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Bahnschranke in Emmerich defekt - Gefahr am Löwentor

Gefahr am Löwentor : Bahnschranke in Emmerich defekt

Wie wichtig es ist, dass Autofahrer nicht einfach der Technik vertrauen, zeigt eine Panne in den frühen Morgenstunden am Freitag. Viele haben vergessen, welche Bedeutung das Andreas-Kreuz hat.

Das hätte übel enden können. Am Bahnübergang Löwentor sind am Freitagmorgen die Schranken ausgefallen. Um 4.53 Uhr ging der Alarm bei der Polizei ein. Sie sicherte den Bahnübergang direkt ab, später übernahm die Bundespolizei.

Was war geschehen? Die Schrankenanlage hatte einen technischen Defekt, der auch tagsüber noch anhielt. Nach Auskunft der Bundespolizei wusste die Bahn davon, war aber nicht in der Lage, direkt Techniker nach Emmerich zu schicken. „Die Bahn hat die Lokführer angewiesen auf Sicht zu fahren“, so die Bundespolizei am Freitagmorgen.

Doch was harmlos klingt, ist lebensgefährlich. Am Löwentor zeigten die Ampeln Grün, die Schranken waren oben. Wer morgens um kurz vorn Fünf unterwegs und vielleicht noch nicht ganz ausgeschlagen ist, mag das einfach registrieren und über die Schienen fahren. Mit dem Auto oder dem Fahrrad. Den herannahenden Zug nimmt er möglicherweise nicht wahr.

Aber es ist nichts passiert. Die Bahn hat ihren Betrieb am Freitag auf „Schlüsseltechnik“ umgeschaltet. Was ausgeklügelt klingt, bedeutet eigentlich nur, dass der Lokführer vor dem Bahnübergang aus dem Zug springt, mit dem Schlüssel die Schranken nach unten befördert, mit dem Zug über den Übergang fährt und dann anschließend wieder per Schlüssel die Schranken nach oben fährt.

Das ist zumindest der sichere Weg. Doch der Übergang Löwentor ist auch ohne technische Ausfälle gefährlich. Es geschieht regelmäßig, dass lange Güterzüge über die Schienen fahren und sich die Schranke nach gewisser Zeit von selbst öffnet. Der Zug ist dann noch auf dem Übergang unterwegs.

Niemand käme auf die Idee, gerade in diesem Augenblick über die Schienen zu laufen. Aber technische Defekte zeigen, dass eine Erinnerung an das Erlernte aus Fahrschulzeiten Sinn ergibt.

Es geht um das Andreas-Kreuz, das an jedem Bahnübergang zu finden ist. Es bedeutet: Schienenverkehr hat Vorfahrt! Gerade auf dem Land ist dieses Verkehrszeichen wichtig, wo es Übergänge ohne Schranken gibt. Und immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen, weil Menschen das Schild ignorieren und von einem Zug erfasst werden.

Manchem Praester ist sicherlich noch ein schlimmer Vorfall in Erinnerung, der zehn Jahre zurückliegt. Ein damals 15-jähriger Junge war am Bahnübergang Raiffeisenstraße von einem Zug angefahren worden – mit 160 Stundenkilometern. Er überlebte.

 Zu dem Unfall kam es morgens um 7.30 Uhr. Da befand sich der Junge gemeinsam mit seinem damals 16 Jahre alten Bruder zu Fuß auf dem Weg zum Schulbus. Beide gingen auf der Raiffeisenstraße in Richtung B 8. Als sich die Schranken bereits senkten, überquerte der Ältere noch schnell die Bahngleise. Sein in einem Abstand folgender Bruder querte dann ebenfalls trotz bereits geschlossener Schranke den Bahnübergang.

Warum er das tat, bleibt unklar. Vielleicht sah er den Zug nicht oder unterschätzte dessen Geschwindigkeit völlig. Auf jeden Fall wurde er von dem herannahenden Zug seitlich erfasst. Durch den Zusammenprall wurde er zurück gegen die Bahnschranke geschleudert. Mit schweren Verletzungen musste der Jugendliche anschließend ins Krankenhaus gebracht werden.

 Wie gefährlich es an Bahnübergängen sein kann, zeigt auch ein anderes Beispiel aus Praest. Im Mai 2007 waren dort die Schrankenanlagen für mehrere Tage defekt. Nicht nur, dass sich dort die Schranken zu früh oder zu spät öffneten, wenn ein Zug vorbei kam. Immer wieder kam es auch vor, dass Passanten trotz der geschlossenen Schranken über die Gleise liefen.