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Das Balkanstübchen in Rees wird 40 Jahre alt

REES : Das Balkanstübchen wird 40 Jahre alt

Blaz und Kata Sarcevic betreiben ihren Gastronomiebetrieb seit vier Jahrzehnten. In der Coronakrise feiern sie das Jubiläum aber nicht groß. Heute freuen sie sich auf ein Wiedersehen mit den Kunden.

Das Jubiläumsjahr 2020 hätte weniger aufregend beginnen können: Im Januar kursierten Gerüchte, das Balkanstübchen würde schließen, im März schlug dann die Corona-Pandemie zu. Blaz und Kata Sarcevic stellten ihre Gastronomie vorübergehend auf einen reinen Außer-Haus-Verkauf um, nahmen Bestellungen telefonisch an und reichten die Speisen durch ein Fenster an die maskierten Kunden. „Wir hatten erst überlegt, Kurzarbeit anzumelden“, sagt Kata Sarcevic, „aber Blaz meinte: Wir machen weiter! Wenn wir zeitweise schließen, dauert es lang, bis die Leute wiederkommen.“ Die Rechnung ging auf, die Stammkunden hielten der Familie Sarcevic die Treue und freuten sich mit ihr über alle kleinen Lockerungen, die mittelfristig wieder zum Normalbetrieb führen werden.

Am heutigen Samstag gibt es einen weiteren Grund, mit Sliwowitz anzustoßen: Dann wird das Balkanstübchen in der Neustraße stolze 40 Jahre alt. „Natürlich machen wir weiter“, räumen Kata und Blaz Sarcevic die kleinen Reeser Gerüchte aus der Welt. „Wir machen das gern und sind auch in Zukunft für unsere Gäste da, solange die Gesundheit mitspielt.“

1980 waren Blaz und Kata Sarcevic von Marburg nach Rees gekommen. Blaz‘ Bruder, Ivo Sarcevic, hatte ein Imbissgeschäft im sogenannten Haus Keim übernommen, aus dem 1997 das Koenraad-Bosman-Museum wurde. „Ich habe vom ersten Tag an mitgearbeitet“, sagt Kata Sarcevic, die damals mit der Familie über dem Imbiss wohnte. 1989 erfolgte der Umzug ins eigene Haus in der Neustraße 35, da hatte das Ehepaar Sarcevic schon lange das Balkanstübchen übernommen, in dem auch die mit ihnen verwandte Delfa Ivancic seit nunmehr 39 Jahren mitarbeitet.

Seit 2011 betreibt die Familie auf der gegenüberliegenden Straßenseite auch den Partysaal der ehemaligen Gaststätte „De Wechsdos“, besser bekannt als„Pilla Lola“. Der zusätzliche Partyservice ist nur möglich, weil sowohl die Töchter Lucija und Jelena, trotz eigener Berufstätigkeit, als auch Sohn Antonio, trotz Studiums, in beiden Häusern eifrig mitanpacken. „Ein Anruf – und sie sind zur Stelle“, lobt Blaz Sarcevic die jüngere Generation.

Die Familie spielt bei den Sarcevics ohnehin eine große Rolle. Als im ehemaligen Jugoslawien der Krieg ausbrach, fanden mehrere Verwandte vorübergehend Zuflucht und Sicherheit in Rees. Für Kata Sarcevics Mutter baute die Familie in Kroatien ein neues Haus, nachdem das frühere Domizil im Krieg zerstört worden war. Groß gefeiert wird das 40-jährige Bestehen des Balkanstübchens am Samstag nicht.

Aber die Familie freut sich auf ein Wiedersehen mit allen Kunden, die teilweise schon in der dritten Generation im Balkanstübchen einkehren. Im Juli gönnen sich Blaz und Kata Sarcevic wieder zwei Wochen Urlaub in Kroatien, während der Betrieb in Rees natürlich weiterläuft. Familien-Ehrensache!