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Rees: Bald Baubeginn auf der Freifläche?

Rees : Bald Baubeginn auf der Freifläche?

Raadtswäldchen ist eine begehrte Fläche. Anwohner wollen keine zweigeschossige Bebauung. Genau das aber werden Politik und Verwaltung wohl ermöglichen. Lidl bekommt nur wenig Möglichkeiten zur Erweiterung des Marktes.

Der Discounter Lidl ist unzufrieden, und einige Anwohner haben Widerspruch eingelegt. Doch dessen ungeachtet, wird sich der Ausschuss für Umwelt, Planung, Bau und Vergabe wohl am Donnerstag für eine Neubebauung des Raadtswäldchens aussprechen. Am 30. März könnte dann der Rat den seit 1974 bestehenden B-Plan "Florastraße - R 11" aufheben und den neuen B-Plan "Nördlich der Florastraße - R 44" verabschieden.

So kann eine der letzten großen Freiflächen in zentraler Stadtlage bebaut werden - ohne dass die bisher im B-Plan festgeschriebene Auflagen, zum Beispiel der Bau eines weiteren Kindergartens, erfüllt werden müssen.

Bereits im Dezember 2015 hatte der Ausschuss über die Zukunft des Raadtswäldchens diskutiert. Die Öffentlichkeit konnte im März und April 2016 die Pläne einsehen. Zwei Anwohner aus der Sahlerstraße legten Widerspruch ein. So heißt es in einem Brief an Bürgermeister Christoph Gerwers: "Es besteht kein Grund, die in der Mitte zwischen Sahlerstraße und Florastraße eventuell zu errichtenden Gebäude in zweigeschossiger Bauweise zuzulassen."

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Der Anwohner befürchtet, dass die neuen Häuser den bestehenden im Winterhabjahr das Sonnenlicht nehmen. Der andere Anwohner befürchtet als Folge der zweigeschossigen Bebauung eine "erhebliche Wertminderung" seines direkt angrenzenden Grundstücks und Hauses. Er bemängelt, dass die Bewohner der zweiten Etagen "direkte Einsicht in die Privatsphäre des Grundstücks" hätten, "die wir so nicht akzeptieren möchten. Ebenso wäre das Sonnenlicht fast für den kompletten Garten verbaut."

Die Stadt Rees spricht sich allerdings klar für eine zweigeschossige Bauweise aus. In der Vorlage für die Sitzung am Donnerstag steht: "Es ist erklärtes landesplanerisches Ziel, dass freie Bauflächen in innerstädtischen Lagen mit einer höheren Dichte ausgenutzt werden sollen, um den Siedlungsdruck auf die freien Flächen im Außenbereich einzudämmen. (...) Es kann nicht auf Dauer Ziel der Stadt sein, in Innenstadtlagen weiterhin Einfamilienhäuser planerisch zu ermöglichen und den Mehrfamilienhäusern in zweigeschossiger Bauweise keine Grundstücksflächen zur Verfügung zu stellen.

Der Discounter Lidl, der seine Reeser Filiale seit 2001 direkt neben dem Raadtswäldchen betreibt, hätte gern das Nachbargrundstück (oder Teile davon) gekauft, um zu expandieren. Aus den Vorlagen für Donnerstag geht aber hervor, dass die Stadt Rees dem Unternehmen nur "maßvolle Erweiterungen" erlaubt: "Eine Erweiterung der Verkaufsfläche über den genehmigten Bestand von 935 m² wird nicht zugelassen." Das heißt, dass allenfalls neuer Lagerraum oder weitere Parkplätze geschaffen werden dürfen. Die Stadt stützt ihre Entscheidung auf landesplanerische Vorgaben und ihr Einzelhandelskonzept: "Die Nahversorgungssituation ist in Rees derzeit flächendeckend gegeben. Aufgrund der sogar festgestellten ,Überversorgung' ist dieser Zustand jedoch sehr labil. Es besteht daher die Gefahr, dass sich bei Stärkung eines einzelnen Standortes das Kaufverhalten verschiebt und andere Betriebe existentielle Beeinträchtigungen erfahren."

Auch verkehrstechnisch ändert sich durch den neuen B-Plan "Nördlich der Florastraße" einiges. So soll ein Kreisverkehr am Knotenpunkt "Vor dem Delltor / Florastraße" den Gefahrenpunkt an der bisherigen "Kreuzung", die auch die Lidl-Ausfahrt einschließt, entschärfen.

Welcher Bauträger welche Art von Häusern auf dem Raadtswäldchen errichten wird, ist noch unklar. Die Stadt will aber dafür sorgen, dass es für Fußgänger und Radfahrer weiterhin eine Verbindung zwischen Sahlerstraße und Florastraße geben wird.

Seit Jahrzehnten verläuft über das unbebaute Grundstück ein nicht befestigter Weg, der vom Eigentümer geduldet wurde und nicht nur von den Grundschülern eifrig genutzt wird.

Der Landesverband Rheinland hat bei einer umfassenden Neubebauung des Raadtswäldchens Bedenken angemeldet. "Das Planareal liegt nördlich der historischen Innenstadt von Rees im direkten Anschluss an das eingetragene Bodendenkmal KLE 160, das die Altstadt und deren frühneuzeitliche Fortifikationen umfasst", schreibt das Amt für Bodendenkmalpflege. "Besonders in der östlichen Hälfte des Planareals ist mit untertätig erhaltenen Relikten der Reeser Stadtbefestigung zu rechnen. Es kann sich hierbei sowohl um gemauerte Bauteile von Hornwerk und Ravelin handeln, wie auch um Hinterfüllungen der Bastionskörper und des Glacis, sowie um die Verfüllung des Festungsgrabens, die archäologisch in höchstem Maße relevante Schichten beinhaltet."

Wenn an der Flora- und Sahlerstraße die Bagger anrücken, könnte also manche Überraschung ans Tageslicht befördert werden.

(RP)