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Emmerich: Dem Spargel ist's zu kalt

Emmerich : Dem Spargel ist's zu kalt

Die Spargelsaison läuft – und irgendwie doch wieder nicht. Das kühle Wetter drückt die Umsätze der Landwirte. Die Pflanzen wachsen kaum, die Kunden kommen zögerlich, und Nachtfrost wird den Stangen gefährlich.

Die Spargelsaison läuft — und irgendwie doch wieder nicht. Das kühle Wetter drückt die Umsätze der Landwirte. Die Pflanzen wachsen kaum, die Kunden kommen zögerlich, und Nachtfrost wird den Stangen gefährlich.

Die Kälte macht den Spargelbauern zu schaffen, und dem Spargel auch. Anfang der Woche gab es Nachtfröste: "Die Köpfe, die da schon rausguckten, sind leider erfroren", sagt Landwirt Heiner van Bebber. Zum Glück waren es ohnehin nicht allzu viele. Auf zehn Hektar Fläche baut er am Eltenberg Spargel an. Eigentlich hatte er auf eine durchweg gute Saison gehofft. "Der März war so schön. Und dann kam der Wetterumschwung."

Ostersamstag ging in diesem Jahr der erste Spargel über die Theke seines Hofladens, erzählt van Bebber mit Galgenhumor: "Seitdem hampeln wir rum." Täglich werden nur ein paar Kilogramm verkauft, geerntet werden unter hundert Kilogramm am Tag: "Das ist ein Witz für einen Betrieb unserer Größe." Normal wären in der Saison um 500 Kilogramm täglich.

Schlimmer noch: Wenn das so weitergeht, dann muss der Landwirt sich nicht mehr nur Sorgen um die Kälte machen, sondern auch noch um die Wärme. Denn mit jeder kühlen Woche steigt das Risiko, dass es anschließend plötzlich richtig warm wird. Dann schießen die Spargelstangen hoch, "dann kommt alles auf einen Schlag raus. Man erntet zu große Mengen auf einmal, und der Preis geht runter. Dieses Hau-Ruck-Geschäft ist für uns nicht gut."

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Wer ganz allgemein das Gefühl hat, dass die Spargelsaison, Wetter hin oder her, von Jahr zu Jahr früher startet, liegt damit nicht ganz falsch. "Das ist eine Entwicklung der letzten 15 Jahre", erläutert van Bebber: "Der Trend ist immer massiver geworden." Grund dafür sind früh wachsende Spargelsorten und moderne Anbaumethoden. Hinzu kommen Wetterbedingungen: 2011 etwa begann der Verkauf schon am 1. April, weil es so warm war.

Gerade ältere Menschen wundern sich über so etwas immer wieder. Van Bebber kann das nachvollziehen: "Früher war die Spargelsaison mal sechs Wochen lang, von Anfang Mai bis zum 24. Juni." Wenn es richtig kalt ist, wollen aber auch jüngere Spargelliebhaber sich noch gar nicht wirklich auf den ersten Spargel stürzen: "Beim klassischen Direktvermarkter ist dann noch keine Nachfrage da." Für viele gehöre Spargel zum Frühjahr und den ersten richtig warmen Tagen.

Und die lassen in diesem Jahr nun mal auf sich warten. Der Umsatz ist also bescheiden. Noch könnte der Landwirt jedoch alles wieder aufholen, wenn nur das Wetter mitspielt. "Wir hoffen einfach, dass es jetzt langsam mal wärmer wird, aber nicht urplötzlich heiß."

(RP)