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Rees: Betrugsprozess: Die Verlobte stärkt dem Angeklagten den Rücken

Rees : Betrugsprozess: Die Verlobte stärkt dem Angeklagten den Rücken

Eine Reihe von Zeugen hat gestern im Prozess um den "Verbraucher-Werbeschutzbund" vor dem Landgericht ausgesagt. Unternehmer Sven L. (40) aus Rees hatte – ausgerechnet per Telefonakquise – Schutz gegen unerwünschte Werbung versprochen.

Eine Reihe von Zeugen hat gestern im Prozess um den "Verbraucher-Werbeschutzbund" vor dem Landgericht ausgesagt. Unternehmer Sven L. (40) aus Rees hatte — ausgerechnet per Telefonakquise — Schutz gegen unerwünschte Werbung versprochen.

Dafür wurde den "Kunden" ein Jahresbeitrag von 89,95 Euro in Rechnung gestellt. Die Staatsanwaltschaft glaubt nicht, dass es dafür eine Gegenleistung gab, und wertet die Masche als gewerbsmäßigen Betrug.

Die Verlobte des Angeklagten bestritt das. "Unsere Idee war, den Leuten zu helfen", so die 33-Jährige. Bevor L. die Idee mit dem Verbraucher-Werbeschutzbund aus der Taufe hob, hatten die beiden eine Zeitlang gemeinsam bei T-Mobile gearbeitet. Sie hätten die Erfahrung gemacht, dass die Leute von Telefonwerbung genervt seien.

Ihrer Darstellung zufolge köchelte der Verein zunächst auf kleiner Flamme. Allenfalls 40 Mitglieder hätten Sven L. und sie vom Heimbüro in Rees aus betreut, und sie hätten Einträge in die so genannte Robinsonliste gegen unerwünschte Werbung veranlasst. Allerdings wurde bereits bekannt, dass nur Betroffene selbst eine solche Eintragung vornehmen können.

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Alle weiteren Zeugen, die gestern zu Wort kamen, waren als Namen in der riesigen Datenbank des Vereins gespeichert — fast alle Rentner, viele jenseits der 70. Sie schilderten, dass sie mehrmals täglich Werbeanrufe erhielten - und irgendwann auch einen Anruf, der Schutz davor versprach. Eine Rentnerin aus Köln (75) sagte zu, und "ungefähr von dem Tag an hatte ich Ruhe". Die meisten anderen schilderten aber klipp und klar, dass alles beim alten blieb. Erst eine neue Telefonnummer habe für Ruhe gesorgt.

Eine 70 Jahre alte Frau aus Düsseldorf berichtete, dass sie zunächst am Telefon den Werbern des Vereins eine Zusage gemacht habe. "Dann habe ich das mein Mann erzählt, und der war fürchterlich böse, dass ich so einen Blödsinn gemacht hatte." Sie widerrief schriftlich, abgebucht wurde trotzdem. Sie veranlasste eine Rücklastschrift, prompt kam eine Mahnung.

Fast tragisch waren die Ausführungen eines 47 Jahre alten Mannes aus Moers. Er hatte dem "Verbraucher-Werbeschutzbund" zugesagt, dann meldeten sich Werber einer anderen Organisation mit gleichem Geschäftsmodell. Sie überzeugten ihn, dass der Verein aus Rees nicht seriös arbeite, und schwatzten ihm stattdessen die Mitgliedschaft in ihrer eigenen Organisation auf. Jetzt zahlt er nicht mehr 89,95 Euro pro Jahr, sondern 15 Euro monatlich.

(dau)