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Rees: Aushängeschild fürs Lindendorf

Rees : Aushängeschild fürs Lindendorf

Seit 20 Jahren besteht das Halderner Blasorchester. Das soll am Sonntag groß auf dem Lindendorfplatz gefeiert werden. Das Ensemble hat sich im Laufe der Jahre zu einem modernen Orchester entwickelt, das sogar die Farben von NRW bei der "Grünen Woche" in Berlin vertrat.

Die Geschichte des Blasorchesters beginnt mit der kommunalen Neuordnung: Am 1. August 1976 wurden Haldern, Rees und Millingen, die bisher der Grenzlandmusikschule Isselburg angeschlossen waren von der Kreismusikschule Kleve übernommen. Auf Anregung des Bezirksleiters von Haldern, Karl-Heinz Lehmann, wurden Musikinstrumente der Stadt Rees, die damals an die Stadt Ringenberg ausgeliehen waren zurückverlangt und repariert. Ziel war es ein Jugendblasorchester im Stadtgebiet Rees zu gründen.

Die erste Probe des neugegründeten Jugendblasorchesters Rees-Haldern fand im September 1976 in der alten Motenhofschule in Haldern statt. Diese und auch die weiteren Proben leitete Wilhelm Brüntink, der nach dem Krieg das Suderwicker Blasorchester, das erste Jugendblasorchester in der Bundesrepublik Deutschland, aufgebaut und geleitet hatte. Die ersten Mitglieder waren Christian Lehmann, Benedikt Baldus, Rainer Möllenbeck (alle Trompete) Benedikt Oostendorp, Markus Oostendorp (Barockposaune), Iris Berger, Monika Peters (Horn), Uwe Schenk (Bariton), Christine Geßmann (Klarinette), Karin Kleber, Rainer Lehmann, Nicola Stimberg (Klarinette) und Anne Sörries (Querflöte).

Von nun an wurde in den Folgejahren Musik gemacht. So war das Orchester an kirchlichen Festtagen genauso im Einsatz wie zu Sparkasseneinweihungen oder Gemeindefesten. Hierbei kamen Jahr für Jahr annähernd 30 Auftritte zustande, die von den Eltern mit großem Einsatz durch den erforderlichen Transport unterstützt wurden. Die Fahrten selber gestalteten sich für die Kinder oftmals sehr abenteuerlich. Das Auto Wilhelm Brüntinks war nämlich in einem sehr klapprigen Zustand und musste nicht selten auch mal angeschoben werden. Zollprobleme an der Grenze oder Diskussionen aufgrund eines völlig überladenen Autos mit einer Tuba lose auf dem Dachgepäckträger liegend, wurden durch das Verhandlungsgeschick Wilhelm Brüntinks gelöst.

Im Januar 1983 übergab er im Alter von fast 80 Jahren den Taktstock an seinen ehemaligen Schüler Rudi te Grotenhuis. Dieser Übergang bedeutete einen Wandel in der musikalischen Richtung. Hatten bisher hauptsächlich Märsche und Hymnen das Repertoire bestimmt, standen jetzt James Last und modernere Stücke auf dem Notenständer. Dies bedeutete für die nun etwa 16 Jahre alten Musiker einen enormen Motivationsschub.

Das starke Wachstum hatte zur Folge, dass die Unterschiede im musikalischen Können stark voneinander abwichen. Daher ergab es sich, dass sich die etwa zwölf Musiker sich zu einem separaten Orchester zusammenfanden. Auf Initiative von Christian Lehmann gipfelte dies 1991 in der Gründung eines eigenen Vereins, dem "Halderner Blasorchester e.V.". Jules Hendriks erklärte sich bereit, das Blasorchester zu leiten. Er wollte erst Geld nehmen, wenn die Musiker fähig seien, es durch eigene Auftritte einzunehmen. Erst zehn Monate nach dem ersten gemeinsamen Konzert war dies der Fall. Der Musikstil änderte sich zu sehr anspruchsvoller Orchesterliteratur aus den Bereichen der Klassik sowie aus Film und Musicals. Unter der Leitung von Jules Hendriks nahm das Orchester 1993 eine CD im Tonstudio Keusgen in Haldern auf, initiiert und organisiert durch den damaligen zweiten Vorsitzenden Christian Lehmann.

Es liegt in der Natur, dass ein Team nach einer Zeit einen neuen Trainer benötigt, will man zu weiteren Zielen gelangen. Somit übernahm Robert Wijnands, bald 15 Jahre nach der Gründung im Herbst 2005 die musikalische Leitung des Halderner Blasorchesters. Unter seiner Leitung blieb das Repertoire in seinen Grundzügen erhalten, wurde jedoch durch hoch moderne Kompositionen erweitert.

Diese präsentierte das Blasorchester auch bei der "Grünen Woche" in Berlin im Jahr 2009. Am Stand von Nordrhein-Westfalen sorgten die Halderner in der Hauptstadt für die Musik.

(RP)