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Christopher Gietmann: Neun Fragen an den Bürgermeisterkandidaten der AfD in Emmerich

Kommunalwahl 2020 : „Sicht des Außenstehenden ist Gold wert“

Der Bürgermeisterkandidat der AfD lebt in Kleve. In Emmerich will der 33-Jährige mit mehr Basisdemokratie und Investitionen für bezahlbaren Wohnraum und Wirtschaft punkten.

Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie – und was macht Sie aus?

Christopher Gietmann Ich bin Christopher Gietmann, 33 Jahre alt, und komme aus Kleve. Ich bin siebenfacher Vater und seit zehn Jahren verheiratet. Nach meiner Arbeitszeit als Pflegehelfer und meiner anschließenden Wehrdienstzeit begann ich die Ausbildung zum Altenpfleger in Kalkar. Als examinierte Pflegekraft arbeitete ich in Kalkar und Emmerich sowie in der häuslichen Intensivpflege. Emmerich hat mich schon immer fasziniert, die Hansestadt als Industriestandort mit guten Anbindungen an Autobahn und Hafen sowie Schienenverkehr. Dazu die Lage am Rhein, der ein beeindruckender Fluss ist. Während meiner Arbeit als Altenpfleger in Emmerich konnte ich die schönen umliegenden Dörfer bestaunen. Ob Vrasselt, Praest, Hüthum, Dornick oder Elten – alle sind sie einzigartig und dennoch Teil etwas Großem. Außerdem glaube ich, dass die Sicht als Außenstehender Gold Wert ist, hat man doch einen ganz anderen Blick auf die Stadt. Es ist äußerst schade, dass in der Kommunalpolitik so viele Fehler gemacht wurden.

Was ist Ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf – und wie wollen Sie es anpacken?

Gietmann Für mich ist das Wichtigste, dass wir wieder zu einer Basisdemokratie zurück finden. Wer weiß am besten, was für seine Stadt und Kommune wichtig ist? Der Bürger, der vor Ort lebt. Dies möchte ich erreichen, in dem ich als Bürgermeister eine Sprechstunde einrichte, die nur für Bürger gedacht ist. Im Grunde soll es in Emmerich die Möglichkeit geben, mich als Bürgermeister an einem festgelegten Tag für 1,5 Stunden besuchen zu können. Auch in Elten soll einmal im Monat eine Sprechstunde stattfinden. Außerdem möchte ich durch Bürgerbefragungen den Stand der Dinge erarbeiten und demnach Konzepte entwickeln, um Emmerich wieder voran zu bringen. Der Bürger soll mit seiner Stimme bei Entscheidungen der Verwaltung mitwirken und beteiligt sein. Dies kann in Form von Wahlen, Ständen oder Medien erfolgen. Dabei setze ich auf online oder mediale Befragungen. Zum Beispiel bei Supermärkten und/oder im Rathaus im Eingangsbereich.

Aus welchem Fehler haben Sie schon einmal gelernt?

Gietmann Da wir alle nur Menschen sind, denke ich, dass wir alle schnell einen Fehler gemacht haben und dass jeder mindestens eine zweite Chance verdient. In meinem Fall war es so, dass ich bei einem Online Post, eine undeutliche Aussage schrieb und somit für viel Aufregung sorgte.

Sehen Sie Möglichkeiten, dem ÖPNV in Ihrer Kommune neue Impulse zu geben?

Gietmann Ja, es gibt einige Ideen, welche bei der Umsetzung natürlich Arbeit und auch Geld kosten werden. Zuerst muss ich aber erwähnen, dass der Bahn-Halt in Elten eine riesige Bereicherung ist. Die Anbindung von Obi und BLG an den ÖPNV ist in meinen Augen sehr wichtig. Aber mit dem VRR und der Firma Look Busreisen sind zwei starke Partner vorhanden, mit denen man seine konkreten Wünsche besprechen und realisieren kann. Der „Nightmover“ ist eine tolle Sache, jedoch gibt es auch hier Möglichkeiten, diesen Service auszubauen. Ganz ganz wichtig ist, dass wir uns dafür einsetzen, dass der Bürgerbus erhalten bleibt. Leider sieht es so aus, dass in den nächsten Jahren freiwillige Fahrer fehlen werden.

Wie wollen Sie bezahlbares Wohnen in Ihrer Kommune ermöglichen? Braucht sie Verdichtung im Inneren oder die Erschließung neuer Wohngebiete?

