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Emmerich: Amprion-Trasse steht noch nicht fest

Emmerich : Amprion-Trasse steht noch nicht fest

Höchstspannungsleitung: Bei einer Konferenz in Wesel wurden starke Bedenken aus Rees geäußert.

Im Jahr 2025 soll die Höchstspannungsleitung A-Nord von Emden nach Osterrath in Betrieb gehen: Sie kann zwei Gigawatt Strom transportieren - den Jahresverbrauch von zwei Millionen Menschen. Obwohl Netzbetreiber Amprion den Rhein gern bei Rees unterqueren möchte, steht das noch nicht fest: Die Entscheidung liegt bei der Bundesnetzagentur. Deren Vertreter machten gestern bei der Antragskonferenz in Wesel klar, dass ein Amprion-Vorzugskorridor nicht zwingend bedeutet, dass er auch genehmigt wird.

Ein großer Knackpunkt ist die Landwirtschaft, denn das Erdkabel wird in offener Bauweise verlegt. Gerrit Korte von der Kreisbauernschaft Wesel forderte, ein Boden schonenderes Verfahren einzusetzen. "Das ist ein sehr intensiver Eingriff in Grund und Boden, ich halte ihn für erheblich zu groß", so Korte. Den Amprion-Einwand, dass diese Verfahren nicht ausreichend erprobt seien, fanden er und der Schermbecker Kurt Hitkamp nicht überzeugend: Auch das Erdkabel sei ja noch nicht erprobt.

Für den Kreis Kleve machte Dr. Hermann Reynders erheblichen Prüfungsbedarf geltend. In den Unterlagen sei nicht schlüssig und überzeugend dargelegt, was für den Vorzugskorridor spreche. Die Trasse sei länger, es gebe keine geologische Standortuntersuchung für Rees und verschiedene Naturschutz- und FFH-Gebiete wie das Hagener Meer seien betroffen. Zudem fordert der Kreis Kleve, Wasserschutzzonen zu umgehen und Moorböden zu schonen. Tatsächlich gebe es noch viel zu untersuchen, "die Flughöhe ist noch sehr hoch", so Sebatian Knauf, stellvertretender Projektleiter für A-Nord. Für jeden Kilometer angedachter Korridor gibt es einen Steckbrief, der mögliche Hindernisse aufzeigen soll. Doch es fehlt noch einiges. Für die Stadt Rees fand Elke Strede deutliche Worte: Die Reeser fordern, dass A-Nord mit Zeelink gebündelt wird - was ihre Stadt verschonen würde. So läuft der Vorzugskorridor mitten durch Haffen "einschließlich Kirche, Friedhof und Schützenhalle", sagte Strede und forderte einen Mindestabstand von 1000 Metern.

Der Hochwsserschutz sei nicht berücktsichtigt worden, das Schöpfwerk liegt im Korridor, und einige die Bauarbeiten fielen mit den Betuwe-Arbeiten und der Banndeichsanierung zusammen - nur einige der Kritikpunkte aus Rees. Die Wasserversorgung von 70. 000 Menschen sei durch den Vorzugskorridor gefährdet, so Günter Elting vom Wasserwerk Wittenhorst. Er führt durch das Schutzgebiet Wittenhorst und über die Brunenngalerie, die die Region versorge. Unter Wittenhorst liege eine Humusschicht, die geschützt werden müsse, weil sie für die Wasserqualität wichtig sei. Er plädierte für eine Umgehung. Helmut Wesser (BUND) kritisierte, dass die Issel gequert und die Isselaue durchschnitten werde - wie Kreis Kleve und Stadt Rees, forderte auch er Alternativen.

Eine davon würde die Gemeinde Schermbeck durchschneiden, Drevenack, Wesel und Voerde betreffen. Auch hier will man die Leitung nicht.

(sz)