Emmerich: Denkmalschutz für die alte Volksschule

Emmerich : Denkmalschutz für die alte Volksschule

Die katholische Volksschule Grietherbusch ist laut Bauausschuss ein guterhaltenes Beispiel ländlichen Schulwesens.

Das waren noch Zeiten, als die Kinder in den Sommermonaten nicht beschult wurden, da sie ihren Eltern auf den Feldern helfen mussten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts besuchten Schüler aus Grietherbusch, Grietherort und Reeserward die katholische Volksschule Grietherbusch. Jetzt ist das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt worden. Dem hat der Bauausschuss in seiner vergangenen Sitzung zugestimmt.

In der Begründung zur Unterschutzstellung heißt es, dass "die alte Volksschule Grietherbusch ein guterhaltenes Beispiel des ländlichen Schulwesens aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Innen und außen anschaulich erhalten, ist sie Zeugnis für Architektur- und Ortsgeschichte. An ihrer Erhaltung und Nutzung besteht daher aus wissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse, hinzu kommen durch den Zusammenhang mit der Kirche auch städtebauliche Gründe. Der Eigentümer des Gebäudes plant eine Sanierung und spätere Nutzung des Gebäudes für Wohnzwecke. Mit der Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Rees ist er einverstanden."

In dem Buch "1+1 - Von der Stiftsschule zum Schulzentrum", herausgegeben von Stadtarchiv Rees, wird die Schulchronik zitiert. So wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Wintermonaten in der Schule bis zu 30 Kinder beschult. Lehrer Friedrich Becker hatte nach Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg, so ist in der Schulchronik zu lesen, bemängelt, dass Schüler der 8. Klasse beim Diktat 30 bis 50 Fehler machten und nicht einmal das Einmaleins beherrschten. Was dem ausgefallenen Unterricht anzulasten war, denn im Krieg konnte nur ein Lehrer aus Bienen wenige Stunden in der Woche unterrichten.

Im Jahr 1935 kam ein neuer Lehrer an die Schule, Alfred Roeger, der 28 Jahre lang blieb. An ihn kann sich der Reeser Everhard Baumann, ehemaliger Schüler der Volksschule Grietherbusch, noch sehr gut erinnern: "Vom 1. bis zum 8. Schuljahr saßen wir alle in einer Klasse. Als ich 1957 eingeschult wurde, waren wir vier Erstklässler. Die Familien waren damals kinderreich, so dass immer mehrere Kinder von Baumann, Heveling und Lörcks in einer Klasse saßen." Die Volksschulzeit war für Everhard Baumann prägend. "Lehrer Roeger war streng, aber frei in der Unterrichtsgestaltung. Wir rannten in der Pause zum Rhein, um uns dort einen neuen Ball zu suchen, durften unseren Hund mit zur Schule bringen und es kam durchaus vor, dass ich mit dem Rad nach Millingen fahren musste, um für Lehrer Roeger einzukaufen", erinnert sich Everhard Baumann. "Eine Schulglocke kannten wir nicht, wohl aber wurde täglich die Glocke von Schiller aufgesagt." Bei aller Freiheit haben die Schüler dennoch Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. "Wir haben viel von den älteren Schülern mitbekommen", resümiert Baumann. "Aus uns allen ist was geworden!"

Als Lehrer Roeger nach Ende von Baumanns Volksschulzeit fragte, ob dieser nicht das Gymnasium besuchen wolle und die Eltern zustimmten, "habe ich vier Wochen hinterm Bollerofen Intensivunterricht erhalten, um die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Es war schon eine urige Schule, an der es durchaus turbulent zuging."

Laut Schulchonik besuchten 20 Kinder im Jahr 1956 die Schule. Da wegen Hochwasser immer wieder Unterricht ausfallen musste, entschloss man sich, ein neues Schulgebäude auf Stelzen zu bauen. Es wurde im Jahr 1965 eingeweiht. Im Zuge der Teilung der Volksschulen in Grund- und Hauptschulen im Jahr 1968 wurde die neue Schule in Grietherbusch nach nur drei Jahren wieder geschlossen. Hier ist heute eine Zweigstelle der Universität Köln ansässig.

(ha)