Emmerich: Bestatter schafft Raum für den Abschied

Emmerich: Bestatter schafft Raum für den Abschied

Das neue Trauerhaus Spolders-Keunecke, seit kurzem in Geldern eröffnet, bietet "Abschiedsräume". Angehörige können dort im geschützten Rahmen Zeit mit ihren Verstorbenen verbringen. Das kommt einem Bedürfnis entgegen.

Das Trauerhaus ist architektonisch und innenarchitektonisch durchdacht. Die Räume wirken großzügig und licht, aber dennoch intim: weiße Wände, helles, warmes Holz, dunkelgraue Akzente, diffuse Beleuchtung. "Der Tod ist schon düster genug", sagt Michael Keunecke, Bestattermeister und Inhaber des Unternehmens. "Da müssen die Leute nicht auch noch in einen Raum kommen, wo es duster ist."

Im Herbst ist das Gelderner Bestattungsunternehmen Spolders-Keunecke in das neu ausgebaute "Trauerhaus" an der Weseler Straße 61 eingezogen, am Wochenende war die offizielle Eröffnungsfeier. Neu und für den Betrieb prägend ist ein Angebot: Es gibt in dem Haus zwei "Abschiedsräume".

Die Abschiedsräume sind Zimmer, ebenfalls ästhetisch ruhig, aber zurückhaltend-freundlich gestaltet, in denen die Toten aufgebart werden - mit oder auch ohne Sarg, so, wie es die Angehörigen wünschen. Etwa so, wie es bei einer Aufbahrung zu Hause wäre, die aber nicht immer möglich oder gewünscht ist.

Michael Keunecke erinnert sich an einen Fall, in dem eine Frau noch eine Nacht bei ihrem verstorbenen Mann verbringen wollte. In einer kühlen, öffentlichen Trauerhalle geht das nicht.

Er denkt an Eltern, die das Kind, das sie verloren haben, in Ruhe im Arm halten wollen. "Das geht in öffentlichen Räumen auch oft nicht", so Keunecke. Die Menschen sollten aber tun, was ihnen guttut. Im Trauerhaus dürften sie sich im geschützten Raum und in Ruhe verabschieden, "in der Zeit, die sie sich lassen und nehmen wollen", sagt Keunecke.

Dieses Versprechen geht ziemlich weit, versichert er.

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Die Angehörigen können ihren Verstorbenen besuchen und bei ihm bleiben, so lange sie es wollen. Sie können einen Schlüssel zu den Räumlichkeiten bekommen, so dass sie kommen und gehen können, wie sie es brauchen: "Auch, wenn es mitten in der Nacht ist", sagt Michael Keunecke.

Manche Menschen wollen dabei sein, wenn ihre Angehörigen gewaschen und zurechtgemacht werden. Einige wollen dabei mithelfen. "Wenn die Leute das brauchen und wollen, können wir das jetzt machen", so Michael Keunecke. "Bei uns sind Abschied und Begleitung das oberste Thema", betont er: "Jeder Sterbefall ist ganz individuell." Man wolle immer versuchen, das möglich zu machen, was der jeweilige Hinterbliebene brauche.

Generell änderten sich die Bedürfnisse der Kunden. "Wir merken in den letzten Jahren, dass es viel mehr wird, dass die Leute Beratung und Begleitung wollen." Nicht nur zu sachlichen und organisatorischen Fragen, sondern mit psychologischer Komponente. Darauf habe man sich eingestellt, auch personell: "Wir haben eine eigene Trauerbegleiterin und Trauerrednerin."

Die Abschiedsräume seien nur ein zusätzlicher Service. Alle "klassischen" Angebote und Leistungen bleiben unberührt erhalten.

Das Beerdigungsinstitut Keunecke wurde in Wesel gegründet. Im Jahr 2014 übernahm das Familienunternehmen den Gelderner Bestatter Uwis-Spolders.

Seit Juli 2017 gehört der Emmericher Betrieb Wienemann als "Bestattungen Wienemann-Keunecke" zum Unternehmen

(RP)
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