Berufsbetreuer Herbert Looschelders kritisiert Stadt Emmerich

Verwaltung : Berufsbetreuer kritisiert Stadt

Es ist ein komplizierter Fall, der Herbert Looschelders vor Probleme stellt.

(mavi) Dass das Bundesverfassungsgericht zu harte Sanktionen bei Hartz IV-Fällen gekippt hat, zaubert Herbert Looschelders ein Lächeln ins Gesicht. Der Berufsbetreuer wüsste da noch einen Punkt, bei dem die Verfassungsrichter mal eingreifen könnten: „Bei der Mitwirkungspflicht werden sehr hohe Hürden gesteckt.“ Auch die Stadt Emmerich werde oft nicht tätig, obwohl sie die rechtlichen Möglichkeiten hätte, bedauert er.

Aktuell beschäftigt den Berufsbetreuer ein komplizierter Fall. Es geht um einen 51-jährigen Emmericher, den Looschelders seit sechs Jahren betreue. Er leide unter einer Persönlichkeitsstörung: „Er glaubt, fremde Mächte hätten ihm etwas ins Hirn eingepflanzt.“ Mit der Welt wolle er eigentlich nichts zu tun haben. Er lebe sehr spartanisch, gehe Kontakt zu jeglichen Menschen aus dem Weg. Der gelernte Gartenbautechniker sei zwar durchaus intelligent, aber eben krank. Looschelders habe an einem Punkt eine Zwangsbetreuung durchbekommen, da der Betroffene keine Medikamente einnehmen wollte, obwohl er durchgehend an heftigen Kopfschmerzen litt. Als die Pfleger mit der Polizei im Schlepptau bereit waren ihn zu fesseln, da habe er sich die Spritze doch freiwillig injizieren lassen.

Danach ging es aufwärts. Er wurde klarer, fand im Juni 2017 selbst eine Dachgeschosswohnung in Emmerich. Beim Einzug in der Stadt, in der er auch geboren wurde, gab es die ersten Probleme mit der Stadt: „Sie wollten die Beihilfe zur Erstausstattung der Wohnung nicht bezahlen“, so Looschelders. Im Februar 2019 gab ein Gericht dem Berufsbetreuer Recht. Bei Gericht wurde auch das Krankheitsbild des 51-Jährigen erfragt – in Anwesenheit der Stadt Emmerich. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte selbst Looschelders schon keinen persönlichen Kontakt mehr. 

Nun droht dem Emmericher eine Notlage. Die Stadt habe ab September die Sozialhilfe-Zahlungen eingestellt. „Ich habe nichts Schriftliches vorliegen, was eigentlich hätte sein müssen. Über den Weiterbewilligungsantrag ist nicht entschieden worden“, erklärt Looschelders. Es stellte sich heraus, dass dem 51-Jährigen ein Achtel eines Familiengrundstücks gehört. Dieses Achtel wurde vor vielen Jahren beliehen, als der Mann mal selbstständig war. Im Grundbuch steht eine Firma als Gläubiger, die heute nicht mehr existiert: „Die Nachfolgefirma weiß nichts davon. Keiner kann sagen, ob die Schulden noch gelten“, so Looschelders. 

Zweites Problem: Der Versuch, beim Nachlassgericht einen Erbschein zu beantragen nachdem die Mutter gestorben ist, die Miteigentümerin des Grundstücks war, hat noch nicht zum Erfolg geführt. Hierzu ist die Mitwirkung des Bruders erforderlich, der auf Kontaktversuche nicht reagiert habe, schildert Looschelders. 

Die Stadt wirft Looschelders „fehlende Mitwirkung“ vor, weil er den Erbschein nicht vorgelegt habe: „Ich wirke ja mit. Das wird noch Monate dauern“, unterstreicht er. Derzeit bestreite der Berufsbetreuer die Miete des Emmerichers vom Ersparten. „Wenn ich etwas besser machen kann, gerne, dann sollen sie mir es erklären“, fordert Looschelders die Stadt Emmerich auf.