1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Rees: Ausstellung würdigt das Leben Leisners

Rees : Ausstellung würdigt das Leben Leisners

Zum 100. Geburtstag des Seligen ist in der Geburtsstadt von Karl Leisner eine Ausstellung zu sehen, die sein Leben in vielen Facetten beschreibt. Gestern wurde die Schau eröffnet. Leisners Nichte hatte dafür persönliche Wort gewählt.

"Und in dieser Familie bin ich geborgen, daheim. Das gibt mir, muss mir geben ein ruhiges Gefühl der Sicherheit. Wie beten wir füreinander." Diese Worte Karl Leisners finden sich auf einer Tafel am Eingang zur Ausstellung über den Seiligen. Sätze, die zeigen, wie wichtig die Familie dem gebürtigen Reeser gewesen ist. Daran erinnerte auch seine Nichte Monika Kaiser-Haas in einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache, bei der der Mensch Karl Leisner im Mittelpunkt stand.

 30 Bild- und Texttafeln bringen den Besuchern das Leben des gebürtigen Reesers näher.
30 Bild- und Texttafeln bringen den Besuchern das Leben des gebürtigen Reesers näher. Foto: van Offern, Markus (mvo)

Sie erzählte von seiner Kindheit in Rees und davon, wie der fünfjährige Karl Hefe holen sollte. Der hatte unterwegs vergessen, wie viel er nach Hause mitbringen sollte, daher sagte er einfach: "Ein halbes Pfund Hefe bitte." In der Bäckerei Köpp wurde gelacht und der Junge nach Hause geschickt, um noch einmal nachzufragen. Karl lief aber nur zur nächsten Ecke und kam dann wieder ins Geschäft mit den Worten: "Ein kleines Pfund Hefe." Eine Anekdote, die für Monika Kaiser-Haas ein Beweis dafür ist, was für ein aufgeweckter Junge Karl gewesen ist. Er sei fröhlich gewesen, entwickelte die Fähigkeit, die Mitmenschen zu begeistern. Seine Mitinsassen im KZ ermutigte er später durch das Gebet und Musik. Er hatte sich dafür eine Gitarre in das Gefängnis schmuggeln lassen.

Monika Kaiser-Haas berichtete davon, wie Karls Schwestern und Eltern ihn nach der Befreiung am Krankenbett besuchten. Sie seien völlig überrascht gewesen, als Leisner überglücklich sagte: "Jetzt müsst ihr mir was Schönes erzählen, nochmal Klever Dialekt sprechen und herzlich lachen." Das seien ungewöhnliche Worte von einem hoffnungsvoll im Glauben gefestigten 30-jährigen Bruder und Neupriester gewesen, der im Konzentrationslager von verrohten Menschen gequält wurde, so Monika Kaiser-Haas. "Wir spüren, seine Seele wurde nicht getötet."

Auf den Bildern zur Ausstellung findet sich auch das berühmte Foto, das Leisner in einem Pullover zeigt. Dieses Bild ist auch für die Sonderbriefmarke gewählt worden und hat eine besondere Bedeutung, wie Monika Kaiser-Haas erläuterte. Den Pullover hatte Leisner von seinem Mithäftling Pfarrer Josef Albinger aus Fulda bekommen. Der hatte sich im SS-Magazin heimlich mehrere Pullover übereinandergezogen und an schwerkranke KZ-Insassen verteilt. Einen dieser Pullover bekam auch Karl Leisner. Das Foto entstand bei der Generalprobe für die Priesterweihe ebenso wie das bekannte Bild von Leisner im priesterlichen Ornat. Es ist kaum vorstellbar wie es den KZ-Insassen gelungen ist unter den damaligen Umständen überhaupt Fotos zu machen. Wäre das aufgefallen, hätte es alle Beteiligten das Leben gekostet.

Auch diese Bilder sind in der Ausstellung zu sehen, die zum 100. Geburtstag Leisners jetzt im Museum Koenraad Bosman gezeigt wird. Bürgermeister Christoph Gerwers eröffnete die Ausstellung gestern und würdigte Leisner als einen der bedeutendsten Söhne der Stadt.

(RP)