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Christian Hagemann kommentiert die Attacken der Jugendbande am Rheincenter

Kommentar : Jugendliche ohne Respekt: Es braucht Strafe und Hilfe

Wenn Jugendliche austesten wollen, wie weit sie aggressives Verhalten ausleben können, ist klare Kante gefragt. Die Attacken auf Senioren im Rheincenter sind bezeichnend.

Der Fall der Jugendbande am Rheinparkcenter hat am Freitag bei Erscheinen des RP-Artikels für Entsetzen gesorgt. Jugendliche, die es gezielt auf alte und wehrlose Menschen absehen – wie kann so etwas geschehen?

Wenn junge Menschen die Achtung vor dem Alter verloren haben, ist das schon schlimm genug. Doch ihre Aggressionen und rohen Instinkte richten sich gegen diejenigen, von denen sie keine Gegenwehr erwarten.

 Christian Hagemann.
Christian Hagemann. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)/Stade,Klaus-Dieter (kds)

Das ist widerlich.

Die Zeugin, die die Rheinische Post auf diese Clique aufmerksam gemacht hat, weil der 82-jährige Mann, den sie betreut, ebenfalls von diesen Jugendlichen verletzt werden sollte, fragt sich, ob es denn niemanden gibt, der diese Jugendlichen wieder auf den richtigen Weg bringt.

Falls es dafür noch nicht zu spät ist, wie man anmerken möchte.

Was muss Zuhause eigentlich alles schief laufen, dass sich Kinder zu derartigen Wesen entwickeln?

Erziehung findet in der Familie statt. Doch was ist, wenn das nicht geschieht und die Eltern kein Vorbild sind, sondern eher abschreckendes Beispiel, ohne dass die Kinder das Unnatürliche in Vater und Mutter erkennen?

  • ⇥RP-FOTO: Christian Hagemann
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Dann gibt es nur zwei Dinge: Hilfe für die Jugendlichen. Und Konsequenzen, sprich Strafen.

Voraussetzung dafür ist, dass die zuständigen Behörden um die Verwahrlosung dieser Kinder Zuhause wissen. Ein Weg dorthin ist eine gute Jugendarbeit in einer Stadt.

Da hapert es in Emmerich. Die Sozialdemokraten haben schon vor zwei Jahren gefordert, dass es mehr Jugendheime in Emmerich geben soll. Früher unterhielt jede Kirchengemeinde in jedem Stadtteil ein solches. Doch die Zeiten sind vorbei, die Kirchen haben sich aus dieser Aufgabe zurückgezogen. Und wer sollte die Betreuung vor Ort auch übernehmen? Vor der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht haben das Zivildienstleistende gemacht. Die gibt es heute nicht mehr. Und das Geld scheint auch futsch zu sein.

In Emmerich, so scheint es, hoffen nun alle darauf, dass zu Sankt Nimmerlein am Rhein ein neues Jugendheim möglich ist. Die Pläne sind hochfliegend mit einem neuen Gemeindezentrum neben der Martinikirche. Doch wie lange soll das noch dauern? Die CDU hat jüngst vorgeschlagen, ein Jugendheim im alten Kino einzurichten. Auch daraus ist nichts geworden.

Um es deutlich zu sagen: In Emmerich ist kein zweites Jugendheim in Sicht. Auf Jahre nicht. Das ist ein Fehler.

Wir wollen aber nicht nur den Blick auf die Jugendlichen richten, denen Hilfe fehlt und auch pädagogische Strenge. Bevor für sie Hilfsangebote eingefordert werden, die lange auf sich warten lassen, muss sofort Schutz für die Opfer dieser Jugendbande her. Unsere Berichterstattung hat die Polizei auf den Plan gerufen, die von der Sache bislang nichts wusste. Ihr Appell gilt: Anrufen und eine Streife anfordern! Sonst hilft niemand.

Und dieser Fall zeigt, wie wichtig ein Ordnungsdienst für Emmerich ist. Eine Streife, die robust auftreten darf und Übeltätern Respekt einflößt. Das fehlt. Es geht ja nicht nur um verrohte Jugendliche am Rheincenter. Menschen, die nicht mehr wissen, wie man sich gegenüber seinen Mitmenschen zu benehmen hat, gibt es in unseren Städten leider schon viel zu viele.