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Das Ende der Europaschule Emmerich

Schule : Das Ende der Europaschule

Der Abschied von 41 Schülern bedeutet diesmal auch gleichsam das Auslaufen der Hauptschule. Ein Blick auf die bewegte Geschichte einer Einrichtung, deren Ende in diesen Tagen eher sachlich vollzogen wird.

(mavi) Mit allzu vielen Tränen der Trauer ist am Freitag, 28. Juni, nicht zu rechnen, wenn die letzten 41 Schüler der Europaschule verabschiedet werden. „15 von ihnen wurden an der Europaschule eingeschult. Alle anderen stammen von Realschulen aus Emmerich und Kleve. Es sind neue, unbelastete Schüler. Diese Schule ist für sie aber keine große Heimat“, schildert Hans-Jürgen Oimann, kommissarischer Leiter. Emotional sei das eher eine „abgeklärte Stimmung. Wir wussten ja, dass es so kommt.“ Und so herrscht schlichtweg Freude über den bevorstehenden Abschluss.

Die Europa-Hauptschule ist aus der Hauptschule an der Merowinger Straße entstanden. Diese zog im Februar 1977 ins Schulzentrum an der Hansastraße, wo man sich das Gebäude dann mit dem Hansa-Gymnasium teilte. Im September desselben Jahres beschloss der Rat die Umbenennung zur Europa-Hauptschule.

Hans-Jürgen Oimann, kommissarischer Leiter. Foto: FUNKE Foto Services GmbH/Thorsten Lindekamp

Ab 1974 hieß der Leiter Günter Rucki. Eine andere Hauptschule, nämlich die 1969 als Nachfolger der Volksschule eröffnete Grunewald-Hauptschule, lief Ende der 80er-Jahre aus. Ein Zuwachs für die Europaschule war somit zu erwarten. Zugleich stiegen die Anmeldezahlen am Gymnasium und es wurde zu eng an der Hansastraße.

Noch bis 1991 war die Europa-Hauptschule an der Hansastraße beheimatet. Erst dann folgte der Umzug in das eigene Gebäude an der Paaltjessteege.

2006 übernahm Ingrid Pankoke die Leitung als Nachfolgerin für Günter Rucki. Rund um die 2010er-Jahre – das Image der Hauptschulen hatte gesellschaftlich längst gelitten – erfolgte die Umbenennung in Europaschule. Im August 2011 wechselten die verbliebenen Schüler der Luitgardis-Hauptschule in Elten, die geschlossen wurde, zur Europaschule. Dies hatte zur Folge, dass die Europaschule auf einmal über 500 Schüler zählte.

2013 kam dann der Paukenschlag: Neben der Hanse-Realschule würde auch die Europaschule im Zuge der Neugründung der Gesamtschule Emmerich auslaufen. Ganz und gar nicht willkommen war die Entscheidung, dass die Europaschule ab dem Sommer 2017 für die letzten beiden Jahre nach Elten ziehen sollte, wo ja die alte Luitgardis-Hauptschule freie Räumlichkeiten hinterlassen hatte, die allerdings für die neuen Zwecke eher improvisiert zu nutzen waren.

„Die Schüler fühlen sich als Emmericher. Vor zwei Jahren fühlten sie sich weggeschoben. Sie wollen noch nicht einmal ihren Abschluss hier feiern“, erklärt der 65-jährige Hans-Jürgen Oimann. Lediglich drei Schüler stammen aus Elten.

Ab 2015 leitete Hans-Jürgen Oimann die Geschicke der Schule kommissarisch, der im August 1985 an der Luitgardis-Hauptschule in Elten anfing, bevor er ab dem 1. März 2008 zur Europaschule kam. Die Schule zählt heute gerade mal vier Klassenräume. Das historische Gedächtnis, das Archiv, ist nicht mit umgezogen. Für alte Zeugnisse vor 1985 müssen Ex-Schüler zur Paaltjessteege, um Zugriff zu bekommen.

Eigentlich zählt die Europaschule nur noch drei Lehrer, neben Oimann sind es Bernd Derksen und Gudrun Loock. Aber drei bereits abgeordnete Lehrer kommen nach wie vor: „So konnten wir noch alle Fächer abdecken. Eine gute Kooperation mit den anderen Schulleitern“, findet Oimann, der im kommenden Schuljahr an einer Hauptschule in Wesel eingesetzt wird.

Was machen die 41 Schüler nun? Acht haben eine Lehrstelle. Zwölf wollen das Fachabitur machen, 21 die Fachoberschulreife. „Wir hätten gerne mehr Schüler in Lehrstellen gehabt. Sie werden auch von den Firmen umworben“, verrät Oimann. Aber es stecke in den Köpfen der Eltern, dass die Schüler höhere Abschlüsse anstreben sollten. Insgesamt sei die Europaschule zuletzt sehr vehement damit beschäftigt gewesen, den weiteren Anschluss der Schüler zu fördern.

Für die letzten Europaschüler steht in den letzten Schultagen das Pauken nicht mehr im Fokus. „Wir machen Wandertage. Es geht zum Burger’s Zoo, nach Düsseldorf und wir gehen in Emmerich gemeinsam essen“, so Oimann.