Jahresrückblick 2017: Das war das Jahr in Rees und Isselburg

Jahresrückblick 2017: Das war das Jahr in Rees und Isselburg

Das Jahr sorgte für glückliche und dramatische Momente, Diskussionen, Neuanfänge und Abschiede.

Ralf Günther, Norbert Meyboom und Werner Geerlings sorgten gleich zum Jahresauftakt für bundesweite Schlagzeilen, weil sie eine 69-jährige Frau vor dem Ertrinken im Rhein retteten. Die drei Reeser, die sich zuvor nicht kannten, bildeten spontan eine Menschenkette, um vom Ufer aus die selbstmordgefährdete Frau aus dem kalten Fluss zu ziehen.

Mitte Januar wurden in einem Putenbetrieb in Mehrhoog Fälle von Vogelgrippe nachgewiesen. Deshalb wurden auch in einem nur 300 Meter entfernten Stall desselben Betriebes in Haldern 13.000 Puten getötet. Erst Ende Dezember 2016 waren 16.000 Puten in einem anderen Betrieb in Rees gekeult worden, weil in dem Stall das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen worden war. Im Umkreis von jeweils drei Kilometern galt ein Sperrbezirk, im Umkreis von zehn Kilometern wurde ein sogenanntes Beobachtungsgebiet eingerichtet.

November: Dramatische Momente in Anholt. Bei einem Unglück im Kieswerk Breels kommen zwei Menschen ums Leben. Foto: Markus van Offern

Die Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge (ZUE) im ehemaligen Bundeswehrdepot in Haldern hatte keinen guten Start. Erst verzögerte sich die Eröffnung, weil das Land NRW die notwendigen Verträge nicht unterzeichnete, dann sorgten Anfang März die ersten Bewohner bundesweit für Negativ-Schlagzeilen: Da ihnen die ZUE zu weit außerhalb lag und sie zum Teil keinen Internet-Empfang hatten, randalierten Flüchtlinge aus Ghana und Togo und griffen das Wachpersonal an. Der Sachschaden betrug 10.000 Euro, ein Bundespolizist verletzte sich beim Einsatz am Fuß. Die ZUE blieb über Monate ungenutzt, bis ein besseres Handy- und WLAN-Netz geboten werden konnte.

Das Fahrgastschiff "Stadt Rees" wurde im ersten Halbjahr 2017 umfangreich saniert und erweitert. Kapitän Rainer van Laak, der das Schiff 2015 an die Reederei Kolb verkauft hatte, freute sich über einen zweiten überdachten Salon, ein neues Freiluftdeck und einen 575 PS starken Motor. Insgesamt darf die "Stadt Rees" maximal 250 Personen auf dem Rhein befördern.

Oktober: Die Machbarkeitsstudie zum Reeser Freibad wird vorgestellt. Wie es weitergeht, ist noch offen. Foto: mvo

Die Saatkrähen im Stadtgarten dürfen bleiben. Der Rat entschied sich im Juni gegen eine Vergrämungsaktion. Um die seit Jahren kritisierten Belastungen durch die europaweit geschützten Vögel für die Anwohner, das Ärztehaus und die Apotheke am Stadtgarten zu verringern, will die Stadt regelmäßige Reinigungsarbeiten während der Brutzeit durchführen. Laut Stadt gibt es derzeit "keine rechtlich zulässigen und zeitgleich gesamtstädtisch verträglichen Handlungsmethoden", um die 268 Saatkrähen-Brutpaare aus der Innenstadt zu vertreiben.

Beim 34. Haldern Pop Festival war alles wie immer - und das ist auch gut so. Während der Auftakt am Donnerstagabend im fast schon bewährten Regen-Fiasko stattfand, schenkte der wankelmütige August dem Finale am Samstag feinstes Sommerwetter. Von den vielen Bands und Sängern bleiben unter anderem Mahalia, Charlie Cunningham, Clueso, Kate Tempest und Bilderbuch in der Erinnerung und in den Gehörgängen haften.

September: Eine junge Wölfin ist aus ihrem Gehege im Biotopwildpark Anholter Schweiz ausgebüxt. Zwölf Tage später wird sie erschossen. Foto: Biotopwildpark

Der erste Sommer ohne das Reeser Freibad stachelte die Diskussion über die Zukunft des geschlossenen Freizeitangebotes an. Die CDU-Fraktion will die Bürger entscheiden lassen, ob sich Rees das bis zu vier Millionen Euro teure Freibad leisten soll, die "Reeser Ampel" aus SPD, FDP und Grünen will den Badespaß ohne jeden Kompromiss und ohne den Ratsbürgerentscheid haben, damit aus Rees "kein Altenheim" wird. Die Machbarkeitsstudie, die den Ratsmitgliedern im Oktober vorgestellt wurde, wird auch im kommenden Jahr als Grundlage für weitere Diskussionen und Berechnungen dienen.

