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Emmerich: Bistum hat "keinen Plan" für Emmerich

Emmerich : Bistum hat "keinen Plan" für Emmerich

Dramatische Diskussionen liefen am Dienstagabend mit Vertretern des Bistums. Die Enttäuschung über die Absage der Gemeindeversammlung ist groß. Pfarrer Weidisch berichtet von einem "sehr guten Gespräch" mit Bischof Felix Genn.

Die jüngste Erklärung des Bistums, dass Kaplan Christian Olding auf Wunsch bis Mitte 2015 in Emmerich bleiben dürfe, löst keineswegs haltlosen Jubel aus. Das sei sachlich richtig, bestätigte Olding. Nur sei das Veni-Projekt ohne Karsten Weidisch praktisch einfach nicht zu stemmen. "Wenn der Pfarrer weg ist, fehlt sein aktiver Rückhalt", führte er aus. "Veni ist mittlerweile ein bundesweites Projekt. Wir hatten schon Anfragen aus Tirol. Diese Dimensionen müssen vom Pfarrer aktiv mitgetragen werden." Ihm sei klar, dass das ohne Weidisch "nicht mehr möglich ist" — schon gar nicht bei der immer knapperen Personaldecke in der Seelsorgeeinheit.

Das ist auch den Aktiven der Veni-Gruppen bewusst. Die Arbeit, die Weidisch und Olding dabei leisteten, "ist echt bewundernswert und verdient allen Respekt", so die 16-jährige Chelsea Wagener. Man brauche beide zurück.

Vertreter des Bistums, Domkapitular Hans-Bernd Köppen und der Regens, waren Dienstagabend zu eilig anberaumten Krisengesprächen in Emmerich. Als sie kamen, wurden sie an der Aldegundiskirche bereits von gut 40 Veni-Aktiven erwartet. Die Jugendlichen harrten Stunden draußen aus, viele betend, während drinnen verhandelt wurde.

Ein Gespräch im kleinen Kreis mit dem Vorstand des Rates der Seelsorgeeinheit muss dramatisch verlaufen sein, von lautstarkem Streit war zu hören. Kaplan Christian Olding soll es danach sehr schlecht gegangen sein. Andrea Schaffelds nüchternes Fazit gestern: "Die haben keinen Plan B. Sie wissen gar nicht, wie sie die Sache hier lösen wollen." Maßlos enttäuscht zeigte sie sich davon, dass das Bistum die heutige Gemeindeversammlung abgesagt hatte —und das nach ihrem Hinweis, wie viele Menschen dazu wohl kommen würden. "Ich habe gedacht, das ist nicht wirklich wahr", so Schaffeld. Ich habe denen einen Ball auf den Elf-Meter-Punkt gelegt und wusste es nicht."

Pfarrer Karsten Weidisch selbst war gestern bei einem Gespräch mit Bischof Felix Genn. Er brachte von dort die Nachricht mit, dass eine Delegation des Rates der Seelsorgeeinheit eingeladen ist, den Bischof am Samstagmorgen persönlich zu treffen. "Es war wohltuend, mit dem Bischof zu reden", berichtete er am Abend auf Anfrage. "Ich hatte einen Bischof gegenüber, der mir zuhörte und sehr. zugewandt war"; als "väterlich-fürsorglich" beschrieb er ihn. Er habe darlegen können, wie er seine Situation und die der Gemeinde empfinde. Und genau so werde die Atmosphäre wohl auch am Samstag sein. "Es lässt ihn nicht unberührt, was in Emmerich gerade auf den Weg gebracht wird von lebendiger, moderner Kirche."

Wie es für Weidisch weitergeht, bleibt vorerst weiter unklar. Es werde nicht sein letztes Gespräch beim Bischof sein, meinte er.

Beim Plan der Gemeindemitglieder, heute ab 17.30 Uhr eine Menschenkette zu formieren, bleibt es. Sie soll sich von der Aldegundiskirche aus über die Promenade ziehen.

(RP)