"Das Wunder von Rees" auf dem Marktplatz

Abendveranstaltung : Filmreif: „Das Wunder von Rees“

Nachdem es erst so aussah, als das Open Air-Kino auf dem Markt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen würde, spielte das Wetter dann doch noch mit. Gut 400 Zuschauer verfolgten den Filmabend unter freiem Himmel.

 Es gab ein Happy-End mit 400 Zuschauern, einem sternenklarem Nachthimmel und bester Kinostimmung. Doch der Auftakt zum Freiluftkino auf dem Reeser Marktplatz gestaltete sich so dramatisch, als hätte ihn ein Drehbuchautor ersonnen. Denn kurz vor 18 Uhr prasselte plötzlich der Regen auf die Stadt nieder, die dunklen Wolken und die miesen Wetterprognosen sorgten für lange Gesichter bei den drei Veranstaltern: Die Film- und Medienstiftung NRW ließ die große aufblasbare Leinwand erst mal schlaff auf dem nassen Boden liegen, der Verkehrs- und Verschönerungsverein stellte keinen der 500 georderten Gartenstühle auf, und die Stadt Rees rief Hausmeister Wilm Braem zum Bürgerhaus, um die Open-Air-Veranstaltung notfalls in den Saal verlegen zu können.

Doch dann passierte, was Anna Fantl, die seit 22 Jahren die „FilmSchauPlatz“-Reihe der Filmstiftung NRW organisiert, später als „Das Wunder von Rees“ bezeichnete. Gegen 19 Uhr zog die Wolkenfront weiter, sogar die Sonne kehrte zurück, und die von allen verloren geglaubte Kinonacht unter freiem Himmel konnte unverhofft stattfinden.

„Open Air ist halt doch am schönsten“, betonte Anna Fantl, die in den Sommerferien mit ihrem Vorführteam durch Nordrhein-Westfalen reist, um in 19 Städten je einen Hauptfilm und einen Kurzfilm an eher ungewöhnlichen Orten zu zeigen.

Die Stadt Rees hatte sich erstmals als „FilmSchauPlatz“ beworben und war dank ihres 8000 Quadratmeter großen Marktplatzes und der aktiven Vereinslandschaft sofort ausgewählt worden. „Wir sind der Meinung, dass ein Open-Air-Kino, wie auch die neue Konzertreihe auf dem Marktplatz, dazu beiträgt, den Wohlfühlfaktor für die Reeser Bürger und Besucher deutlich zu erhöhen“, sagte Bernd Hübner, Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins.

Sein Dank galt den Reeser Vereinen, die ehrenamtlich zum Gelingen des Filmabends beitrugen. Die Fußballer vom SV Rees, die Tennisspieler von Blau-Weiß Rees und die Schwimmer vom RSC versorgten die 400 Besucher mit Würstchen, Getränken, Popcorn, Nachos und Eis, der Buena Ressa Music Club sorgte auf einer Bühne an der Marktpumpe für das musikalische Vorprogramm, der Reeser Geschichtsverein zeigte im Schaufenster von „Mittags am Markt“ historische Rees-Filme in Dauerschleife.

Nach Sonnenuntergang wurde dann zunächst „Heimspiel“ von Boogdana Vera Lorenz auf die große Leinwand projiziert. Darin spielt „Tatort“-Kommissar Wotan Wilke Möhring einen Mann, der ein Doppelleben als Ethik-Lehrer und Hooligan führt und sich unverhofft ein brutales Duell mit einem seiner Gymnasiasten liefert.

Ab 22 Uhr schilderte dann Sebastian Groblers amüsanter Historienfilm „Der ganz große Traum“, wie ein junger Lehrer, gespielt von Daniel Brühl, im Jahr 1874 an einem Braunschweiger Gymnasium einen neuen Sport einführt, den er aus England mitgebracht hat: den Fußball. Sofort waren auf dem Reeser Marktplatz die Magie des Kinos und des Rudelguckens zu spüren. Die volle Aufmerksamkeit des Publikums galt der Handlung und den bekannten Schauspielern wie Justus von Dohnanyi, Axel Prahl oder Milan Peschel.

„Es ist wunderbar, dass trotz des verregneten Starts noch so viele Besucher gekommen sind“, zog Anna Fantl von der Filmstiftung NRW Bilanz. Und lachend strafte sie eine Frau Lügen, die ihr bei der Ankunft in Rees am Bahnhof gesagt hatte: „Hier findet nie was statt, und wenn doch, dann kommt niemand.“ Anna Fantl: „Ich hoffe, dass ich diese Dame noch einmal treffe, dann muss ich ihr heftig widersprechen.“

Am Dienstag wurde die „FilmSchauPlatz“-Reihe im Kloster Kamp mit dem Historienfilm „Die Päpstin“ fortgesetzt, am heutigen Mittwochabend läuft auf dem Außengelände des Otto-Pankok-Museums in Hünxe die Künsterbiografie „Loving Vincent“. Eine stetig wachsende Gemeinde von Filmfans reist jedes Jahr mit der Filmstiftung NRW zu allen oder vielen „FilmSchauPlätzen“.

So konnten die Veranstalter auch in Rees treue Gäste aus Duisburg, Neuss und Wuppertal begrüßen. Bürgermeister Christoph Gerwers, der zur Zeit im Urlaub weilt, hatte bereits vor dem Kinoabend signalisiert, dass Rees an einem solchen Angebot festhalten will. Im Sommer 2020 werde sich die Stadt aber für einen Wochenendtermin einsetzen oder, sofern keine erneute Kooperation mit der Filmstiftung NRW zustande kommt, das Freiluftkino in Eigenregie durchführen.

„Erste Gespräche haben gezeigt, dass es viele Geschäftsleute und Vereine gibt, die ein Open-Air-Kino in Rees unterstützen würden“, sagte der Bürgermeister. Die gute Resonanz vom Montagabend hat gezeigt, dass Rees in eine filmreife Zukunft blicken könnte.

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