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Der Haldern-Pop-Shop feiert Geburtstag

Fünf Jahre Haldern-Pop-Shop : Schatztruhe für Vinyl-Fans

Der Haldern-Pop-Shop besteht seit fünf Jahren – und hat sich in der Szene einen Namen gemacht.

Den Ritterschlag hat der Haldern-Pop-Shop bereits erhalten. Der kleine Laden in der Pop-Bar hat es bis in das Buch „Record Stores“ von Bernd Jonkmanns geschafft. Der dicke Wälzer ist so etwas die Bibel der Vinylfans, der Autor hat die gefragtesten Läden der Szene porträtiert, und hier findet sich Haldern neben den Kult-Shops der Trendmetropolen. Bemerkenswert für einen Laden, der gerade einmal fünf Jahre besteht. Bemerkenswert vor allem, weil der Laden in einem so kleinen Ort wie Haldern überleben kann.

„Vielleicht ist so ein Plattenladen heute etwas aus der Zeit gefallen, er hat schon etwas museuales“, sagt Stefan Reichmann vom Haldern-Pop-Team. Aber der Shop passe einfach zum Gesamtkonzept aus Festival, Label und Pop-Bar. „Wenn die Bands hier ins Haus kommen, sehen sie rechts die Bar und links den Shop. Die Musiker sie denken dann: Das sind welche von uns“, beschreibt Reichmann die Wechselbeziehung.

Legendär ist die Geschichte von Sänger Michael Kiwanuka, der in die Bar kam und die Platte „Ok Computer“ an der Wand sah. Er schnappte sich spontan die Gitarre und erspielte sich das Album mit zwei „Radiohead“-Songs. Daraus entstand dann die Idee, beim Record-Store-Day auch den Fans die Chance zu geben, „ihr“ Vinyl-Album zu ersingen.

Zum Konzept gehört, dass alle im Pop-Shop ehrenamtlich arbeiten. Markus Hüfing beispielsweise, der früher bei ELPI in Wesel die Platten sortierte und jetzt in Haldern auch so etwas wie eine Berufung gefunden hat. „Das ist der beste Nebenjob der Welt, das ist hier ein Treffpunkt für Leute, die Musik und Platten lieben. Du kommst sofort mit jedem über Musik ins Gespräch“, berichtet er. Für viele geht es gar nicht so um das Kaufen, sondern um das Erleben von Musik. Das erinnert an Jugendtage, als man Stunden im Plattenladen seiner Wahl verbrachte, um mit dem Besitzer über die angesagtesten Bands zu fachsimpeln.

Und mancher vergisst vielleicht den ersten Kuss, aber nie die erste echte Langspielplatte. Hüfing weiß noch genau, dass „Give me convienience or give me Death“ von den US-Punks Dead Kennedys die erste Platte war, die er gekauft hat. Bei Stefan Reichmann waren es das blaue und rote Album der Beatles. So hat jeder seine ganz eigene „Plattengeschichte“.

Dem Shop spielt in die Karten, dass Vinyl bei vielen Fans wieder angesagt ist und es für die Bands zum guten Ton gehört, ihre Alben auch wieder als schwarze Rille herauszubringen. Die Bands sind es auch, die zu den treuesten Kunden gehören. „Bilderbuch“ etwa zogen immer wieder Geld am Automaten, um sich mit Platten einzudecken. Sie konnten kaum glauben, welche Auswahl es im kleinen Haldern gibt. „Wir haben viele Stilrichtungen hier, besorgen können wir alles“, sagt Markus Hüfing, und Stefan Reichmann ist wichtig, zu betonen, dass das hier kein Online-Shop ist. Übers Internet werden ausschließlich Alben der Haldern-Pop-Label-Bands vertrieben, alle anderen gibt es nur direkt im Shop. Weil der Laden sich eben nicht als Kommerztempel, sondern eher als Pop-Treffpunkt sieht.

(Sebastian Latzel)