1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Der Hüthumer Autor Dieter Angenendt hat sein drittes Buch veröffentlicht

EMMERICH : „Gottes Zorn über Aengenesch“

Der Hüthumer Dieter Angenendt hat sein drittes Buch veröffentlicht. Es spielt im Raum Geldern und die Geschichte des Buches beginnt im 16. Jahrhundert. Damals hatte es die Bevölkerung sehr schwer.

Pünktlich zu Ostern 2020 brachte Dieter Angenendt sein drittes Buch aus der Reihe ‚Lebensgeschichten‘ heraus. Es trägt den Titel „Gottes Zorn über Aengenesch“. „Nachdem ich mich bereits mit dem 14., dem 18. und dem 20. Jahrhundert beschäftigt hatte, fehlte nur noch das 16. Jahrhundert“, sagt der Autor. Grundlage war folgende Begebenheit: Am 3. Juli 1431 wurde die Wallfahrtskapelle St. Maria in Aengenesch bei Geldern vom Kölner Weihbischof Konrad von Arnsberg eingeweiht. Zu den Stiftern gehörte auch der Bauer Johannes angen Ynde – eine andere Form des Namens Angenendt, von der es sehr viele gibt. Der besaß einen Hof in der Nachbarschaft. Die Geschichte des Buches beginnt hundert Jahre später - im 16. Jahrhundert.

Damals hatte es die einfache Bevölkerung sehr schwer: Mit dem niederländischen Aufstand in der Mitte des Jahrhunderts begann der 80-jährige Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien. Es war auch ein Religionskrieg der Protestanten und der Katholiken. Gleichzeitig gab es eine Klimaveränderung, eine kleine Eiszeit. Die Saat erfror im eisigen Winter oder die Ernten verdarben im nassen Sommer. Die Menschen litten Hunger, das Vieh starb.

  • Zum Tag des Buches am 23.
    Mettmann/Wülfrath : Buchhändler gibt Tipps zum „Welttag des Buches“
  • Johanna Klümpen-Hegmans übergibt die Leitung des
    Johanna Klümpen-Hegmans geht in den Ruhestand. : Die Hüterin der Kerkener Geschichte
  • Ende März während einer Fragestunde im
    Ungarn : Gefördert mit EU-Geldern

Die abergläubische Bevölkerung konnte sich diese Katastrophen nur mit Magie und Schadenszauber erklären und suchte einen Sündenbock – die Hexe. Sie wurde beschuldigt, mit dem Teufel in Verbindung zu stehen.

Das Rheinland und der Niederrhein gehörten zu den Zentren der Hexenverfolgung. In der Stadt Geldern wurden allein in den Jahren 1595/96 zehn Frauen als Hexen gefoltert und verbrannt. In dieser Zeit spielt dieser historische Roman. Drei Generationen der Familie Angenendt (angen Ynde) erleben die Spannungen, Übergriffe und Nöte dieser Zeit in der Bauernschaft Aengenesch.

„Ich habe um die geschichtlichen Fakten herum eine Geschichte gewebt“, erklärt Dieter Angenendt. Eine seiner fiktiven Personen ist die Frau des Bauern Jan, eine Hebamme aus Köln, die nach einer schwierigen Entbindung von einem Priester als Hexe angeklagt wird. „Sie wird zwar irgendwie vor dem Flammentod gerettet, muss aber fliehen und kommt nach Goch“, verrät Angenendt, wie es weitergeht. „Goch stand unter Klever Verwaltung, dort gab es vergleichsweise nur wenige Hexenverbrennungen.“

Der in Borghees aufgewachsene Autor studierte nach dem Abitur auf Lehramt an der Uni Münster. Seine Fächer waren Deutsch, Geografie und Sport, als Hauptschullehrer in Emmerich und Elten unterrichtete er aber auch Erdkunde, Biologie, Mathematik und Geschichte. Diese wollte er so lebendig wie möglich vermitteln, zumal er selbst sehr großes Interesse an Geschichtsforschung hatte.

„Verwandte haben sich mit der Sippenforschung der Familie Angenendt beschäftigt. Sie haben herausgefunden, dass der Name Angenendt im 14. Jahrhundert bereits in Xanten vorkam und wohl ‚an dem Ende‘ bedeutet. An dem Ende von Xanten war eine befestigte Burganlage im Besitz von Derich Angenendt, als dieser seinen Besitz dem Kurfürstbischof von Köln als Lehen 1389 vertraglich anbot“, erzählt Angenendt.

Dieses Wissen entzündete in ihm den Funken, der ihn zum Schreiben brachte. Anhand von drei Personen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen zeichnete er in seinem ersten historischen Roman „Drei Lebenswege am unteren Niederrhein im 14. Jahrhundert“ ein Bild dieser Zeit im Mittelalter.

In seinem zweiten Buch „Von Pfalzdorf nach Philadelphia – Blick in die Zeit des 18. Jahrhunderts“ beschäftigt er sich mit seinen direkten Ahnen Arnold Angenendt, der am 14. Juli 1715 Gertrud Gossens geheiratet hat und in einer Kate in der Gocher Heide wohnte. Diese Zeit ist geprägt durch die Besiedelung der Gocher Heide durch die „Pfälzer“, die auf dem Weg nach Amerika auf dem Rhein bei Schenkenschanz von den Niederländern aufgehalten wurden.

So gab es Familienportraits und Zeitgeschehen aus dem 14. Jahrhundert und dem 18. Jahrhundert und eine eigene Biographie, die aber nicht für die Veröffentlichung geschrieben worden war, aus dem 20. Jahrhundert. Es fehlte also noch das 16. Jahrhundert. „Hierzu wurde ich in Urkunden von Schloss Haag, früher eine Burganlage in der Nähe von Geldern, fündig“, erzählt der 70-jährige Ehemann, der zwei Kinder und drei Enkel hat.

Auch seine Enkel profitieren von der kreativen Seite ihres Großvaters, der in Corona-Zeiten per Whatsapp Geschichten von früher erzählt - über Oster-Traditionen oder seine Kommunion.

Dieter Angenendt fand weitere Unterlagen im Gelderner Archiv und in Kirchenarchiven, beispielsweise Daten und Namen zu Geburten, Taufen und Hochzeiten. „Das Recherchieren machte mir viel Spaß. Und das Schreiben ebenfalls. Ich wusste morgens manchmal selber nicht, wie es weitergeht und fand es spannend zu sehen, wie sich die Geschichte im Laufe des Tages entwickelte.“ Entstanden ist auf 268 Seiten ein lesenswerter Roman.