Auf dem Rhein: Der Aalfänger

Auf dem Rhein : Der Aalfänger

Rudi Hell macht im Rhein fette Beute. Ein Verschwinden der Aale kann er nicht ausmachen. Er ist sogar so erfolgreich, dass die Landesregierung möchte, dass er zwei Fangboote einsetzt.

Wenn es um Aale geht, dann sollte man keinesfalls darauf verzichten, sich bei Rudi Hell sachkundig zu machen. So hat ihn die überregionale Berichterstattung über das „Verschwinden des Aals“ auf den Plan gerufen. Denn aktuell ist er für elf Universitäten forschend auf dem Rhein unterwegs. Von Rees, über Grietherort bis unterhalb von Dornick liegen seine Reusen aus, mit seinem Aalschokker fängt einer der letzten Rheinfischer die Aale, die sich vom Oberrhein zurück auf den Weg in den Atlantik machen. „Die Netze sind voll“, freut es Rudi Hell, auf den im kommenden Jahr eine besondere Herausforderung wartet.

Die Landesregierung hat nämlich bei ihm angeklopft, ob er nicht für das Maifischprogramm NRW seinen Schokker für das Aalwanderprogramm zur Verfügung stellt. Damit nicht genug, es wurde angefragt, ob er nicht einen zweiten Aalschokker an verschiedenen Stellen auf dem Rhein einsetzt, beispielsweise in Dornick, in Rees oder in FFH-Gebieten. „Dazu müsste ich meinen ersten Schokker, die Anita I, die in Rees liegt, wieder flott machen, aber das ist viel zu aufwändig“, hat Rudi Hell ermittelt, der jetzt nach einem zweiten Schiff Ausschau hält. Sein Bruder Heinz Hell würde mit der Fähre den Schokker, der ja keinen Motor hat, zu den entsprechenden Plätzen schleppen. Rudi Hell werden dann Studenten zur Seite gestellt, die ihn bei der wissenschaftlichen Arbeit, wie den Dokumentationen der Fänge, unterstützen. „Ich freue mich besonders, dass mein Sohn Dirk meine Arbeit einmal fortsetzen will und mir jetzt schon zur Hand geht“, ist Rudi Hell glücklich, der mit 81 Jahren noch behände auf seinen Kahn springt und auf den Schokker klettert.

Immer mehr Anfragen von Wissenschaftlern erreichen ihn. Jüngst von Parasitologen, die bei ihm Raubfische ordern, um zu untersuchen, ob sie von Parasiten der für Rheinfische gefährlichen Schwarzmeergrundel befallen sind.

Rudi Hell zeigt seinen Aalfang. Foto: NRZ

Aber zurück zu den Aalen. Tatsächlich sah es vor sechs, sieben Jahren schlecht um den Aal aus. Doch diverse Maßnahmen, etwa ein Fangverbot in den Niederlanden, haben dafür gesorgt, dass genügend Aale den Rhein hinauf steigen. Wenn sie einem der Feinde aus der Luft entkommen, wie dem Kormoran, der locker zehn Zentner Aal pro Tag vertilgt.

Bereits bis jetzt Ende August hat Rudi Hell 520 Kilogramm kleine Aale gefangen. 600 werden es wohl noch. Hells Reusen haben einen Durchmesser von 45 cm, alle drei Tage holt er zirka 30 Kilogramm Aal heraus, das sind zirka 390 Aale. „Diejenigen, die unter 50 Zentimeter lang sind, muss ich zurück in Wasser werfen“, erklärt Hell, weist aber auch darauf hin, dass zirka zwei Drittel der Aale an den Reusen rechts und links vorbei rheinaufwärts schwimmen.

An seinem Schokker vor Grieth gehen ihm die Blankaale ins Netz, die auf dem Rückweg gen Sargassosee im Nordatlantik sind. Auch sie werden für verschiedenste Forschungszwecke untersucht. Denn essen darf man die Aale aus dem Rhein immer noch nicht. „Sie haben einen zu hohen Dioxingehalt. Minimal zu hoch“, erklärt Rudi Hell. Was ihn nicht davon abhält, einmal in der Woche einen selbstgefangenen Aal zu verzehren. Neuerdings kommt bei ihm auch die Wollhandkrabbe auf den Tisch. Sie kommt vermehrt im Rhein vor und frisst gerne Löcher in die Reusen. Ihr einziger Vorteil: „Sie schmeckt zubereitet wie Hummer“, weiß Hell. Deren Zubereitung hat ihn eine Chinesin gelehrt.

(ha)
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