Rees Das Festival für den Niederrhein

Rees · Haldern Pop steht in den Startlöchern - diesmal unter dem Motto "Mehrsamkeit".

 Blick auf die Haldern-Pop-Bühne im vergangenen Jahr. Damals trotzten die Fans auch dem schlechten Wetter.

Blick auf die Haldern-Pop-Bühne im vergangenen Jahr. Damals trotzten die Fans auch dem schlechten Wetter.

Foto: Thomas Binn

Wenn sich am 9. August der Vorhang für die 35. Auflage des Halderner Open Air hebt, werden die gut 7000 Fans auf dem alten Reitplatzgelände über drei Tage nicht nur mehr als 60 Bands und Einzelinterpreten geboten bekommen, sondern auch wie üblich ein hintergründiges Festival-Motto. Diesmal haben sich die Organisatoren um Stefan Reichmann für das hübsche Wort "Mehrsamkeit" entschlossen - wohl ein Contrapunkt zur digitalen Einsamkeit, in die immer mehr Menschen in Zeiten der sogenannten sozialen Netzwerke verfallen.

Zur "Mehrsamkeit" gehört nach Ansicht der Festival-Macher aber nicht nur das gemeinsame Musikhören, sondern auch die musikalische Vielfalt, für die Haldern Pop bekannt ist. Das traditionell genreübegreifende Open Air scheut sich auch in diesem Jahr nicht, Hip-Hop-Bands wie The Lytics, Elektro-Popper wie Shortparis oder die "Schlagerbestie" Stefan Florian aus Kaltern in Südtirol mit seiner Playbackmaschine neben gestandenen Rockbands wie "de Staat" auftreten zu lassen.

Das Festival als buntes Miteinander der Musikrichtungen - und auch der der Generationen: Erst vor kurzem stießen die Organisatoren beim Aufräumen in der Pop-Bar, einst die Kneipe Koopmann, auf eine alte Jugendschutzverordnung aus den 1950er Jahren, die mit "Achtung Jugendliche!" überschrieben war. Dass sich das eher wie eine Warnung vor Jugendlichen liest, ist für Reichmann kein Zufall. Doch was früher strikt getrennt wurde, soll heute durch die Musik verbunden werden.

Dass Musik Generationsunterschiede überwindet, wird sich auch bei der Talkrunde bemerkbar machen, die es während der dreitägigen Veranstaltung bereits seit einigen Jahren mit Größen aus der Pop-Welt gibt. Dieses Mal ist Richard McPhail zu Gast, der erste Tourmanager von Genesis und Peter Gabriel, der im vergangenen Jahr ein Buch über seine Zeit mit der einstigen Prog-Rock-Band von den Anfängen bis 1977 veröffentlichte. Stefan Reichmann freut sich schon auf diesen Termin, denn Genesis hat auch einen Bezug zu den Anfängen von Haldern Pop. "Die frühen Platten waren in jedem Haushalt der Raum-3-Leute zu finden. Das haben wir damals oft gehört", erinnert er sich.

 "Achtung Jugendliche!": So war's früher. Heute soll Musik auch Generationen miteinander verbinden.

"Achtung Jugendliche!": So war's früher. Heute soll Musik auch Generationen miteinander verbinden.

Foto: bal

Reichmann möchte das Festival aber auch dazu nutzen, Werbung für den Niederrhein zu betreiben. "Visionen, Energie, Gastfreundschaft" sind die Schlagworte, mit denen in einem Aktionszelt, das mit kleinen Ausstellungsstücken versehen ist, nicht nur auswärtigen Besuchern die Vorzüge der Region näher gebracht werden sollen. Es geht auch darum, die Landflucht zu verhindern. Das schlägt sich auch in den Videos nieder, mit denen Haldern Pop auf seiner Internetseite für das Festival wirbt. Ausschnitte aus einem Dokumentarfilm Clemens Reinders' über Haldern aus den 1990er Jahren oder Carla Gottweins Künstlerdokumentationen werden mit den Bandnamen unterlegt, die beim Festival auftreten. In diesen schön aufbereiteten Filmschnippseln spielt das ländlich-beschauliche Haldern mehr als nur eine Nebenrolle.

Um die Verbundenheit mit der Region zu unterstreichen, wurden auch wieder regionale Sponsoren-Partner an Bord geholt wie der Feuerzeughersteller Zippo (Emmerich) oder Ahoj-Brause (Katjes). Erstmals mit dabei ist Bofrost. Der Straelener Hersteller von Tiefkühlkost wird mit einem neuen, auf jüngere Kunden zugeschnitten Angebot auf dem Campingplatz Snacks anbieten und außerdem auch das Festival-Team während der Aufbauphase verköstigen.

Seit gestern ist auch der grobe Plan festgesurrt, wo und an welchem Tag die Bands spielen. Den Donnerstag eröffnet der Klangkünstler Claus van Bebber aus Appeldorn in der Pop Bar, während Philip Poisel wohl den ersten Festivaltag auf der Hauptbühne beschließen wird. Dazwischen gibt es 22 weitere Acts, verteilt auf die Hauptbühne, das Spiegelzelt, die St.-Georg-Kirche und das Tonstudio Keusgen. Nach den guten Erfahrungen aus 2017 soll auch wieder das katholische Jugendheim für Auftritte während des Festivals genutzt werden; diesmal nicht nur für rein akustische Auftritte. Außerdem werden die dort auftretenden Künstler auch eine kleine Bühne aufgebaut bekommen.

Am Festival-Freitag dürfen sich die Fans unter anderem auf die Villagers und Nils Frahm auf der Hauptbühne sowie Curtis Harding und Deerhoof im Spiegelzelt freuen. Der Festival-Samstag bietet Größen wie King Gizzard & The Lizard Wizard und Kettcar (jeweils auf der Hauptbühne) oder Love A (Spiegelzelt). Die genauen Uhrzeiten werden noch bekanntgegeben.

www.haldern-pop.de

(RP)