Ganz Deutschland fieberte mit der jungen Wölfin, die am 5. September aus ihrem Gehege im Biotopwildpark Anholter Schweiz floh und sich zwölf Tage auf dem eingezäunten Gelände aufhielt. Am 17. September erschossen Sicherheitskräfte das Tier, als es einen zwei Meter hohen Außenzaun des Parks überspringen wollte. Frank Schaffeld, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Isselburg, nannte die Maßnahme "traurig, aber notwendig." Oberstes Ziel sei es gewesen, die Wölfin nicht entkommen zu lassen und die öffentliche Sicherheit zu wahren.

Dezember: Die Rheinbrücke wird 50 Jahre alt und hat eine Beleuchtung spendiert bekommen. Foto: Scholten
  • Rees : ZUE Haldern nimmt Betrieb wieder auf

Die Dreifachturnhalle am Westring erhielt zu ihrem 40-jährigen Bestehen eine umfassende Sanierung für 2,9 Millionen Euro. Eine Million steuerte das Land Nordrhein-Westfalen aus dem Programm "Gute Schule 2020" bei, 1,2 Millionen kamen aus Mitteln des Bundesprogramms "Kommunalinvestitionsförderungsgesetz", die Differenz von 700.000 Euro beglich die Stadt Rees. Die attraktiver gestaltete Zuschauertribüne, die Umkleidekabinen und das Spielfeld sind über einen Aufzug jetzt auch für Rollstuhlfahrer erreichbar.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Rees erhielt eine neue Drehleiter. Die 800.000 Euro teure Neuanschaffung war nötig, weil das Vorgängermodell immer reparaturanfälliger wurde - obwohl die alte Drehleiter in ihren 26 Dienstjahren nur 16.700 Kilometer zurückgelegt hat und nur 732 Stunden im Einsatz war. Zu den Neuanschaffungen des Löschzugs Rees gehörte 2017 auch ein Boot, das vor allem zur Menschenrettung auf dem Rhein eingesetzt werden kann.

Dank André Venes, Maurer- und Betonbauermeister aus Haldern, scheint die unendliche Geschichte des Fachwerkhauses in der Hohen Rheinstraße 9 ein glückliches Ende zu finden. Venes kaufte die "Problemimmobilie", die als eines der ältesten gewerblich genutzten Häuser in der Innenstadt gilt und deshalb mit hohen Denkmalschutzauflagen versehen ist. Bis zum Frühjahr 2019 soll das kleine Haus in neuem Glanz erstrahlen und dann vermietet werden.

Haus Schaeling, im Mittelalter direkt auf die Reeser Stadtmauer gebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg von der Arztfamilie Schaeling renoviert, hat einen neuen Besitzer: Klaus Schmidt, der Jahrzehnte für die Europäische Union als Ministerialdirektor tätig war, hat das vermutlich schönste Wohnhaus der Stadt gekauft, komplett saniert und teilweise zur Galerie umbauen lassen. Seit dem Weihnachtswochenende kann das denkmalgeschützte Haus Schaeling gegen zwei Euro Eintritt besichtigt werden. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rees spendierte bereits im Sommer für den angrenzenden Mühlenturm eine Fahne mit Reeser Stadtwappen.

Die evangelische Kirchengemeinde Haffen-Mehr-Mehrhoog konnte zum 500. Jahrestag der Reformation ihren fast fertiggestellten Glockenturm am Gemeindezentrum in Mehrhoog einweihen. Dank vieler Eigenleistungen konnten die Baukosten unter 100.000 Euro gehalten werden, die weitgehend aus Spenden generiert wurden.

Ein abgerutschter Kiesberg im Anholter Kieswerk Breels verschüttete Ende November vier Mitarbeiter. Zwei von ihnen konnten gerettet werden, für zwei weitere kam jede Hilfe zu spät. Da weitere Kiesmassen abzurutschen drohten, gestaltete sich die Bergung der Opfer schwierig. Bis zu 120 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, THW und Deutschem Roten Kreuz waren an der Unglücksstelle am Hahnerfeld beschäftigt.

Die Rheinbrücke Rees wurde am 20. Dezember 50 Jahre alt und ist - laut Brückenprüfung durch Straßen.NRW - noch immer gut in Schuss. Ein halbes Jahrhundert, nachdem der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke die "Rheinharfe" für den Verkehr freigab, stellten Stadtarchivarin Tina Oostendorp und Eila Braam eine Ausstellung im Museum Koenraad Bosman (das 2017 sein 20-jähriges Bestehen feierte) zusammen. Die Exponate sind bis zum 4. Februar 2018 zu sehen. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rees spendierte der Rheinbrücke zum Jubiläum eine 41.000 Euro teure Beleuchtung mit zwölf LED-Strahlern, die seit der Reeser Kirmes an jedem Abend per Zeitschaltung anspringen.

VON MICHAEL SCHOLTEN

(RP)