Emmerich: Der letzte Vorhang fällt

Emmerich : Der letzte Vorhang fällt

Die Geschichte von FlicFlac ist die Geschichte zweier Brüder, die ein neues Genre schufen: den Action-Zirkus. Jetzt soll erst einmal Schluss sein. Am 27. Juni ist die letzte Vorstellung von FlicFlac.

Das Herz von FlicFlac-Direktor Benno Kastein hängt immer noch an Isselburg. Schon deshalb hat die Telefonnummer des Circus bis heute eine Isselburger Vorwahl. Doch wer dort anruft, landet längst nicht mehr im Westmünsterland, sondern am aktuellen Spielort der Artisten. "Die Technik macht's möglich, viele denken immer noch, dass sie uns dann in Isselburg erreichen", lacht Pressesprecherin Iris Vollmann, die derzeit besonders viele Anfragen hat.

Anrufe, die sich vor allem um eine Frage drehen: Warum hört FlicFlac auf? "Ganz wichtig ist für uns, immer klarzustellen, dass die Entscheidung keine wirtschaftlichen Hintergründe hat. FlicFlac ist nicht insolvent", erläutert sie. Vielmehr habe sich Benno Kastein nach mehr als 20 Jahren dazu entschieden, erst einmal einen Schluss-Strich zu ziehen. Mit 52 Jahren geht er sozusagen in eine Art Artisten-Vorrruhestand.

Seine Töchter Larissa (23) und Tatjana (18) sind beide zu jung, um das Unternehmen alleine weiter zu führen. Außerdem sehen sie ihre Zukunft eher auf der Bühne selbst, als im Hintergrund als Direktorinnen eines Zirkus. "Es wird eine Art Betriebsstilllegung, denn wer weiß, vielleicht kommt FlicFlac ja zurück", sagt Iris Vollmann.

Es habe jede Menge Anfragen gegeben, den Zirkus und vor allem den populären Namen zu übernehmen. Doch für Benno Kastein war von Anfang an klar, dass der Name in der Familie bleiben muss.

Schließlich ist die Geschichte von FlicFlac auch so etwas wie eine Kastein-Familiengeschichte. Die Brüder Benno und Lothar Kastein gründeten mit ihren Ehefrauen Scarlett Kaiser-Kastein und Gabi Kastein FlicFlac. Die Brüder begannen ihre Karriere selbst als Artistenduo und wurden 1982 für ihre gewagte Hochseildarbietung mit dem Silbernen Clown in Monte Carlo ausgezeichnet. Die letzten zwei Jahre ihrer aktiven Laufbahn präsentierten sie einen riskanten Balance-Akt auf dem rotierenden "Todesrad" — die Nummer, die später zum Markenzeichen von FlicFlac werden sollte.

Benno Kastein übernahm als Direktor den Zirkus. Sein Bruder Lothar, eine Art Daniel Düsentrieb der Zirkusszene, arbeitete im Hintergrund, versorgte FlicFlac mit spektakulären Ideen. So baute er die Kanone, mit der sich ein Artist über die Bühne schießen ließ. Und er konzipierte auch die einzigartige FlicFlac-Toilette mit Flachbildschirmen auf dem WC und Klobrillen, die beim Sitzen vibrieren.

Solche Spielereien werden den Zirkusfans fehlen, denn mit FlicFlac macht ein Unternehmen Schluss, das den Begriff Action-Zirkus erfunden und über viele Jahre geprägt hat.

Doch ganz verschwindet auch FlicFlac nicht. Ganz viel Material wird in Rhede eingelagert, wo auch Lothar Kastein seine Werkstatt hat. Durchaus denkbar also, dass FlicFlac irgendwann wieder auf die Bühne zurückkehrt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zirkus Flic Flac - eine atemberaubende Show der Superlative

(RP)