Emmerich: Bauhof-Verbot wegen eines Besenstiels?

Emmerich: Bauhof-Verbot wegen eines Besenstiels?

Die Öffnungszeiten am Blackweg passen nicht für jeden Bürger. Wer von 10 bis 18 Uhr arbeit, kann sie nicht nutzen. Oder muss bis Samstag warten. Oder auf Einsicht hoffen. Das klappt allerdings nicht immer. Ein Kleinteil hat es gezeigt.

Die Situation war ein wenig bizarr auf dem Bauhof. Der Emmericher war sich darüber im Klaren, dass er gegen die strengen Gesetze der städtischen Müllentsorgung verstoßen hatte. Aber was hätte er tun sollen? Der Besenstil passte daheim nicht in die Tonne.

Wenn er gewusst hätte, dass das Teil beinahe ein Betretungsverbot für den Bauhof nach sich gezogen hätte...

Aber der Reihe nach. Der Bauhof am Blackweg hat für beinahe jedes Müllteilchen einen Container. Damit alles seine Richtigkeit hat, muss jeder, der dort etwas abladen will, zu den Fachleuten am Eingang des Bauhofs. Die schauen sich das an und sagen dann, wohin der Müll gehört. Das meiste davon lässt sich schließlich wiederverwerten. Oder muss gesondert entsorgt werden.

Damit die Kontrolle auch funktioniert, gibt es feste Zeiten, an denen die Bürger abladen dürfen. In Klammern: Und dafür natürlich auch oft eine Gebühr bezahlen.

Das Problem dabei: Der Bauhof öffnet morgens um 10 Uhr. Abends um 18 Uhr schließt er wieder.

Was aber macht jemand, der genau in dieser Zeit an seiner Arbeitsstelle ist?

So wie gestern geschehen. Es ging um den Stiel eines haushaltsüblichen Bodenwischers. Der passte daheim nicht in die Mülltonne. Oder hätte vielleicht doch. Aber weil das Entsorgungsunternehmen mittlerweile Strenge zeigt (wer grünes Glas in den Kasten für braunes stellt, kann sich am Morgen den nicht geleerten Kasten direkt wieder von der Straße holen), war da ein gewisses Maß an Unsicherheit vorhanden.

Die nahm zu, als der Emmericher am Bauhof ankam. Die Ampeln zeigten auf Rot, der Hinweis daneben war deutlich: geöffnet ab 10 Uhr. Das Tor stand aber auf. Was also tun? Noch 20 Minuten warten und zu spät ins Büro?

Der Emmericher entschied sich dagegen, fuhr zu den Containern und warf den ollen Stiel hinein - in die Ecke, in der schon ein anderer lag.

Alles erledigt? Nicht so für einen Mitarbeiter des Bauhofes, der plötzlich auf der Bildfläche erschien. Als der Emmericher mit seinem Wagen zurückfahren wollte, trat er in die Mitte des Weges, um den Mann unter Einsatz seines Körpers am Verlassen des "Tatorts" zu hindern.

Danach entspann sich folgender Dialog:

"Was sollte das gerade?"

"Ich habe einen Besenstiel in den Container geworfen."

"Haben Sie nicht gesehen, dass wir noch nicht geöffnet haben?"

"Doch, aber ich arbeite immer von 10 bis 18 Uhr. Wann soll ich denn hier etwas abladen?"

"Das spielt überhaupt keine Rolle. Wir haben noch nicht geöffnet."

Und um dem Sünder die Schwere seines Vergehens klar zu machen, folgte die Strafandrohung: "Wenn ich Sie noch einmal erwische, erteile ich Ihnen Platzverbot."

Der Übeltäter hat im Internet nachgeschaut. Er hätte mit dem Besenstiel bis Samstag warten müssen. Da öffnet der Bauhof von 9 bis 14 Uhr. Und er hat frei.

Als er den Bauhof verließ, kam ihm ein älterer Herr in einem Wagen entgegen. Das Innere vollgepackt mit Pappkartons. Und es war noch nicht 10 Uhr. Hat der Mann noch einige Minuten vor der Ampel gewartet? Oder folgte die nächste Platzverweis-Androhung?

Stadtsprecher Tim Terhorst verspricht Hilfe: "Mit einem Platzverbot zu drohen, ist nicht angemessen. Wir raten den Bürgern in so einem Fall, vorher beim Bauhof anzurufen. Oder vor Ort bis zu den Büros der Mitarbeiter zu fahren. Da findet sich bestimmt eine Lösung."

(ha)