Rees: Beeindruckender Besuch in Bautzen

Rees : Beeindruckender Besuch in Bautzen

24 Reeser Gymnasiasten haben jetzt die Gedenkstätte "Bautzen II" besichtigt. Aus dem Besuch, bei dem sie Zeitzeugen der SED-Diktatur befragten, entstehen Dokumentarfilme, die dem Schicksal politischer Häftlinge nachgehen.

24 Schüler des Reeser Gymnasiums Aspel, die den Zusatzkurs Geschichte belegt haben, fuhren mit ihren Geschichtslehrerinnen Anja Brolle und Maneja Yazdani nach Bautzen, um in der Gedenkstätte "Bautzen II", einem der ehemaligen Gefängnisse des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi), Zeitzeugen zu treffen, die dort aus politischen Gründen in Haft gesessen hatten.

Schon ab August 2016 hatten sich die Schüler mit der Geschichte der beiden deutschen Staaten ab 1945 beschäftigt und einen Überblick über die verschiedenen Stadien der Diktatur verschafft - erst durch die sowjetische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg und dann ab Oktober 1949 durch den Staatsapparat der DDR.

Besonderes Augenmerk wurde aber nicht auf die Literatur und Schulbuchtexte über diese Zeit gelegt, sondern es wurde vielmehr Kontakt zu Zeitzeugen gesucht, die diese Zeit miterlebt haben und darüber erzählen konnten. Mithilfe der Zuwendung durch die "Bundesstiftung für Aufarbeitung der SED-Diktatur" in Berlin, durch das "Bautzen-Komitee" sowie Lutz Rathenow, dem sächsischen Beauftragten für Stasi-Unterlagen, war es möglich, dass die Schulklasse vor Ort mit den Zeitzeugen sprechen konnte. Die Gedenkstätte in Bautzen stellte dafür ihre Räumlichkeiten zur Verfügung und erlaubte es den Schülern, an den Originalschauplätzen Filme aufzuzeichnen und zu fotografieren.

In kleinen Gruppen wurden Interviews, die im Vorfeld minutiös vorbereitet worden waren, geführt und auf Film gebannt - all dies an dem Ort, an dem viele der Zeitzeugen inhaftiert waren und ihre Erinnerungen an ihre Haftzeit nun in die Gespräche einfließen ließen. Die Filme werden von den Schülern in den nächsten Wochen geschnitten und mithilfe der Dokumente, die ihnen die Zeitzeugen zukommen ließen, und der Fotos, die vor Ort entstanden, zu insgesamt zehn Dokumentationen gestaltet, die im Frühsommer am Schulzentrum in Rees einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Mit Herzblut und großem Engagement setzten sich die Schüler mit einem Aspekt der deutschen Geschichte auseinander, der in der Praxis des Geschichtsunterrichts selten so intensiv behandelt wird, und verwendeten dafür auch einen Großteil ihrer Freizeit. Unter den zehn Zeitzeugen, die teilweise extra nach Bautzen angereist waren, sind nicht nur bekannte Persönlichkeiten wie Thomas Raufeisen, dessen Geschichte im Film "Unser Vater, der Spion" verfilmt wurde, oder Schauspieler und Autor Jochen Stern, der in vielen deutschen Filmen, u.a. "Good Bye, Lenin!", und Theaterstücken mitwirkte, sondern auch Menschen, die mit ihrer Geschichte bisher kaum an die Öffentlichkeit getreten sind und so den Schülern einen Einblick in die Lebenswelt und die Umstände der Verfolgung und Haft in der Ex-DDR gegeben haben.

Die Zusammenarbeit zwischen den Zeitzeugen und den Schülern begann bereits im Herbst 2016, sodass sie sich bereits durch Telefonate und Briefkontakt kannten und sie nun in Bautzen die Beziehung im persönlichen Gespräch vertiefen konnten.

Die Zeitzeugen betonten im Nachgang, dass sie die Gespräche als sehr angenehm empfanden und lobten die "jungen Menschen" für ihr Engagement. Diese zeigten sich von den persönlichen Erfahrungen ihrer Interviewpartner tief beeindruckt. Der Abschied war dementsprechend herzlich und sicher nicht endgültig, denn der Kontakt wird auch über die Entfernung aufrecht erhalten.

(RP)