Rees : Das Reeser Örtchen

Immer mehr Gastronomen in Rees beteiligen sich an der Aktion, bei der Passanten die Toiletten der Lokale nutzen können. Auslöser war zunehmender Vandalismus an der öffentlichen Toilette.

Die meisten dürften das Problem kennen: Das Wetter ist schön, man unternimmt einen Spaziergang am Rhein, trinkt das ein oder andere Bier, das dann aber auch wieder raus will. Doch wohin damit? Die Stadt Rees hat nun eine einfache und kreative Lösung gefunden.

Die Ausgangslage: Bis Dezember stand in der Reeser Altstadt für die Erledigung der Notdurft eine öffentliche Toilette zur Verfügung. Doch weil diese immer wieder Ziel von Vandalen und Schmierfinken war, sah sich die Stadt gezwungen im Dezember des vergangenen Jahres die Reißleine zu ziehen und die Toilette zu schließen. Man habe den Reinigungskräften diese Zustände nicht weiter zumuten wollen, heißt es von der Stadt.

Im Rathaus wurde man daraufhin aktiv und hatte eine Idee. Kurzerhand fragte man die Gastronomen in der Innenstadt, ob sie sich vorstellen könnten, ihre stillen Örtchen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen - mit Erfolg. "Die Resonanz ist sehr gut. Aktuell beteiligen sich zehn Gastronomen an der Aktion", sagt ein Stadtsprecher. Die Aktion, das ist das "Reeser Örtchen". Lokale, an deren Eingang ein grün-weißer Aufkleber mit dieser Aufschrift klebt, nehmen teil. Dort kann also kostenlos die Notdurft verrichtet werden. "Wir freuen uns, dass wir auf diesem Wege eine Möglichkeit gefunden haben, das bislang vorhandene Angebot adäquat zu ersetzen", sagt Sigrid Mölleken, zuständige Fachbereichsleiterin für Schule, Kultur und Stadtmarketing.

Das Angebot richte sich besonders an Touristen und Besucher der Altstadt. "Die meisten zieht es ja zum Rhein. Wir wollen damit den Besuchern eine Alternative zu der Toilette geben, die wir schließen mussten", sagt ein Sprecher der Stadt Rees. Eine Ausweitung der Aktion über die Innenstadt hinaus sei daher nicht geplant.

Bei den Gastronomen kommt die Aktion offenbar gut an. In kurzer Zeit hätten sich viele Lokale bei der Stadt gemeldet. Die zahlt ihnen für die Bereitstellung des "Reeser Örtchens" eine Aufwandsentschädigung von 300 Euro pro Jahr. Finanziert werde das durch die Mittel, die nun nicht mehr für die geschlossene öffentliche Toilette gebraucht würden, sagt der Stadtsprecher. "Die Stadt ist auf mich zugekommen und ich habe sofort zugesagt. Für mich war das aber auch vorher schon selbstverständlich", sagt etwa Andrea Collins, Inhaberin der Rheinterrassen Rees. Sie sieht in der Aktion auch eine Art Win-Win-Situation für die Gastronomen. Schließlich werde man von den Gästen als freundlich wahrgenommen und der ein oder andere Toiletten-Gänger setze sich vielleicht auf ein Getränk in das Lokal. Collins sucht derzeit noch einen Ort für das "Reeser Örtchen"-Logo, damit es auch in jedem Fall gesehen werde. In wenigen Tagen wird dann aber auch an den Rheinterrassen der Aufkleber hängen.

Bedenken, wonach die Vandalen nun auch die Toiletten der Gastronomen verunstalten könnten, hat die Stadt nicht. Denn die geschlossene Toilette lag etwas abseits und war naturgemäß nicht videoüberwacht. Das sei in den Lokalen anders. Schließlich fallen dort Personen, die die Toilette nutzten, eher auf. "Wir glauben, dass Vandalismus somit weitestgehend eingeschränkt beziehungsweise ausgeschlossen ist", sagt ein Stadtsprecher.

Diese Lokale nehmen teil: Rhein-Café Rösen; Caféhaus Jansen; Café Marché; Café und Bistro Zum Froschkönig; Hotel Rheinpark; Gaststätte "Zum Köpi"; Balkanstübchen Sarcevic; Eiscafe Roma sowie die Rheinterrassen Rees.

(maxk)