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Auftritt von Wolfgang Trepper auf der "Reeser Wiesenkultur"

REES : Was für Wolfgang Trepper die glücklichste Zeit des Lebens war

Vor seinem Auftritt schaute Kabarettist Wolfgang Trepper erst einmal nach, ob da wirklich Leute in den Autos sitzen. Dann gab er auf der „Reeser Wiesenkultur“ Einblicke in sein Leben.

Kann man lügen und trotzdem Wort halten? Bruno Schmitz vom Kulturbüro Niederrhein kann das. Davon berichtete jetzt der Kabarettist Wolfgang Trepper am Ende seines gelungenen Auftritts bei der „Reeser Wiesenkultur“. Trepper, der eigentlich nie wieder im Autokino auftreten wollte, sagte vor wenigen Monaten schließlich doch für Rees zu.

Denn Bruno Schmitz hatte ihn überzeugt, dass der Corona-Inzidenzwert bis Mitte Mai so niedrig sein würde, dass er nicht mehr vor Autos, sondern vor Menschen an Stehtischen und in Strandkörben auftreten könne. „Und wenn nicht, dann kriegste ´n Bier“, sagte Schmitz damals.

Die Flasche Bier brachte Bruno Schmitz am Freitagabend persönlich zur Bühne, auf der Wolfgang Trepper 100 Minuten über Corona, deutsche Politik und die eigene Kindheit im Duisburg-Rheinhausener Malocher-Haushalt redete. „Ich bin froh, überhaupt mal wieder auf der Bühne zu stehen“, betonte der Kabarettist zu Beginn des Abends.

Sein letzter regulärer Auftritt vor Publikum war am 26. Februar 2020. Danach trat er noch mit Bühnenpartnerin und Schlagersängerin Mary Roos in Autokinos in Hannover und Stuttgart auf. „Für Mary Roos war das nicht schlimm, die ist ja damals noch vor Panzern aufgetreten“, stichelte Wolfgang Trepper in seiner gewohnt bärbeißigen Art.

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Aber er selbst habe einfach Probleme damit, von der Bühne auf einen „Haufen Blech“ zu schauen. Deshalb drehte Trepper um kurz vor 19 Uhr erstmal seine Runden über den Schützenfestplatz an der Bergswicker Straße und vergewisserte sich, dass in den Autos tatsächlich Menschen saßen.

Dabei traf er auch auf eine ehemalige Mitschülerin und waschechte Duisburger, denen er lokalpatriotisch mitteilte: „Da hinten steht Einer mit Münchner Kennzeichen – da geh‘ ich nicht hin.“

Das Bühnenprogramm begann mit einem Rückblick auf die wenigen Wochen des Jahres 2020, die noch nicht von Corona geprägt waren: Im Krefelder Zoo brannte das Affenhaus, in Australien und am Amazonas brannten ganze Landstriche. Und in Deutschland regte man sich über die Kassenbon-Pflicht beim Brötchenkauf auf.

Da wunderte es Wolfgang Trepper nicht, dass „so ein elendig verwöhntes Volk“ wie wir Deutschen ausnahmsweise mal ein echtes Problem wie die Corona-Krise bekommen sollte – und ausgerechnet jetzt fehle es an charismatischen Entscheidern in der Politik.

Es zeuge von Respektlosigkeit, dass die Lufthansa unbürokratisch die Milliarden überwiesen bekomme, während viele Kulturarbeiter und Gastronomen noch immer auf ihre „November-Hilfe“ warten, Pflegekräfte mit Applaus abgespeist werden und allen Kindern ein komplettes Schuljahr gestohlen wird.  

Da tat es nicht nur Wolfgang Trepper gut, nostalgisch auf die „unbefangenste und glücklichste Zeit“ zurückzublicken: die Kindheit und Jugend in den 60er- und 70er-Jahren. Damals, als man samstags noch richtige Schulfächer wie Mathe und Physik hatte, als die Mutter noch selbst kochte, als man heimlich die „Bravo“ des älteren Bruders las, als im Fernsehen „Daktari“ und „Der große Preis“ liefen, als Kinder samstags nach dem Baden in den rot-blau gestreiften Bademantel „eingemümmelt“ wurden und als John Wayne noch wusste, dass der Platz einer Lady in der Küche ist.

Die Zugabe fiel überraschend ernst aus: Zunächst informierte Wolfgang Trepper über sein Schulprojekt im südostafrikanischen Malawi und bat um Spenden für eine dringend benötigte Solaranlage. Dann wandelte er auf den Spuren des großen Niederrhein-Poeten Hanns Dieter Hüsch und appellierte an das Publikum bescheidener zu sein und in Ruhe zu leben, denn „die Hektik hat uns noch nie weitergebracht…“