Rees: Das Dorf Mehr trotzt der Karnevals-Krise

Rees: Das Dorf Mehr trotzt der Karnevals-Krise

In anderen Orten kämpfen die Sitzungen mit Besucherschwund, im Reeser Ortsteil ist der Büttenabend in kurzer Zeit ausverkauft.

Der Prinz ist sicher: Karneval steckt in der Krise. "Wir sind viel unterwegs und in der Session herumgekommen, auch bis Düsseldorf. Überall war zu sehen, dass der Karneval auf dem absteigenden Ast ist", sagte Prinz Olaf I. aus Wesel bei seinem Abstecher am Samstag nach Mehr. In Wesel hat diese Krise bereits für Katerstimmung gesorgt, weil auch dort immer mehr Narren den Sitzungen fern blieben. Kein Wunder also, dass der Prinz strahlte, als er durch das Festzelt in Mehr blickte. Es war ein imposantes Bild. Die 75 Personen starke Truppe aus Wesel auf der Bühne, unten ein rappelvoller Saal. Erneut waren die 400 Karten innerhalb weniger Minuten ausverkauft gewesen. Karneval boomt in Mehr. Krise ist woanders. "Es ist toll, so einen vollen Saal zu sehen. Das zeigt, hier in Mehr ist es noch anders", sagte der Prinz unter dem Jubel der Narren, die an diesem Abend wieder zeigten, woran es liegen könnte, dass Karneval in Mehr Konjunktur hat.

Foto: Latzel

Erneut führte Markus Kresken gewohnt launig und schräg durch das Programm, begleitet von Moritz Kleineberg und Torben Terhorst in knappen Kleidchen. Wie immer bekamen viele ihr Fett weg: Ortsvorsteher Heinz Scheepers ("Früher hat er die Kühe gemolken, jetzt melkt er die Camper."), König und Wirt Hardy Baumann ("In 20 Jahren hat sich auf der Speisekarte nichts geändert, nur aus D-Mark ist Euro geworden.") oder Bürgermeister Christoph Gerwers. Dem zogen die Narren 25 Euro für ein Plastikplanschbecken aus der Tasche, damit Rees auch weiterhin ein Freibad hat. Milde gestimmt waren die Jecken diesmal beim Schützenpräsidenten Norbert Scheepers. Der gibt im Sommer sein Amt ab, für seinen Einsatz gab es ein dickes Dankeschön von Markus Kresken, schließlich gehört Scheepers mit zu denen, die den Karneval in Mehr hoffähig gemacht haben. Auch der Präsident machte noch einmal deutlich, dass Mehr eine Karnevalshochburg ist. "Die Sitzung ist jedes Jahr ausverkauft, hier blüht der Karneval. Das liegt auch am Personal, das sich dafür einsetzt", sagte Scheepers.

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Und dass am Nachwuchs kein Mangel herrscht, wurde auch beim Programm deutlich. Gleich mehrere Tanzgruppen aus dem Ort traten mit den Little Stars, Big Bang Beats oder No Name auf. Und bei den Tanzwieselchen aus Wesel mischten ebenfalls Kinder aus Mehr mit. Dazu waren traditionell die Funken aus Haffen samt Königspaar und Anhang, die Tanzgruppe aus Emmerich sowie Draculas Töchter aus Haldern dabei. Seit Jahren eine Bank im Programm ist Georg Jansen aus Kellen, der der Jugend den Unterschied zwischen Smartphone und Telefon mit Schnur erklärte. Echte Eigengewächse sind die Bänkelsänger, die die kleinen und großen Geheimnisse des Ortes noch einmal auf die Bühne brachten. Etwa die Geschichte von dem Mehrhooger, der den Baum vor der Gastwortschaft "Zur Rose" rammte, der daraufhin ins Fenster der Kneipe stürzte. Premiere hatten die Männertanzgruppe Heiße Feger ebenso wie die Erstausstrahlungen der närrischen Fernsehsendungen "Bares für Rares" und "Schützen suchen ein Zuhause". Zur musikalischen Unterstützung hatten sich die Mehrer die Niederrhein Musikanten aus dem Nachbarort Bislich geholt.

Und um das Programm im kommenden Jahr ist es Markus Kresken nicht bange: "Wer weiß, wer da noch so alles kommt, wenn doch in Köln und Düsseldorf nix los ist."

(zel)
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