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Comedian Özcan Cosar testet neues Programm in Rees

Comedy im Bürgerhaus : Özcan Cosar testete seine Gags in Rees

Der Comedian Özcan Cosar trat mit einem „Preview“ in Rees auf und testete sein neues Programm. Genüsslich spielte er dabei mit Multi-Kulti-Klischees.

(ms) „Ich weiß selbst nicht, was heute auf mich zukommt“, räumte Özcan Cosar gleich zu Beginn seines Auftritts ein. Viele Nummern, Szenen und Sprüche, die ab 2020 fester Bestandteil seines vierten Bühnenprogramms sein sollen, wurden im Reeser Bürgerhaus erstmals vor Publikum als „Preview“ getestet. Ob der Humor bei den 400 Zuschauern zündete oder krepierte, trug Özcan Cosar jedes Mal in eine Liste ein. Dieses Ritual war größtenteils auch der einzige rote Faden, der sich durch „Cosar Nostra – Organisierte Comedy“ zog.

Die italienische Mafia, die man angesichts des Programmtitels hätte erwarten können, blieb weitgehend verschont. Zu gefährlich: „Ich will ja nicht am nächsten Tag im Fluss aufwachen, wo mir selbst die Fische sagen: Du Idiot!“ Vielmehr zollte der Stuttgarter Comedian, dessen Eltern aus der Türkei stammen, den Italienern Respekt. „Sie gelten in Deutschland als die guten Ausländer, während wir Türken die schlechten sind.“

Ein Beispiel? Wenn ein italienischer Kellner seine Gäste wortreich und gestenreich in der Heimatsprache begrüßt, schwärmen alle, dass sie sich im Italien-Urlaub wähnen. Macht ein türkischer Kellner das Gleiche, meckern die Leute nur: „Die sind seit 60 Jahren in Deutschland und können immer noch kein Deutsch!“ Auch sonst spielte Özcan Cosar genüsslich mit Multikulti-Klischees. Alle Türken seien kriminell, was aber ganz natürlich sei: „Deutsche Kinder bekommen Taschengeld, türkische Kinder müssen sich das nachts heimlich bei ihren Eltern holen.“ Dass er in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen sei, bewegte den Comedian zu der Frage, ob auch Rees eine „Asi-Gegend“ habe. „Erst ab dem Ruhrgebiet“, lautete die Antwort aus dem Publikum.

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Özcan Cosar erzählte, wie ihm der Humor schon in der Schule geholfen habe, Aufmerksamkeit und Anerkennung seiner Mitschüler zu gewinnen. Dies sei als „kleinwüchsiger und hässlicher Junge, der nur Kik-Kleidung oder Fälschungen aus der Türkei trug“, auch dringend nötig gewesen. Als hauptberuflicher Witzlieferant stehe er nun aber unter dem Druck, ständig neues Material zu finden, wohingegen ein Musiker nur einmal einen Hit schreiben müsse und damit ein Leben lang auf Tour gehe. Da sei es nicht leicht, mit Gags reich zu werden und sich irgendwann den Traum erfüllen zu können, einen eigenen ICE zu besitzen, bei dem albanische Türsteher dafür sorgen, das kein anderer Fahrgast in den Privatzug einsteigt.

Das Programm drehte sich auch um die Fragen, ob Serienmörder unter Burnout leiden, warum deutsche Friseure so viel quatschen müssen oder warum der Mann heute einfach nicht mehr Mann sein darf: „Die Frauen geben uns nur das Gefühl, dass wir das Sagen hätten.“ Unterm Strich überwogen aber noch die mitunter recht derben Beiträge zu den drei Comedy-Klassikern Verdauen, Flatulieren und Korpulieren. Am 8. Mai 2020, wenn Özcan Cosar in Issum auftritt, darf man gespannt sein, wie der Comedian bis dahin die vielen kleinen Testballons seiner Reeser „Preview“ zu einem großen Ganzen verbunden haben wird.

(Michael Scholten )