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Bürgermeisterwahl in Rees: Christoph Gerwers geht als Favorit ins Rennen

Bürgermeisterwahl 2020 in Rees : Der Amtsinhaber hat die besten Karten

Analyse Bei der Bürgermeisterwahl können die Reeser am 13. September erstmals seit langem wieder zwischen mehr als zwei Kandidaten entscheiden. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, wäre das schon ein Erfolg für die Herausforderer von Christoph Gerwers.

Die Ausgangslage Mehr als zwei Kandidaten auf dem Wahlzettel – das hat es bei einer Bürgermeisterwahl in Rees zuletzt vor elf Jahren gegeben, als der heutige Amtsinhaber Christoph Gerwers erstmals für die CDU antrat und dabei Harry Schulz von der SPD, Klaus Dörr von den Grünen und den parteilosen Jürgen Tenter hinter sich ließ. Gerwers gewann die Wahl mit 55 Prozent der Stimmen. Die Grünen haben dieses Mal keinen eigenen Kandidaten aufgestellt, dafür aber die Liberalen, die Clemens Willing ins Rennen schicken. Für die SPD kämpft Bodo Wißen um den Einzug ins Rathaus.

Der Amtsinhaber Christoph Gerwers’ zweite Amtsperiode endete wie sie begonnen hatte: inmitten einer internationalen Krise. 2015 mussten die Kommunen zusehen, wie sie die große Zahl an Flüchtlingen unterbringen konnten, in diesem Jahr hält Corona die Rathäuser in Atem. In beiden Fällen hat sich Christoph Gerwers profilieren können. Vor fünf Jahren entschied sich die Stadt Rees dazu, dem Land Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung zu stellen. Dadurch war die Zahl der hier unterzubringenden Menschen reglementiert, die finanziellen Folgen hielten sich im Rahmen.

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In der Corona-Krise bewies Gerwers Führungsqualitäten. Die Reeser hielt er über mehrere Monate täglich mit Videobotschaften auf dem Laufenden und gehörte zu den Kritikern am Verhalten des Landrats, der keine Kontrollen der Leiharbeiter durchführen und mit einer höheren Kreisumlage die Kommunen stärker belasten wollte.

Etwas ins Schlingern war Gerwers indes bei der Diskussion um den Neubau des Freibads geraten. Den hatten er und die CDU zunächst vehement abgelehnt, um dann doch umzuschwenken. Zudem kamen Gerüchte auf, der Bürgermeister wolle Rees verlassen. Die fegte Gerwers Ende 2018 vom Tisch, als er seine erneute Kandidatur bekannt gab.

Prognose: Christoph Gerwers (57) hat vor allem in den letzten Monaten seine Fähigkeiten ausgespielt und den Amtsinhaberbonus genutzt. Er ist der Favorit.

Der Herausforderer Die SPD hat sich in Rees bei Bürgermeisterwahlen traditionell schon immer schwer getan. Das sieht man auch an dem Kandidaten-Karussell der Sozialdemokraten. In den letzten Jahrzehnten traten sie bei jeder Wahl mit einem neuen Spitzenmann an. Nach Harry Schulz (2009) und Karl van Uem (2015) soll jetzt Bodo Wißen das Blatt für die Genossen wenden.

Wißen hat bereits viel politische Erfahrung sammeln können. Er war über eine Legislaturperiode Landtagsabgeordneter, arbeitete in Brüssel und hat gute Kontakte zur Bundespolitik. Der Halderner war neun Jahre lang Kreistagsmitglied und ist momentan stellvertretender Vorsitzender der Kreis Klever SPD. In Rees ist er seit dieser Wahlperiode Mitglied im wichtigen Bauausschuss.

Prognose: Mit Bodo Wißen (46) schickt die SPD einen vergleichsweise jungen Kandidaten ins Rennen, der dem Amtsinhaber zumindest einige Stimmen abluchsen könnte. Auch die Grünen werben für Wißen, die ebenfalls einen Machtwechsel im Rathaus wollen. Sollten die Grünen-Wähler tatsächlich den SPD-Kandidaten in großer Zahl unterstützen, könnte es zu einer Stichwahl kommen. Das wäre dann ein Erfolg für die Genossen.

Der Außenseiter Die FDP möchte sich in Rees nicht länger nur als bloßes Anhängsel der CDU betrachten lassen. Daher versucht sie schon seit längerem, sich programmatisch deutlicher abzuheben. Dass sie nun seit über 15 Jahren das erste Mal mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen um die Bürgermeisterwahl eingreifen will, ist da nur folgerichtig.

Clemens Willing heißt der Mann, der für die Liberalen antritt und in den letzten Jahren schon viel Arbeit hinter den Kulissen für die FDP geleistet hat. Er ist einer der Köpfe, die hinter der FDP-Forderung nach einem Umbau der Stadtverwaltung steckten, was der Stadt immerhin den Posten eines zweiten Wirtschaftsförderers bescherte. Den Bekanntheitsgrad von Gerwers oder Wißen hat er nicht. Doch dass der Schreinermeister aus Millingen ein politischer „Quereinsteiger“ ist, muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn mancher Wähler wünscht sich neue Gesichter und Herangehensweisen.

Prognose: Die FDP hat bei den letzten Wahlen in Rees fast durchweg ordentliche Ergebnisse erzielt. Dennoch hat Clemens Willing (59) im Moment nur Außenseiterchancen. Sollte er es tatsächlich schaffen, in eine Stichwahl einzuziehen, wäre das nicht weniger als eine kleine Sensation.