Emmerich: Archäologische Funde werden ausgestellt

Emmerich: Archäologische Funde werden ausgestellt

Forscher hatten im vergangenen Jahr Überreste eines Friedhofs aus dem frühen Mittelalter in Weeze entdeckt - eine kleine Sensation. Einige der Fundstücke sind nun restauriert und werden im LVR-Museum in Bonn ausgestellt.

Der Fund war für die Archäologen eine kleine Sensation: In einem Ausgrabungsgebiet der Firma Theunesen in der Knappheide war ein Friedhof aus dem sechsten bis achten Jahrhundert entdeckt worden. Laut dem Amt für Bodendenkmalkunde gehört der Fund zu den herausragenden Entdeckungen der rheinischen Archäologie im Jahr 2017. Die Experten hatten die Ausgrabungsstelle bereits der Öffentlichkeit präsentiert. Jetzt werden besonders bemerkenswerte Funde im LVR-Museum in Bonn gezeigt.

Foto: Jürgen Vogel

Neben Brandgräbern aus der Merowingerzeit fand man bei der Abgrabung auch Körpergräber. Die Skelette der Verstorbenen sind nach so langer Zeit vollständig zerfallen. Zu sehen waren aber noch die Holzeinfassungen der Grablege-Stellen als dunkle Verfärbungen des Erdreiches. Gefunden wurden auch zahlreiche Grabbeigaben. So war in den Frauengräbern Schmuck, bei den Männern fand man Waffen und Gürtelschnallen. Die Auswertung aller Funde dauerte einige Zeit. Sie liefern wertvolle Erkenntnisse zum Leben der Menschen am Niederrhein im Frühmittelalter.

Foto: Jürgen Vogel

Bis 2015 hatte man an der etwa 30 Hektar großen Abgrabungsstelle nur Siedlungsspuren der mittleren und jüngeren Bronzezeit (1800 bis 800 v. Chr.) und Eisenzeit (800 v. Chr.) gefunden. Die aktuelle Entdeckung des frühmittelalterlichen, vornehmlich fränkischen Friedhofes sei überraschend, so die LVR-Archäologin Brüggler. Brandgräber deuteten zum Beispiel darauf hin, dass in der Knappheide nicht nur Franken, sondern auch Sachsen gelebt haben, bei denen diese Art der Bestattung üblich war.

Foto: Jürgen Vogel
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Aus der Anzahl der Gräber schließen die Fachleute, dass hier etwa 150 Jahre lang eine kleine Siedlung war mit vielleicht sechs Höfen. Für die öffentliche Besichtigung waren zwei Befunde präpariert worden, das Brandschüttungsgrab und ein Körpergrab, in dem noch die Überreste eines Schwertes und Keramik-Scherben zu sehen waren. Das Schwert ist allerdings so stark korrodiert, dass es noch restauriert werden muss und noch nicht ausgestellt wird.

"Wir haben hier die seltene Chance genutzt, ein fränkisches Reihengräberfeld vollständig mit den heutigen Methoden auszugraben und zu erforschen und somit wichtige Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte sowie zu den Gebräuchen in der Region zu gewinnen", sagt LVR-Amtsleiter Jürgen Kunow. "Leider lag der zuvor unbekannte Friedhof mitten im bereits genehmigten Kiesabbaugelände, sonst hätten wir uns für seinen Erhalt eingesetzt. Friedhöfe aus der Merowingerzeit sind insbesondere am Niederrhein selten und sollten daher als wichtiges Kulturzeugnis nach Möglichkeit unberührt im Boden bleiben." Wie überall im Frankenreich legte man ab dem 8. Jahrhundert die Toten bei den Pfarrkirchen zur Ruhe. Der Friedhof in Knappheide geriet in Vergessenheit. Insgesamt sicherten die Grabungsteams des LVR und einer Fachfirma 89 Körpergräber sowie 32 Brandgräber. Die bei Christen nicht üblichen Brandgräber könnten von Zuwanderern stammen oder Ausdruck heidnischer Glaubensvorstellungen sein. Viele Gräber waren bereits antik beraubt, doch konnten neben teils vollständig erhaltenen Keramikgefäßen auch Schmuck (Perlen, Gewandspangen), drei Goldmünzen sowie Waffen (Schild, Schwert, Speer) geborgen werden. Einige Funde aus Frauengräbern sind in der Präsentation im Landesmuseum zu sehen.

(zel)