Betuwe: Bahn will bei Lärmschutz nachlegen

Lärmschutz am Niederrhein : Bahn will bei Betuwe nachlegen

Trotz dem Protest aus Hamminkeln will die Bahn ihre erneuerte Planung an die Bezirksregierung geben. Auf die Forderung transparenter Lärmschutzwände könnte die Bahn aber eingehen. Die Politik denkt über einen neuen Kurs nach.

Haldern ist schon weit im Prozess. Trotz des Protestes aus Hamminkeln will die Bahn ihre erneuerte Planung an die Bezirksregierung geben. Auf die Forderung transparenter Lärmschutzwände könnte die Bahn aber eingehen.

Diese Visualisierung hat die Bahn auf Basis des sogenannten Moik-Gutachtens erstellt. Darin wird eine Variante in Halbtroglage vorgeschlagen. Aus Sicht der Bahn ist diese Variante für Mehrhoog aber mit Nachteilen verbunden. Brückenbauwerke für Fußgänger und Radfahrer würden dann entstehen. Die Autos führen weiter unterirdisch an der Bahnhofsstraße. Foto: Sebastian Peters

Die Lage nach dem Ortstermin im Hamminkelner Rathaus scheint verfahren. Nach der Präsentation der neuen Planungen für die Betuwe-Linie in Mehrhoog zeigt sich die Politik unzufrieden mit der Deutschen Bahn. Offiziell gilt immer noch die Forderung einer Halbtroglage. Gestern Abend haben sich die Fraktionsspitzen erstmals zusammengesetzt, um einen neuen Kurs zu besprechen. Die Deutsche Bahn wiederum will die Planung der wichtigen Betuwe-Linie nun vorantreiben, wie Michael Teitzel, stellvertretender Betuwe-Projektleiter, auf Anfrage erläutert. "Wir wollen die Verfahrensdauer nicht über Gebühr strapazieren. Die Tür ist noch nicht ganz zu, eine akzeptale Lösung zu finden."

In einem Punkt macht die Bahn bereits Nägel mit Köpfen: Sie will nun die überarbeitete Planung ("Deckblattverfahren") der Bezirksregierung vorlegen. In 14 Ordnern sind alle vorgenommenen Änderungen gegenüber der bisherigen Planung farblich markiert. Gravierende Änderungen der Planung seien dies aber nicht, räumt Teitzel ein. Im weitesten Sinne gehe es dabei um neue Verläufe von Baustraßen, um die Betroffenheit einiger Grundstückseigentümer. Die Bezirksregierung wird diese Planung erneut offenlegen, so dass die Bürger Einsicht nehmen können. Zum anderen gehe es nun darum, mit der Politik und den Bürgern vor Ort weiter den Dialog zu suchen. "Wir wollen mit den Fraktionsspitzen reden", sagt Teitzel. Mit dem Hamminkelner Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) sei man kurz nach dem Ortstermin im Rathaus bereits im Dialog gewesen - die Gespräche sollen bei einem nächsten Treffen noch einmal intensiviert werden. Weiter geplant ist die "Roadshow" der Bahn, die am 22. Juni in Mehrhoog Station macht. Dort sollen Bürger mit der Bahn ins Gespräch kommen. Es sollen auch Visualisierungen vorgestellt werden, außerdem will die Bahn dort demonstrieren, welch einschneidende Wirkung auch die Halbtroglage im Ort hätte.

Seit 26 Jahren steht die Betuwe-Planung im Raum. In Mehrhoog ist die Lage verfahren. Proteste aus Politik und Bevölkerung sorgen aus Sicht der Bahn dafür, dass die Planung für dieses wichtige dritte Gütergleis weiter verzögert wird. Zwölf Planungsabschnitte hat das Projekt Betuwe insgesamt. Während die Planung in Mehrhoog zu stocken scheint, auch in Wesel größere Schritte noch nicht geschafft sind, ist die Planung in Haldern schon sehr weit. Dort könne noch in diesem Jahr der Planfeststellungsbeschluss erreicht werden, sagt Teitzel. Auch in Dinslaken und Voerde sei man schon auf einem guten Weg. "Hier ist die Bezirksregierung ebenfalls durch." Nach einer vierwöchigen Klagefrist nach einem Planfeststellungsbeschluss wäre dann ein Ausbau dort möglich.

Die in Mehrhoog von der Politik präferierte Halbtroglage hält die Bahn weiter für die falsche technische Lösung. "Der Lärm schaukelt sich in einer Troglage auf", sagt Michael Teitzel. In der Folge müsste die Lärmschutzwand höher gebaut werden als die 1,20 Meter hohe Brüstung. 80 Zentimeter Wand müssten zusätzlich installiert werden, um die identische Lärmschutzwirkung zu erreichen, weshalb auch bei dieser Variante die Sichtbeziehung im Ort deutlich gestört würde. Die Alternative dazu wären transparente Lärmschutzwände. Die allerdings haben keine so absorbierende Wirkung wie normale Wände, weshalb sie nicht durchgängig auf der Strecke eingesetzt werden können, sagt die Bahn. Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden, bei dem transparente Wände nur in Teilen installiert werden. "Man muss damit sparsam umgehen, damit Effekte nicht messbar werden. Alle Wände transparent - das funktioniert nicht", sagt Teitzel. Ein Gutachter soll ausrechnen, ob die gesetzlich notwendige Lärmschutzwirkung dann noch erreicht wird. Über die konkrete Lage der transparenten Wände solle die Politik vor Ort reden, sagt Teitzel. Er verweist auch darauf, dass bei Halbtroglage Brückenbauwerke für Fußgänger und Radfahrer nötig wären. Die würden das Ortsbild ebenso beeinträchtigen wie Lärmschutzwände.

Gegen die Halbtroglage sprechen auch die deutlich höheren Kosten -wobei die noch nicht beziffert sind. Die stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht im Vordergrund. Teitzel sagt: Unser Ziel ist die größtmögliche Akzeptanz für den Ausbau." Er verweist auch darauf, dass der Ausbau aus Steuermitteln geschieht.

(RP)
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