Emmerich: Bürgerbus-Verein in Nöten

Emmerich : Bürgerbus-Verein in Nöten

Zu wenige Fahrer, die Sparkasse verlangt eine Gebühr fürs Kleingeld. Und ein neuer Vorsitzender muss auch noch her.

Der Motor des Bürgerbus-Vereins stottert - im übertragenen Sinne. Damit er repariert werden kann, muss an mehreren Stellschrauben gedreht werden. "Wir brauchen mehr Fahrer", sagt Vorsitzender Wilhelm Löevering. Aktuell ergreifen 14 Ehrenamtliche das Lenkrad des Bürgerbusses. "Wir brauchen elf Fahrer pro Woche, sollte die Anzahl der Fahrer unter die Marke elf fallen, können wir den Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten."

Fahrer Heinz-Georg Bujar findet drastischere Worte: "Uns steht das Wasser bis zum Hals." Denn nicht nur die Anzahl der Fahrer lässt zu wünschen übrig. Auch der Verein als solcher verfügt nur über eine sehr begrenzte Anzahl an Mitgliedern. 20 sind es genau genommen. "Eigentlich bräuchten wir das doppelte an Mitgliedern", meint Bujar.

Neben der Suche nach Fahrernachwuchs und Mitgliedern schlugen die jüngsten negativen Nachrichten der Sparkasse wie eine Bombe beim Bürgerbus-Verein ein. Denn mit der beschlossenen Schließung der Speelberger Filiale verliert der Verein eine wichtige Anlaufstelle. Zum einen für den Kartenverkauf, zum anderen ist das Kreditinstitut nicht mehr bereit, das Hartgeld gebührenfrei anzunehmen. Bei aktuell circa 17. 000 Fahrgästen im Jahr, die 80 Cent (Kinder 50 Cent) pro Fahrt zahlen müssen, kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. "Wenn man sich aber überlegt, dass pro Geldstück eine Gebühr von einem Cent verlangt wird, lohnt sich das nicht", erklärt Bujar. Händeringend wird nun also ein Kreditinstitut gesucht, dass die Münzen annimmt und verbucht, ohne Gebühren zu nehmen. "Wenn ich daran denke, dass die Sparkasse von der Stadt Emmerich eine Finanzspritze von 12,2 Millionen Euro erhalten hat, um fit für die Fusion zu werden, dann ist das alles schon sehr frustrierend", sagt Löevering.

Zwecks Kartenverkauf haben die Verantwortlichen schon eine Alternative gefunden. Hier würde Maria Lindeboom einspringen, die ihr Lotto-Toto-Geschäft am Kreisverkehr an der 's-Heerenberger Straße betreibt.

Problem Nummer drei betrifft den Verein. Wilhelm Löevering steht bei der nächsten Jahreshauptversammlung im März 2018 nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung. Auch Kassierer Manfred Giltjes hat sich entschlossen, keine weitere Amtsperiode dranzuhängen. "Ich bin 73 Jahre alt und möchte den bürokratischen Aufwand nicht mehr betreiben", so Löevering, der aber weiterhin als Fahrer aktiv bleiben wird.

Erste Voraussetzung um den 3,6 Tonnen und 160 PS starken Neunsitzer zu fahren, ist der Führerschein Klasse drei. Die Kosten für alle weiteren nötigen Formalitäten wie etwa polizeiliches Führerzeugnis oder den Busbeförderungsschein werden übernommen. Neulinge erhalten eine etwa halbjährige Ausbildung, später steht die Fahrprüfung durch die NIAG auf dem Programm. Der Landrat genehmigt den Busbeförderungsschein, der im Übrigen nur gültig für den Bürgerbus ist. Die Verantwortlichen hoffen auf weitere Unterstützung, wissen aber, was potenzielle Kandidaten mitbringen müssen. "Man braucht schon eine Portion Idealismus, um das zu machen", sagt Bujar.

Wer als Fahrer beim Bürgerbus-Verein einsteigen möchte, kann sich an die Stadt Emmerich, Ansprechpartner Andreas Dormann (02822/751522), oder an Wilhelm Löevering (02822/2594) wenden. Auch Fahrer, die vielleicht nur ein oder zweimal pro Monat fahren möchten, werden gerne angenommen.

(tt)
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