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"Ungerecht" und "unwirtschaftlich": Asylbewerber demonstrieren in Rees gegen Shop

"Ungerecht" und "unwirtschaftlich" : Asylbewerber demonstrieren in Rees gegen Shop

So eng liegen Freud und Leid zusammen: Während sich in Rees die Karnevalisten und Prinzenpaare im Bürgerhaus trafen, sammelten sich vor dem Rathaus rund 20 Mitglieder der Initiative "Fremde werden Freunde", Politiker und Reeser Bürger, um eine Demonstration der Asylbewerber zu unterstützen.

Sie wollen so auf ihre schlechte Situation, unter anderem wegen des Shopsystems, aufmerksam machen. Auf dem Marktplatz hielten sie Plakate mit ihren Forderungen hoch: "Ich möchte nach Hause telefonieren", "Ich möchte mein Essen selbst kaufen. Warum kauft Ihr für mich ein?" "Ich möchte Deutsch lernen!" "Brauche Winterkleidung und Schuhe". "Wir sind gezwungen, in dem Shop einzukaufen. Aber das Angebot ist einseitig und macht krank. Immer dasselbe essen, das will keiner", sagte Selemon aus Afrika. "Ich bin heute hier, damit auch die letzte Kommune im Kreis Kleve das System umstellt. Das Shopsystem ist offensichtlich sehr ungerecht", findet Annette Claassen-Deck.

Heidemarie Becker von der Initiative war am Morgen einkaufen gegangen. "Ich habe genau das bei Aldi eingekauft, was laut Kassenbon einer der Männer im Shop gekauft hat. Bei Aldi kosteten die Lebensmittel etwas über 17 Euro, im Shop wurden dafür 37,50 Euro berechnet", sagte sie. "Das System ist unwirtschaftlich", sagte auch Helmut Wesser von den Grünen.

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Dasselbe gelte für die Unterbringung in speziellen Asylantenheimen. "Wenn die Menschen gleich in Wohnungen untergebracht werden, ist das billiger für die Kommune und vor allem besser für die Integration", sagte er. Man solle diejenigen, die sich so ein System ausdenken, mal selber im Shop einkaufen lassen, dann würde sich die Sache schnell ändern, meinte Thomas Kresin, der mit Ehefrau und Kindern zur Demo kam.

Während auf dem Markt Befürworter für die Wünsche der Asylanten an der Demonstration teilnahmen, meldeten sich über die Facebook-Seite "Ich bin Reeser" etliche Kritiker und diskutierten zum Teil sehr heftig: " Es wird so getan, als ob es hier so schlecht ist. Wenn's hier schlecht ist, sollen 'se gehen." Und ein anderer Facebook-Benutzer schrieb: "Die hier rüber kommen sind doch nur junge Leute, die genau wissen, was für Leistungen sie in Deutschland bekommen."

(moha)