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Rees: Bewegende Erinnerung an Karl Leisner

Rees : Bewegende Erinnerung an Karl Leisner

Am vergangenen Samstag wäre Karl Leisner 100 Jahre alt geworden. Seine Geburtsstadt Rees und der Internationale Karl-Leisner-Kreis richteten zu seinen Ehren einen Festgottesdienst aus, den Weihbischof Wilfried Theising zelebrierte.

Karl Leisner war der einzige Priester, der je in einem Konzentrationslager geweiht wurde. In Dachau las er auch die einzige Messe seines Lebens, bevor er 1945 an den Folgen seiner Haft starb. Am Samstag wäre er 100 Jahre alt geworden. Seine Geburtsstadt Rees und der Internationale Karl-Leisner-Kreis richteten zu seinen Ehren einen Festgottesdienst aus. Leisners Taufkirche St. Mariä Himmelfahrt war bis auf den letzten Platz besetzt, als Weihbischof Wilfried Theising den Seligen als "Friedensstifter" und "mutigen Glaubenszeugen aus unserer Region" würdigte.

"Karl Leisner lebte in einer Zeit, in der die Herrschenden des Nationalsozialismus sich anmaßten, das Leben anderer mit einem Federstrich auszulöschen", sagte Theising. Leisner habe mutig dagegen aufbegehrt, auch wenn ihn sein Kommentar nach einem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler, "Schade, dass er nicht dabei war", die Freiheit und schließlich das Leben gekostet habe. "Viele fragen sich: Hätte er nicht den Mund halten können?", sagte Theising und gab selbst die Antwort: "Für ihn war es entscheidend, ein Bekenntnis abzulegen, Unrecht nicht einfach hinzunehmen. Er war bereit, sein Leben zu opfern, so wie auch Christus sein Leben aus Liebe verschenkt hat."

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Auch der Reeser Pater Rajakumar Santiagu würdigte Karl Leisner als einen "Mann, der sich nicht verbiegen ließ". Noch 70 Jahre nach seinem fürchterlichen Leidensweg und seinem Tod sei der Sohn der Stadt Rees ein großes Vorbild für alle Menschen.

Im Vorfeld des Festgottesdienstes traf sich der Internationale Karl-Leisner-Kreis (IKLK) zur Jahreshauptversammlung im Koenraad Bosman Museum der Stadt Rees. Dabei gab IKLK-Präsident Benedikt Elshoff bekannt, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederzulegen, der Organisation aber weiterhin als Mitglied zur Verfügung zu stehen. Bis zu den nächsten Vorstandswahlen am 13. Dezember 2015 wird Vizepräsidentin Monika Kaiser-Haas, eine Nichte Karl Leisners, den IKLK leiten.

Elshoff und Kaiser-Haas blickten zufrieden auf alle Aktivitäten zurück, mit denen in Rees, Kleve, Xanten, Münster und Dachau in den letzten Monaten das 70. Jubiläum der Priesterweihe und der 100. Geburtstag gefeiert wurden. Eine besondere Würdigung sei die neue 62-Cent-Sonderbriefmarke mit Karl Leisners berühmtem "Pulloverbild" gewesen. Diakon Stephan Rintelen verwies im Kassenbericht darauf, dass sowohl die 42 000 Euro für das neue Bronzedenkmal in Kleve, 8000 Euro als Restfinanzierung für Leisners Lebenschronik, die IKLK-Altpräsident Hans-Karl Seeger in fünf Bänden veröffentlichte, und 3000 Euro für Ausstellungsmaterial allein aus Spenden finanziert werden konnten. Das Guthaben des IKLK sei davon unberührt geblieben. Die aktuelle Mitgliederzahl des IKLK liegt bei 365 und sinkt altersbedingt leicht. Jedoch habe es zuletzt neun Neuanmeldungen gegeben, die Rintelen auf die verstärkten IKLK-Aktivitäten im Jubiläumsjahr zurückführte.

Werner Stalder wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Der IKLK würdigte damit seine Verdienste als Pressesprecher in den Jahren 1986 bis 2009 und im Jubiläumsjahr. Der 76-Jährige aus Kranenburg-Nütterden blickte in seiner Dankesrede auf besonders prägende Ereignisse zurück, darunter zwölf Audienzen bei Papst Johannes Paul II. und vier Audienzen bei Papst Benedikt XVI. im Vatikan.

Rolf Albring, Reeser IKLK-Mitglied und ehemaliger Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, führte die Gäste des IKLK im Anschluss an die Versammlung durch den Raum der jüdischen Geschichte im Stadtmuseum. Dabei verwies er auf das ehemals stark ausgeprägte jüdische Gemeindeleben in Karl Leisners Geburtsstadt, das mit den Pogromen in November 1938 ein jähes Ende fand.

(ms)