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Das Alte Landhaus Emmerich: Nur noch Erinnerung

Serie : Das Alte Landhaus: Nur noch Erinnerung

„Mannis kleines Museum“ hat Bilder vom Alten Landhaus mit seiner bewegten Geschichte.

Zwischen Vrasselt und Emmerich stand das alte „Gut Hövel“, das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, mit seinen Stallungen. Das als „Altes Landhaus“ bekannte Gebäude hat eine bewegte Geschichte erlebt.

Als seine Besitzerin Helene Cürten im Jahr 1924 starb, hinterließ sie das Anwesen mit rund acht Hektar Grundstücksfläche der Katholischen Kirche. Wegen der Inflation bezifferte das Katasteramt die Erbschaft auf rund 16 Milliarden Mark. Die Kirche hatte die Schenkung mit der Auflage bekommen, dass in dem Gebäude an der damaligen Provinzialstraße – später Alte Reeser Straße - acht Monate im Jahr erholungsbedürftige Kinder betreut werden. Dafür schloss der Kreis Rees einen Vertrag und bezuschusste den Umbau mit 25000 Mark. Den Rest des Jahres sollten Exerzitienkurse stattfinden, die von Nonnen und Geistlichen durchgeführt werden sollten. Offiziell wurde das Haus „Exerzitienhaus und Kinderheim des Kreises Rees zu Vrasselt“ genannt, geführt wurde es von den Schwestern der göttlichen Vorsehung. 26 Betten standen in den Räumen.

 Das Landhaus als Altersheim.
Das Landhaus als Altersheim. Foto: Mannis Museum
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Da das Gebäude unter erheblichen Mängeln litt, wurde Geld gesammelt, unter anderem trug eine Sammlung in den Dekanaten Rees, Hamborn, Kalkar, Geldern, Moers und Xanten dazu bei, dass der erste Exerzitienkurs für Jungfrauen im Oktober 1924 starten konnte. Kurze Zeit später wurden dann die ersten Kinder aufgenommen. Mit dicken Suppen und Kartoffelspeisen wurden die Kinder hier aufgepäppelt.

 Weihnachtsmarkt am Alten Landhaus.
Weihnachtsmarkt am Alten Landhaus. Foto: Mannis Museum

1936, drei Jahre nach der Machtübernahme durch die Nazis, verlängerte der Kreis den Vertrag nicht mehr. So kam es zur Schließung des Kinderheims. Bis in die letzten Kriegstage wurden Verletzte und Kranke in einem dort eingerichteten Notlazarett der Wehrmacht versorgt. Nach dem Krieg diente das Landhaus als Heim für ausgebombte Familien.

 Eine Nonne kümmert sich Bild um den Garten des Landhauses.
Eine Nonne kümmert sich Bild um den Garten des Landhauses. Foto: Mannis kleines Museum/Mannis Kleines Museum

In den 50er Jahren zogen Senioren in das dort entstandene Altenheim ein. Ende der 60er Jahre bekam das Gebäude sogar einen Fahrstuhl. Danach wohnten Nonnen aus der Ukraine eine Zeitlang in dem Haus. 1975 kaufte die Stadt Emmerich das rund 12000 Quadratmeter große Areal. Fast zeitgleich zog der Gründer der Aktion Bildungshilfe, Pater Legeland, ein – mit einem Dritte-Welt-Basar, einer Teestube und Workshops. In den 80er Jahren kümmerten sich junge Leute um Haus und Hof. Sie bauten den alten Kuhstall mit viel Einsatz zu einem Saal um, in dem Gruppen meditieren und tanzen konnten. Später diente das Gut als Tagungs- und Seminarhaus für verschiedene Gruppen. 1990 diskutierte die Politik über einen Abriss, weil es im Plangebiet für das Logistische Dienstleistungszentrum lag, was dann aber nicht passierte.

Anfang der 2000er Jahre bemühte sich der Verein „Landhausfreunde“ verstärkt um die Sanierung. Es kamen Ideen auf, aus dem Landhaus eine Herberge mit Café zu machen und dort eventuell einen Hochseilgarten zu bauen. Der damalige Kaufpreis von 300.000 Euro schreckte aber ab, zumal dieselbe Summe für die Sanierung von Dach, Fenster, Heizung, Elektro- und Sanitäranlagen zu investieren war. Es wurde gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) ein Konzept aufgestellt: eine Herberge samt Kulturzentrum, Gastronomie, fünf Sommerhäuser und naturnahem Campingplatz sollte dort entstehen. Die 2,2 Millionen Euro Kosten sollten zu 65 Prozent durch das Land finanziert werden. Die Politik wollte das Risiko nicht tragen, es gab keine Mehrheit für diese Pläne. Außerdem machte der Naturschutz einen Strich durch die Rechnung, weil der dort beobachtete Steinkauz unter besonderem Schutz steht.

Das Alte Landhaus verfiel in einen Dornröschenschlaf, ab und zu geweckt durch einzelne Aufräumaktionen, einem Weihnachtsmarkt mit 20 Ständen und Live-Musik im Dezember 2006 und den Rock-Over-Festivals in 2006 und 2007. Im Februar 20013 gab es hier ein Feuer, wobei der Dachstuhl ausbrannte und im Innern des Gebäudes alles zerstört wurde, so dass es abgerissen werden musste. Damit war das Alte Landhaus Geschichte. Der Streit um seine Weiternutzung als Ausflugsziel und Kulturtreffpunkt war ohnehin politisch bereits entschieden.