Der Grabstein eines verdienten Emmerichers war Leihgabe in NRW-Museum

Außergewöhnliche Leihgabe : Ein alter Grabstein kehrt auf den Friedhof zurück

Der Grabstein von Elias Gomperz war vorübergehend im LVR-Niederrheinmuseum ausgestellt.

Am 330. Todestag von Elias Gomperz, der am 28. Juni 1689 starb, kehrte sein Grabstein in seiner Geburtsstadt Emmerich am Rhein auf den jüdischen Friedhof an der Wassenbergstraße zurück. Einige Zeit hatte der Stein in der Ausstellung „Wesel und die Niederrheinlande“ im LVR-Niederrheinmuseum Wesel – ehemals Preussenmuseum – als Leihgabe gestanden.

„In der Ausstellung geht es um die niederrheinische Kulturgeschichte und dazu gehört auch die Geschichte der Juden“, sagte Helmut Langhoff, ehemaliger wissenschaftlicher Referent des Museums, der sich um die Ausleihe kümmerte. Es sei schon ein ganz außergewöhnlicher Umstand, dass ein Original-Grabstein in einem Museum ausgestellt wird.

Man habe mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein Kontakt aufgenommen mit der Leihanfrage. „Dieser begegnete uns mit großem, freundlichen Verständnis und genehmigte die Ausleihe für die Ausstellung, mit der das LVR-Niederrheinmuseum am 18. März 2018 wiedereröffnet wurde“, so Langhoff. Weil es sich nur um eine Umstellung eines Grabsteines handelte und die Totenruhe somit nicht angetastet wurde, sei dieses Anliegen auf jeden Fall vereinbar mit den jüdischen Gesetzen, erklärte Michael Rubinstein aus Düsseldorf, Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

„Die Ausstellung ist wichtig für die Öffentlichkeit, wir sehen sie als neuen Ansatz der Erinnerungskultur. So wird das jüdische Leben dargestellt und sichtbar und so wird es in die Mitte der Gesellschaft getragen. Deshalb fördern wir solche Anliegen.“ Man zeige so das jüdische Leben nicht nur auf die Zeit von 1933 bis 1945 bezogen, sondern auch das Leben vorher und nachher.

Elias Gomperz, geboren um 1615 in Emmerich, war eine besondere Persönlichkeit im jüdischen Leben. Er übernahm 1661 von seinem Vater den weltlichen Vorsitz der klevischen Landjudenschaft. Fortan führte er den ehrenvollen Titel eines „Schtadlan“, was soviel wie „Fürsprecher“ heißt. Er vertrat seine Glaubensgenossen nach außen und verwaltete als fast souveräner Patriarch deren innere Angelegenheiten. Außerdem wurde Elias Gomperz zu einem der großen jüdischen „Hoffaktoren“ des Kurfürsten, die als Lieferanten, Finanziers, Kreditvermittler, ökonomische Berater und Agenten des Landesherrn tätig waren. Das Vertrauen, das der Kurfürst in ihn setzte, nutzte er auch dafür, um die Lage seiner eigenen und weiteren Familien, seiner Gemeinde und der klevischen Glaubensgenossen zu verbessern.

Er trat für eine menschlichere Behandlung der klevisch-märkischen Juden ein, zahlte rückständige Steuern aus eigener Tasche, half den Armen und Bedürftigen. Insbesondere erreichte er, dass der Kurfürst 1684 den bis dahin üblichen Leibzoll für jüdische Reisende im Herzogtum Kleve abschaffte. Auch sorgte er für die Errichtung eines Lehrhauses.

Steinmetz Guido Splittorf und sein Mitarbeiter Stephan Schäfer holten den Grabstein in Wesel ab und setzten ihn an alter Stelle auf dem Jüdischen Friedhof wieder ein. Hier liegt auch Gomperz Ehefrau Mirjam, die einige Jahre vor ihm starb.

In der Ausstellung im LVR-Museum steht der Grabstein weiterhin als Kopie. Dieser Abguss des Steines wurde in der Dombauhütte Xanten hergestellt.

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