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Emmerich: Der "Fun Garden" meldet Insolvenz an

Emmerich : Der "Fun Garden" meldet Insolvenz an

Das Emmericher Bordell, das wegen Menschenhandels, Einschleusung und Steuerhinterziehung in den Schlagzeilen war, wird nun durch einen Duisburger Anwalt vertreten.

Es ist wohl das letzte Kapitel, das jetzt in Sachen "Fun Garden" vom Amtsgericht Kleve aufgeschlagen wurde. Die Behörde hat die Insolvenz des Emmericher Bordells an der Tackenweide, dessen Geschäftsmodell als "gewerbliche Zimmervermietung mit Getränkeausschank" beschrieben wird, bekannt gegeben.

 Der "Fun Garden" (links) wurde im März vergangenen Jahres bei einer Großrazzia (Mitte) durchsucht. Betreiber Esed D. (rechts) wurde im Mai vom Landgericht Kleve zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt.
Der "Fun Garden" (links) wurde im März vergangenen Jahres bei einer Großrazzia (Mitte) durchsucht. Betreiber Esed D. (rechts) wurde im Mai vom Landgericht Kleve zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Foto: van offern/stade

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Duisburger Rechtsanwalt Mark Steh bestellt. Nur noch mit seiner Zustimmung darf jetzt über das Vermögen der "Fun Garden Star GmbH" verfügt werden.

 Der "Fun Garden" (links) wurde im März vergangenen Jahres bei einer Großrazzia (Mitte) durchsucht. Betreiber Esed D. (rechts) wurde im Mai vom Landgericht Kleve zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt.
Der "Fun Garden" (links) wurde im März vergangenen Jahres bei einer Großrazzia (Mitte) durchsucht. Betreiber Esed D. (rechts) wurde im Mai vom Landgericht Kleve zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Foto: van offern/stade

Im Mai hatte das Landgericht Kleve die Bordellbetreiber Esed D. und dessen Lebensgefährtin zu Haftstrafen von fünf Jahren und neun Monaten beziehungsweise zweieinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich D. neben des Vorenthaltens von Arbeitsentgelten vor allem des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung schuldig gemacht hat.

Außerdem ging die Kammer davon aus, dass insgesamt aus verkürzten Steuern und nicht gezahlten Abgaben ein Schaden von rund 4,1 Millionen Euro entstanden ist — Geld, das der Staat nun so weit wie möglich wieder zurück haben will. Unter anderem seien hinterzogen worden: 900 000 Euro Umsatzsteuer, 825 000 Euro Lohnsteuer sowie 1,9 Millionen Euro Sozialabgaben.

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Die hohen Summen hängen mit den erstaunlich großen Umsätzen zusammen, die das Bordell offenbar gemacht hat. Demnach sollen in den Jahren 2005 bis 2011 im "Fun Garden" (bzw. im Filialbetrieb "Villa Auberge") zwischen 700 und 1000 Prostituierte tätig gewesen sein, die einen Umsatz von fast zehn Millionen Euro erwirtschafteten. Es seien weit über 60 000 Kunden bedient worden, folgerte das Gericht.

Der Saunaclub (Eigenwerbung: "Willkommen im Garten der Lüste") war im Frühjahr vergangenen Jahres ins Visier der Fahnder geraten. Bei einer Großrazzia, an der neben 90 Zöllnern der Finanzkontrolle Schwarzarbeit auch 100 Bundes- und Landespolizisten sowie weitere 50 Beamte der Steuerfahndung beteiligt waren, wurden die Betreiber festgenommen und die Geschäftsräume an der Tackenweide sowie der Reeser Straße durchsucht. Den Betreibern wurde anschließend der Prozess gemacht.

Ungeachtet der verhängten Haftstrafen läuft der Betrieb an der Tackenweide übrigens weiter. Das Bordell hat nach wie vor geöffnet.

(RP)