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Corona-Infizierte: Verhindert Zeltstadt Lockdown in Emmerich, Kleve, Goch & Geldern?

Zentrale Unterbringung bei Corona-Infektion : SPD-Bundestagsabgeordnete schlägt Zeltstadt für Leiharbeiter im Kreis Kleve vor

Verlieren wir wieder die Freiheiten? Barbara Hendricks (SPD) geht davon aus, dass die Zahl der infizierten Leiharbeiter im Kreis Kleve weiter steigt und schlägt zentrale Unterkünfte vor. Sie können einen Lockdown verhindern.

75 Leiharbeiter sind in Emmerich am Mittwoch in Quarantäne geschickt worden. Sie alle wurden auch getestet. Diese Ergebnisse soll es am Donnerstagabend oder Freitag geben, sagte Bürgermeister Peter Hinze am Mittwoch. Die bange Frage lautet daher: Wie viele dieser 75 Menschen sind an Covid-19 erkrankt? Und wie viele folgen noch?

26 Leiharbeiter im Kreis Kleve sind es bereits. Das wissen die Behörden seit Mittwoch. 21 davon in Emmerich. Und: Alleine in Emmerich sind in den 40 Sammelunterkünften 350 Leiharbeiter gemeldet. Kleve hat 51 Unterkünfte, Goch 24, Kranenburg 18. Hinzu kommen eine Reihe kleinerer Einheiten.

Barbara Hendricks schlägt zentrale Unterkünfte vor. Sie können einem möglichen Lockdown vorbeugen. Foto: Susie Knoll

Tests in den Städten des Kreises sind angelaufen. Das muss auch so sein, wie das NRW-Gesundheitsministerium dem Klever Landrat noch mal verdeutlicht hat. Details der Untersuchungen will der Kreis Kleve nicht mitteilen. Vermutlich wird die Öffentlichkeit daher nur über die täglichen Corona-Mails des Kreises Kleve erfahren, wie viele Neuansteckungen es gegeben hat. Und auf diese schaut die Öffentlichkeit seit Mittwoch ganz genau. Denn es gibt die Regelung der Landesregierung, dass es bei einer Rate von 50 Neuinfizierten auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen zurück in den Lockdown geht.

Günther Bergmann beruhigt: „Wir werden eine Lösung finden.“ Foto: Bergmann

Für den Kreis Kleve mit seinen 312.000 Einwohnern bedeutet das: Steigt die Zahl der Infizierten auf 150 an, gelten wieder die verschärften Bedingungen der Coronakrise. Zumindest die Zahlen von Donnerstag beruhigen: Unverändert wie am Vortag betrug die Zahl der Neuinfizierten 46. Dass allerdings die Zahlen ansteigen, gilt als sicher.

Doch es gibt eine Lösung, falls sie dramatisch hoch werden. Den Weg hat die Kreis Klever Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks (SPD) am Donnerstag im RP-Interview angedeutet. Sie schlägt eine zentrale Unterbringung von Leiharbeitern vor, die in Quarantäne oder schon infiziert sind. Hendricks: „Eine zentrale Unterbringung an vielleicht zwei Stellen im Kreis sorgt dafür, dass die Hygienebestimmungen in der Quarantäne eingehalten werden können. Und es kann kontrolliert werden, dass sich alle daran halten.“

Ein weiterer wichtiger Punkt: „Die Lockdown-Regelung lässt die Möglichkeit zu, dass die verschärften Bedingungen nur lokal greifen, so dass wir den Lockdown nicht von Straelen bis Elten haben.“ Dafür, so Hendricks, müsse der Kreis Kleve nun schleunigst für eine zentrale Unterbringung der Leiharbeiter sorgen. „Das können Flüchtlingsunterkünfte sein, die kaum noch belegt werden. Oder sogar eine Zeltstadt.“

Die Bundestagsabgeordnete fragt: „Wie sollen die Menschen denn die Quarantäne-Bestimmungen einhalten, wenn sie mit zehn oder zwölf Leuten in einer Wohnung sind? Mindestabstand, getrennte Mahlzeiten – Wie soll das gehen?“ Da sei es programmiert, dass die Zahl der Infizierten weiter ansteige, weil sich die Menschen in den engen Wohnungen gegenseitig ansteckten. Und natürlich bestehe auch die Gefahr, dass in diesen 14 Tagen engsten Zusammenlebens Spannungen und Gewalt entstünden.

Hendricks sieht im übrigen jetzt auch die niederländischen Behörden in der Pflicht, die Lohnzahlungen für die Leiharbeiter durchzusetzen, die in Quarantäne oder erkrankt sind. „Es kann nicht sein, dass sie in Quarantäne gehen und nicht einmal mehr ihren Lohn bekommen.“

Der Kreis Klever CDU-Landtagsabgeordnete Günther Bergmann sagt zum Thema Lockdown: „Wir sollten jetzt nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen. Noch kennen wir die Zahlen nicht.“ Sollte es zu einer hohen Infektionszahl kommen, werden wir auch schnell Lösungen finden.“