Bürgermeister Peter Hinze will mehr Sicherheit in Emmerich

Interview Peter Hinze : 2020 kommt der „Dorfpolizist 2.0“

Bürgermeister Peter Hinze will mit einem Ordnungsdienst die Sicherheit in der Innenstadt erhöhen.

Emmerich investiert im Jahr 2020 und in den folgenden Jahren Millionenbeträge. Was sind die Schwerpunkte?

Peter Hinze Die größte Einzelinvestition im kommenden Jahr wird der Neubau des Schulgebäudes am Brink. Ich bin mir sicher, dass wir damit für den Schulstandort Emmerich und aber auch für die städtebauliche Entwicklung einen Meilenstein setzen werden. Weitere bedeutende Projekte für 2020 sind sicher die Platzgestaltung am Neumarkt, die Sanierung des Wette Telder oder der städtebauliche Wettbewerb für den Geistmarkt und den Kleinen Löwen. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir im neuen Jahr auch die ersten innerstädtischen Objekte im Rahmen des Sondervermögens erwerben werden. Mir ist aber wichtig, dass wir nicht nur in Steine, sondern auch in Menschen investieren. So werden wir zum Beispiel einen Kommunalen Ordnungsdienst einrichten, der für mehr Sicherheit und Ordnung in der Stadt und seinen Ortsteilen sorgen soll. Dabei geht es mir nicht in erster Linie darum, dass die neuen Kollegen möglichst hohe Bußgelder verhängen, sondern sie sollen für die Bürger auf der Straße ansprechbar sein, ihre Sorgen und Hinweise aufnehmen und weitergeben. Wenn Sie so wollen, eine Art „Dorfpolizist 2.0“.

Dadurch steigt natürlich die Schuldenlast der Stadt. Besteht die Gefahr, dass die nächste Generation die Belastungen schultern muss?

Hinze Die Gefahr eine Überforderung der nächsten Generation(en) sehe ich so nicht. Auch wenn die Summe der Investitionen in 2020 natürlich schon enorm ist. Aber die Zeit dafür ist günstig: das Steueraufkommen ist – noch – sehr gut. Zusätzlich verschaffen uns verschiedene Förderprogramme und die aktuelle Lage am Kapitalmarkt finanzielle Spielräume, die es zu nutzen gilt. Wir bauen keine Luftschlösser, sondern investieren mit Augenmaß in die Zukunft dieser Stadt. Ich sehe das so: ein Unternehmen, das nicht investiert, ist nicht zukunftsfähig. Das gilt auch für uns als Stadt. Wir müssen investieren in moderne Schulgebäude, zukunftsfeste Infrastruktur und eine nachhaltige Stadtentwicklung – damit Emmerich auch für kommende Generationen ein lebenswerter Wohn- und Arbeitsstandort bleibt.

Emmerich ist eine Stadt, die reich ist an Gewerbesteuern, weil es bei uns viele Unternehmen gibt, deren Geschäfte gut laufen.  Kann die Stadt weiterhin auf diese Stärke bauen?

Hinze Wir sind stolz auf die vielen erfolgreichen Unternehmen, die wir hier in Emmerich haben. Wenn ich sehe, dass mehrere große Firmen in den nächsten Jahren Millionenbeträge in die Ausweitung und Modernisierung ihrer Standorte investieren, ist mir um den Wirtschaftsstandort Emmerich zunächst mal nicht bange. Bei meinen Gesprächen mit den Unternehmen wird allerdings der Fachkräftemangel als ein zentrales Risiko für den Standort genannt. Das ist ein Thema, das ich im nächsten Jahr gemeinsam mit der Wirtschaftsförderin und den Unternehmen angehen möchte. Wir werden nach Ansätzen suchen, wie wir Unternehmen bei der Gewinnung von qualifizierten Arbeitnehmern unterstützen können.

Im September sind Wahlen. Die Bürger bestimmen einen neuen Rat und wählen einen Bürgermeister.  Sie stellen sich zur Wiederwahl.  Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Hinze Es ist natürlich noch reichlich früh, um über Chancen zu spekulieren. Ich kenne ja noch nicht mal alle Mitbewerber. Aber ich würde mich natürlich sehr freuen, dieses zweifelsohne schöne Amt für weitere fünf Jahre ausüben zu dürfen. Die Arbeit für die Stadt und seine Menschen hat mir in den vergangenen viereinhalb Jahren viel Freude gemacht. Und ich glaube, wir haben gemeinsam Einiges bewegen können. Aber es gibt noch viele Projekte in der Stadt, die ich noch anschieben oder zum Ende bringen will. Deshalb wäre ich den Bürgerinnen und Bürger dankbar, wenn sie mir im September die Chance dazu geben würden.

Der Ton in unserer Gesellschaft ist rauer geworden.  In den sogenannten Sozialen Medien sind Beschimpfungen an der Tagesordnung, vielen Menschen mangelt es an Respekt vor anderen Meinungen. Wie schätzen Sie das politische Klima in der Stadt ein?

Hinze Ich sitze ja jetzt schon einige Jahre am Ratstisch – auch vor meiner Zeit als Bürgermeister. Und ich habe schon den Eindruck, dass sich das Klima unter den politischen Vertretern – aber auch im Verhältnis Politik und Verwaltung – verändert hat. Ich würde mir da manchmal mehr Miteinander und weniger Gegeneinander wünschen. Natürlich gehören Taktieren, Argumentieren und Abgrenzung zum politischen Tagesgeschäft. Und gerade im heraufziehenden Wahlkampf wird sich das nochmal verstärken. Da mache ich mir keine Illusionen.  Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass am Ende des Tages die gemeinsame Sache nicht aus dem Blick verloren wird – und das ist die positive Entwicklung unserer Stadt.