weiter behandeln, weil die Betreuerin entschied, den Zahnarzt zu wechseln.

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