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Rees: Demenz – Altern in Würde ?

Rees : Demenz – Altern in Würde ?

Zum Auftakt der Serie über die Altersmedizin stehen die Leistungsstörungen des Gehirns sowie die Demenz im Mittelpunkt. Dr.Hans-Jürgen Bosma, Chefarzt der Geriatrie des St.Willibrord-Spitals Emmerich-Rees, klärt auf.

Zum Auftakt der Serie über die Altersmedizin stehen die Leistungsstörungen des Gehirns sowie die Demenz im Mittelpunkt. Dr. Hans-Jürgen Bosma, Chefarzt der Geriatrie des St. Willibrord-Spitals Emmerich-Rees, klärt auf.

Die nach Prof. Alzheimer benannte „Alzheimer-Demenz“ nimmt dramatisch zu. 200 000 Patienten über 65 Jahre erkranken in Deutschland jährlich neu. Von den über 90-Jährigen ist nahezu jeder Zweite demenzkrank. Der Anteil dieser Altersgruppe in der Bevölkerung stieg in den letzten Jahren um 1000 Prozent ! Mehr als eine Million Menschen in Deutschland leiden an Demenz.

Ältere Patienten mit Leistungsstörungen des Gehirns werden häufig in Fachabteilungen für Geriatrie (Altersmedizin) behandelt. Längst nicht alle sind demenzkrank. Aber das alternde Gehirn ist besonders empfindlich, gerät rasch aus dem Gleichgewicht und leistet sich schon mal einen „Aussetzer“, wenn es selbst oder der übrige Organismus schwerwiegend erkrankt sind. Merkfähigkeit und Orientierung gehen verloren. Unruhe und Verwirrung entstehen.

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Besondere Aufmerksamkeit

Die Geriatrie in Rees widmet sich der geistig-seelischen Gesundheit der Patienten mit hoher Aufmerksamkeit. Ursachen für die Hirnleistungsstörungen werden diagnostisch erfasst. Oft bringt schon der Ausgleich des Wasser- und Elektrolythaushalts die geistigen Kräfte zurück. Gleiches gilt für die Normalisierung des Blutzuckers und der Körpertemperatur sowie die Verbesserung der Kreislauf-Situation. Je rascher medizinisch gehandelt wird, umso besser sind die Aussichten auf eine Stabilisierung. Bestehen geistige und seelische Defizite fort, oft verbunden mit wesensfremden Verhaltensstörungen, begründet dies den Verdacht auf eine Demenzerkrankung, meist eine Alzheimer-Demenz. Nun wird es für den Betroffenen und sein soziales Umfeld ernst. Denn keine Alterskrankheit greift elementarer in die Psyche und Persönlichkeit ein. Sie verändert das Wesen, das Erscheinungsbild, das Denken, Fühlen und Handeln. Das Altern in Würde steht zur Disposition.

Die Umgebung des Patienten muss den Verfall oft über Jahre mit erleiden und wird bis an die Grenzen der eigenen Kräfte gefordert. Über das individuelle Schicksal hinaus, ist die gesellschaftliche Bedeutung der Demenzerkrankung brisant. Die Versorgung ist kostenaufwendig. Etwa 50 000 Euro pro Patient und Jahr schlagen volkswirtschaftlich zu Buche. Weltweit sind es im Jahr knapp 150 Milliarden Dollar.

Je früher umso besser

Sowohl bei vorübergehenden mentalen Schwächen als auch bei einer Demenzerkrankung sind rasch einsetzende medizinische Maßnahmen sinnvoll und nützlich für den Patienten. Allerdings: eine Alzheimer-Demenz kann medikamentös nur mäßig gebessert und in ihrem Verlauf verlangsamt werden. Je früher aber die Behandlung beginnt, umso besser sind die Chancen auf eine Besserung der geistigen Leistungsfähigkeit und den Erhalt der Persönlichkeit.

(RP)