Gietmann Emmerich hat derzeit viele Häuser mit verschiedensten Wohneinheiten, die leer stehen, teilweise seit mehreren Jahren. Hier gilt es besonders gute Möglichkeiten, stadtbekannte Investoren zu generieren und mit Mitteln aus Stadt- und Landeskasse mit zu finanzieren. Die Verdichtung im Inneren durch leerstehende Objekte sollte im Vordergrund stehen. Man könnte auch Firmen wie Kao, Probat, Katjes und andere ansprechen, ihnen in Sachen Bebauungsplan entgegen kommen und/oder Ihnen vergünstigten Flächen zu Verfügung stellen, ähnlich der Kruppsiedlungen im Ruhrgebiet. So können Arbeitern günstiger Wohnraum angeboten werden, was auch der Stadt zu gute kommt.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur in Ihrer Kommune, auch digital – und wie wollen Sie dieses Thema vorantreiben?

Gietmann Die Infrastruktur ist in Emmerich kein großes Problem. Der Logistikstandort ist optimal. Dafür sollten keine weiteren Flächen generiert werden. Den großen Industrieunternehmen sollte man eine Erweiterung nicht versagen, sondern positiv entgegen sehen. In Sachen Digitalisierung müssen in den nächsten Jahren die Außenbereiche weiter erschlossen werden. Hier sind noch zu viele private Haushalte nicht ausreichend versorgt.

Viele junge Familien beschäftigt erheblich, ob ihr Kind einen guten Kita-Platz bekommt – und wie es danach auf den Schulen weitergeht. Was macht Ihre Kommune da schon richtig – und wo muss dringend nachgebessert werden?

Gietmann Ich glaube, in Sachen Kita-Plätze ist Emmerich recht gut aufgestellt. An Plätzen sollte es nicht mangeln. Falls dies in Zukunft doch so sein sollte, muss man sich schnell überlegen, ob und in wie fern die Stadt dort Abhilfe schaffen sollte. Die Kitagebühren sind in meinen Augen schon recht human, so muss für Kinder unter drei Jahren nichts gezahlt werden und der Beitrag ab drei Jahre ist akzeptabel. Die Schulen sehe ich auch recht gut aufgestellt. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Gesamtschule ausreichend ist und nicht noch eine Realschule benötigt wird. Das Gymnasium benötig dringend mehr Platz. Die Digitalisierung der Schulen ist ja bereits auf gutem Wege.

Sie werden, wenn Sie gewählt werden, auch der Bürgermeister sein, der die Kommune aus der Coronakrise führt. Der Bereich Finanzen und Investitionen spielt da eine wesentliche Rolle – zumal viele öffentliche Kassen eh nicht sprudeln. Muss in den kommenden Jahren der Gürtel noch enger geschnallt werden? Oder ist jetzt die Zeit der Investitionen gekommen? Und wenn ja – in was?

Gietmann Gastronomie, Einzelhandel und Tourismus müssen gerade jetzt gestützt und gefördert werden. Wir können es uns in Emmerich nicht leisten, wenn noch mehr Einbrüche zu verzeichnen sind. Leerstehende Gewerbeflächen an der Promenade zum Beispiel geben ein ganz schlechtes Bild ab. Es wird sicherlich einiges an Geld kosten und bedarf einiger Investitionen, diesen Missstand zu beheben. Wir sollten jetzt jungen StartUp‘s und frischen Gastronomen die Chance geben, sich zu beweisen. Etablierte Unternehmen in und um Emmerich kann man im Anschluss immer noch überzeugen, in Emmerich zu investieren. Den Gürtel enger schnallen? Nein, nicht jetzt. Jetzt heißt es, investieren, um in Zukunft wieder sparen zu können. Kriegen wir den Tourismus angekurbelt, wird es auch über weite Strecken wieder zu Entlastungen für den Bürger kommen können. Der Kneipp-Kurort Elten muss weiter forciert werden.

Innenstadt und Handel geben seit Jahren kein gutes Bild ab. Sogar an der Rheinpromenade gibt es Leerstände. Welche Möglichkeiten sehen Sie, Händlern und Gastronomen unter die Arme zu greifen?

Gietmann Es müssen definitiv mehr Veranstaltungen in der Stadt und an der Promenade stattfinden. Dies hilft nicht nur den Unternehmern, sondern auch der Kommune. Wir müssen an das Herz unserer Bürger appellieren und sie bitten, die lokalen Anbieter zu unterstützen, denn am Ende profitieren alle davon.