Der Kies und die Kirche in Rees

Bürgerinitiative : Der Kies und die Kirche

Die Bürgerinitiativen, die sich gegen den Kiesabbau aussprechen, haben einen offenen Brief an die Kirchengemeinde St. Irmgardis geschrieben. Sie sprechen Grundstücksverkäufe an und kritisiert einen Interessenskonflikt.

Die Reeser Bürgerinitaitive „Eden“ und die Initiative „Zukunft Esserden, die sich beide gegen den weiteren Kiesabbau am Niederrhein aussprechen, haben sich mit einem offenen Brief an die Reeser Kirchengemeinde St. Irmgardis gewandt. Das Schreiben, das der RP vorliegt, ist von Heinz van Laak, Iris Jagoda, Melanie Gronau und Leo Rehm unterzeichnet. In ihm geht es um die geplante Abgrabung „Reeser Welle II“, die vor den Türen des Ortsteils Esserdens durch die Unternehmen Holemans und Hülskens stattfinden soll.

Wie berichtet, ist der Abbau der 78 Hektar umfassenden Fläche noch im Genehmigungsverfahren. Der Kreis Kleve als zuständige Behörde muss noch darüber entscheiden, ob die Unternehmen Grünes Licht dafür bekommen oder nicht.

Hintergrund des Schreibens sind die Grundstücksverkäufe, die für das Vorhaben nötig sind. Die Kirchengemeinde St. Irmgardis sei Eigentümerin einer „nicht unerheblichen Anzahl“ von Grundstücken in dem geplanten Abgrabungsgebiet, so „Eden“. Die Initiative möchte in diesem Zusammenhang vom Kirchenvorstand erfahren, ob die Kirchengemeinde bereits Grundstücke komplett oder teilweise an die Abgrabungsunternehmen Hülskens und Holemans verkauft hat oder beabsichtigt, dies zu tun. Insgesamt gehe es um ein Sechstel der gesamten Abgrabungsfläche mit „allerbesten Ackerböden“.

Nach Angaben der Bürgerinitiativen seien die kirchlichen Flächen entscheidend für Erfolg oder Misserfolg der Planung. Denn: „Diese Grundstücke liegen so verteilt, dass ein Nichtverkauf definitiv den jetzigen Antrag, möglicherweise auch das Abgrabungsvorhaben im Ganzen, an sich nichtig machen würde“, heißt es in dem Brief.

Die Initiativen wollen daher vom Kirchenvorstand wissen, wie er zu dem Verkauf der Grundstücke steht: „Dem Vernehmen nach soll bei in vergangenen Jahren geschlossenen Übergabeverträgen nach Ablauf einer festgelegten Jahresfrist, ohne das in dieser Zeit eine Planfeststellung erfolgt ist, die Möglichkeit gegeben sein, von dem Vertrag zurückzutreten. Die Frage ist, wenn solche Verträge möglicherweise auch zwischen Kirche und Kiesunternehmen geschlossen wurden, ob sie dann ihrerseits beabsichtigen von der Rücktrittsmöglichkeit Gebrauch zu machen.“

Des Weiteren sehen die beiden Bürgerinitiativen bei dieser Frage einen „enormen Interessenskonflikt“ innerhalb des Reeser Kirchenvorstandes. Denn ein Mitglied des Gremiums sei zeitgleich auch bei einem der beteiligten Unternehmen für die Grundstücksankäufe verantwortlich.

Den Bürgerinitiativen sei zwar bewusst, dass auch die Kirche wirtschaften müsse, dieses Wirtschaften müsse aber auch den höheren ethischen Werten wie der Bewahrung der Schöpfung und der Wahrhaftigkeit untergeordnet sein, heißt es in dem Schreiben.

Dazu wörtlich: „Die katholische Kirche verkündet diese von ihr eingegangene Verpflichtung regelmäßig in ihren Gottesdiensten. Eine Verkaufsabsicht von kirchlichen Grundstücken mit der Folge der unumkehrbaren Vernichtung dieser wertvollen Ackerböden, sowie dieser wunderbaren niederrheinischen Natur, sehen wir als nicht vereinbar mit Fürbitten und Kanzelworten, die in der Gemeinde St. Irmgardis für den Erhalt der Schöpfung gesprochen werden.“