Rechtsanwalt Dr. Bruno Ketteler: "Betuwe-Planung für Millingen tödlich"

Rechtsanwalt Dr. Bruno Ketteler: "Betuwe-Planung für Millingen tödlich"

Dr. Bruno Ketteler berät als Anwalt Kommunen in Sachen Betuwe. Die Planungen der Bahn für Millingen und Empel hält der ehemalige Reeser Bürgermeister für katastrophal.

Heute kommen Ronald Pofalla und Barbara Hendricks nach Emmerich und Rees, um an einzelnen Standorten über die Betuwe-Planungen zu diskutieren. Was erwarten Sie von diesem Besuch?

Dr. Bruno Ketteler Ich erhoffe mir im Wesentlichen die Bereitschaft, den betroffenen Ortschaften zu helfen. Und das sind im Bereich Rees Millingen und Empel. Für beide Ortsteile ist eine Pkw-Unterführung zwingend notwendig. Da ist nachhaltige politische Unterstützung wichtig, deshalb setzen wir auf Ronald Pofalla und Barbara Hendricks.

In Millingen scheint der ganze Ort in dieser Frage mobilisiert zu sein.

Dr. Ketteler Das stimmt. Das habe ich so auch noch nie erlebt. Es ist aber auch verständlich, denn die 08/15-Planungen der Bahn wären für diesen Ortsteil tödlich. Dessen Infrastruktur mit Handel, Ärzten, Kirche, Feuerwehr, Kindergarten und Schule liegt auf der einen Seite, das größte Wohngebiet aber auf der anderen Seite der Bahn. Wenn es keine Pkw-Unterführung gibt, fließt zum Beispiel unverzichtbare Kaufkraft ab. Und dann stirbt erst die Infrastruktur und danach der ganze Ort.

Glauben Sie, dass Pofalla und Hendricks hier helfen können?

Dr. Ketteler Genau auf den eben beschriebenen Missstand in Millingen und Empel machen die beiden schon seit Jahren mit viel Einsatz aufmerksam. Weil diese politischen Schwergewichte sicher auch in der nächsten Regierung eine wichtige Rolle spielen werden, bin ich zuversichtlich, dass sie ihren Einfluss geltend machen. Darauf ruhen auch die Hoffnungen von Tausenden von Anrainern in Emmerich und Rees.

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Morgen und an weiteren Terminen helfen die Vereine aus Millingen und Empel beim Ausfüllen der Einwendungen gegen die Planungen. Was ist dabei zu beachten?

Dr. Ketteler Am wichtigsten ist, dass die Einwendung vor dem 20. November bei der Stadt oder der Bezirksregierung eingegangen sein muss. Alle Belange, die bis dahin nicht vorgetragen wurden, sind dann für den jeweiligen Betroffenen für immer verloren gegangen. Wer nach diesem Termin etwa den Wertverlust seines Grundstücks oder zusätzliche Schallschutzmaßnahmen an seinem Haus geltend machen will, wird nicht mehr gehört. Ich vermute, dass sich die meisten Einwendungen gegen die fehlenden Pkw-Unterführungen richten werden.

Die betrifft ja auch Nicht-Millinger. Kann ich denn auch als Ortsfremder eine solche Einwendung verfassen?

Dr. Ketteler Selbstverständlich. Jeder der betroffen ist, kann seine Belange vortragen. Wenn Sie etwa über Millingen regelmäßig nach Anholt fahren und durch eine fehlende Unterführung einen Nachteil erleiden, können Sie das auch ruhig so formulieren.

RP-REDAKTEUR MARKUS BALSER FÜHRTE DAS INTERVIEW

(RP)
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