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Emmerich: Bewährung für Kindertrainer

Emmerich : Bewährung für Kindertrainer

Ein Mann, der mehrmals wegen Körperverletzung vor dem Richter stand, trainiert in einem Emmericher Verein Kinder in einer Kampfsportart. Jetzt hat ihn Richterin Waltraud Wacker erneut verurteilt.

Eigentlich scheint der Weg klar zu sein für den 38-jährigen Kurden aus Emmerich. Wenn er so weiter macht, wird er im Gefängnis landen. Glück für ihn, dass Richterin Waltraud Wacker die jüngste Verhandlung vor dem Amtsgericht Emmerich gegen ihn führte. Sie gibt Angeklagten oft noch eine letzte Chance. So auch hier.

Sie verurteilte den Mann zwar zu einer Haftstrafe von zehn Monaten. Aber auf Bewährung. Schon mehrfach hatte der Mann vorm Richter gestanden, zweimal dabei wegen Körperverletzung. Dieses Mal lautete die Anklage: gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Im März besuchte der Mann die Discothek "Nachttheater" in Kleve. Da arbeitet ein 47-jähriger Emmericher als Türsteher. Die beiden Männer gerieten aneinander. "Mach hier keinen Stress", mahnte der Türsteher. Der Angeklagte sah das allerdings genau umgekehrt, fühlte sich schikaniert und sann auf Rache.

In dem Fitness-Studio in Praest, wo beide trainieren, fragte er an einem der nächsten Tage einen Bekannten nach der Adresse des Türstehers, "um das zu klären und ihm in die Fresse zu schlagen", so ein Zeuge.

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Und so kam es dann auch. Am 22. März stand er gegen 22.30 Uhr vor dem Haus des Opfers, klingelte und rief: "Komm runter, du Feigling." Das tat der 47-Jährige. Am Ende, so erzählte es vor Gericht eine Nachbarin, lag der Türsteher am Boden. Wichtiges Detail: Ein Mann hielt ihn fest, einer zweiter schlug und trat auf ihn ein. Als der Ehemann der Nachbarin rief: "Die Polizei kommt gleich!", rannten insgesamt vier Personen weg. Zwei hatten von der Straße aus zugesehen.

Der 47-jähriger Emmericher erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen und Blutergüsse, Platzwunden, Rippenprellungen und eine Bisswunde.

"Ja, ich habe eine Rangelei mit ihm gehabt. Wir haben uns beschimpft und sind aufeinander losgegangen", gab der Kurde gegenüber der Richterin zu. Dabei seien beide auf der Treppe im Flur zu Fall gekommen. Da müsse sich der Andere wohl die Verletzungen zugezogen haben. Andere seien nicht beteiligt gewesen.

Richterin Waltraud Wacker fand seine Aussage nicht glaubwürdig, zumal der Kampf laut Zeugenaussagen auf dem Rasen vor dem Haus stattgefunden hat und die Verletzungen erheblich waren. Aufgrund seiner Vorstrafen käme nur eine Freiheitsstrafe in Betracht, so die Richterin. Auch wenn das Opfer ebenfalls "Öl ins Feuer" gegossen habe und der Angeklagte nicht alleiniger Initiator des Streites gewesen sei.

Jetzt muss der 38-jährige Kurde drei Jahre lang "sauber" bleiben, sonst können ihn seine Kinder zehn Monate lang nur im Gefängnis sehen. Und der Emmericher Sportverein, bei dem der Mann bis dato als Trainer Kinder in einer Kampfsportart unterrichtet, käme vielleicht auf die Idee, seine Dienste nicht mehr in Anspruch zu nehmen.

Aber vielleicht lernt der Mann ja aus der Sache, wie das Urteil der Richterin impliziert. Denn er muss zusätzlich 150 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

(RP)