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Der Streit um Corona-Tests bei Leiharbeitern in Emmerich und Rees geht weiter

Emmerich/Rees : Corona-Tests: Der Streit geht weiter

Zwischen dem Landrat und dem Bürgermeister von Emmerich gibt es keine Einigung über Corona-Tests. Weder in Emmerich noch in Rees sind Überprüfungen bekannt. Kritik mehrt sich in Praest wegen der Sammelunterkunft.

Der Streit zwischen Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze und Kleves Landrat Wolfgang Spreen geht weiter. Auch am Montag hat es weder in Emmerich noch in Rees Corona-Tests  in Leiharbeiterunterkünften gegeben. Gleichzeitig sorgt ein Schlachthof in den Niederlanden für Aufregung.

In dem Betrieb in Groenlo – ungefahr eine Autostunde von Emmerich entfernt – sind laut Gemeindeverwaltung 147 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Einem Medienbericht zufolge leben 79 der Infizierten in Deutschland, 68 in den Niederlanden.

Bürgermeister Peter Hinze schrieb dazu am 21. Mai bei Facebook: „Das ist die Situation in den Niederlanden. Dort arbeiten osteuropäische Leiharbeiter, die in Emmerich am Rhein und unseren Nachbarkommunen in Sammelunterkünften wohnen. Wann nimmt der Landrat endlich seine Verantwortung wahr? Verantwortung und Zuständigkeiten sind rechtlich klar geregelt.“

Der Praester Ortsvorsteher Markus Meyer. Foto: Stadt Emmerich

Eine Anfrage in den Rathäusern in Emmerich und Rees zeigte, dass auch am Montag der Kreis Kleve das Gesundheitsamt noch nicht in Leiharbeiter-Unterkünften geschickt hat. Ein Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums sieht das zwar vor, wenn Leiharbeiter, die in Deutschland wohnen und in niederländischen Schlachthöfen arbeiten. Der Klever Landrat hat von den Städten allerdings detaillierte Listen angefordert, aus denen nicht nur hervorgehen soll, wo Leiharbeiter wohnen, die in NL-Schlachtbetrieben arbeiten, sondern auch in welchen Betrieben das geschieht.

Dem Vernehmen nach soll das nicht einfach sein. Sogar die Leiharbeiterfirmen sollen Probleme haben, diese Arbeitsverhältnisse im Detail mitzuteilen.

Stadtsprecher Tim Terhorst erklärte am Montag, Bürgermeister Peter Hinze habe Kontakt mit den Städten im Gelderland aufgenommen und versuche auf diesem Wege, weitere Details über Beschäftigungen und Wohnadressen herauszubekommen. Wobei das, so Terhorst, nach dem Erlass des Ministeriums nicht notwendig sei. Man wolle aber endlich Bewegung in die Sache bringen.

Unterdessen steht die Unterkunft der Leiharbeiter in Praest an der L7 noch bis Freitag unter Quarantäne. Dies hat der Kreis Kleve veranlasst, nachdem es dort, wie berichtet, zwei bestätigte Corona-Fälle gegeben hat.

Angst, sich anzustecken, herrscht in dem Dorf aber offenbar nicht. Möglicherweise liegt das auch daran, dass die dort wohnenden Leiharbeiter inzwischen von einem Mitarbeiter des Personalvermittlers „Horizon Group“ rund um die Uhr betreut und versorgt werden, das Haus also nicht verlassen. Rund 35 Menschen sind hier untergebracht, überwiegend Rumänen. „Ich glaube nicht, dass das für uns Praester hier gefährlich ist. Mir tun aber die Leute, die hier leben müssen, einfach nur leid. Und ich ärgere mich über die Zustände in der Fleischindustrie und über die Art und Weise, wie der Kreis Kleve hier mit den zahlreichen weiteren Wohnungen verfährt, von denen doch bekannt ist, dass dort die gleiche Situation herrscht wie hier“, sagt ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Ähnlich sieht das auch der Praester Ortsvorsteher Markus Meyer (parteilos). „Wir haben noch Glück, dass die Horizon Group eine von den wenigen Firmen ist, die sich kooperativ zeigen. Das tun längst nicht alle“, sagt er. Er betont, dass er kein Problem mit den Bewohnern der Unterkunft habe und hier auch nicht missverstanden werden wolle. Er kritisiere aber die Art und Weise der Unterbringung. „In den Sammelunterkünften in Praest und Emmerich herrschen doch menschenunwürdige Zustände. Corona hat das nur verschärft. Dagegen muss endlich etwas getan werden“, so Meyer.

Das Emmericher Ordnungsamt kontrolliert regelmäßig die unter Quarantäne stehende Unterkunft. „Mehr können wir von unserer Seite aus aber hier nicht tun“, sagt Meyer. Der Ortsvorsteher glaubt, dass sich nur über eine grundsätzliche Veränderung der Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen tatsächlich Verbesserungen herbeiführen ließen. „Aber so lange ein Stück Fleisch beim Discounter für 2,99 Euro zu haben ist, lässt sich das nicht ändern. Darüber müssen auch wir als Verbraucher einmal nachdenken“, sagt er.

(hg/bal)