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Am Wochenende wird in Rees das Pumpenfest gefeiert

Tradition : Am Wochenende wird Pumpenfest gefeiert

Samstag und Sonntag stehen ganz im Zeichen der Jahrhunderte alten Tradition. Viele verschiedene Angebote locken nach Rees.

Der Ort ändert sich, die Tradition allerdings bleibt bestehen: Am kommenden Wochenende, 22. und 23. Juni, feiern die vor sechs Jahren fusionierten Pumpengemeinschaften „Kühlen Dronk“ (Am Bär) und „Klor Water onder de Lendenboom“ (Oberstadt) im und am Kolpinghaus. Der Umzug vom Skulpturenpark zum Mühlenturm entlastet einerseits die ehrenamtlichen Helfer bei der Vorbereitung des Pumpenfests. Andererseits loben die Pumpenmeisterinnen Carmen Knoppik und Inga Schenk die günstige Lage des Kolpinghauses: „Wir feiern jetzt genau in der Mitte zwischen Bär und Oberstadt.“

Auf Plakaten und Flyern hat Carmen Knoppik, hauptberuflich Werbegrafikerin, den Mühlenturm zu einer formschönen Pumpe umgestaltet.

Rees Foto: scholten

Bevor das Familienfest am Samstag beginnt, treffen sich die Mitglieder am Freitag, um in gemütlicher Runde die Blumen von Hand zu binden. Am Samstag steht das Kolpinghaus ab 19.30 Uhr auch allen Nicht-Mitgliedern offen, die ihr Leben mit Tanz, Musik, Cocktails und Leckerem vom Grill versüßen möchten. Am Sonntag feiert die Gemeinschaft ab15 Uhr bei Kaffee und Kuchen weiter. In diesem Jahr werden vier Mitglieder für ihre seit 50, 60 und 65 Jahren währende Treue geehrt.

Rees Foto: scholten

Auch die Pumpengemeinschaft „Guje Pomp“ feiert am Wochenende. Freitag beginnt auf dem kleinen Parkplatz Vor dem Rheintor der Aufbau des Zeltes. Dabei hat auch schon der Bierwagen geöffnet. Am Samstag geht es um 19 Uhr los mit Tanzmusik, Tombola, Schinkengewicht-Raten und Grillstand. Am Sonntag startet um 11 Uhr der Frühschoppen, dazu gehört traditionell auch das „Nageln“. Ab 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen, danach Herzhaftes vom Grill. Geehrt werden Mitglieder, die seit zehn, 25 und 50 Jahren der Pumpengemeinschaft angehören. „Es kommen immer neue Mitglieder hinzu, derzeit sind wir mehr als 50“, freut sich Pumpenmeister Thomas Henstra. Er bedankt sich auch bei den Nachbarn, die Verständnis dafür aufbringen, dass zwei Tage lang gefeiert und eine besondere Tradition gepflegt wird.

Rees Foto: scholten

„Süwer Schlückske“, die jüngste der Reeser Pumpengemeinschaften, feiert am Wochenende auch ihre Gründung vor 85 Jahren. Das Pumpenmeistermeisterduo Joachim Bucksteeg und Christina Schößler hat deshalb für Samstagabend Abordnungen der anderen Gemeinschaften ins Festzelt am Mühlensteg und am Spyck eingeladen. Dort macht die bewährte Cocktailbar, ergänzt durch Tanzmusik vom DJ, ab 19.30 Uhr nicht nur die derzeit knapp über 50 Mitglieder froh. Auch Gäste sind willkommen. Geschmückt und gekränzt wird bereits am Freitag ab 16 Uhr. Am Sonntag wird ab 15 Uhr mit einer Kuchentafel und Kinderbelustigung weitergefeiert. Vier Jubilare werden für je 25 Jahre in der Gemeinschaft geehrt, ab 20 Uhr gibt es bei der Verlosung attraktive Preise zu gewinnen.

Rees Foto: scholten

Der neue Reeser Oberpumpenmeister, Dieter Woll, schaut gegen 17.30 Uhr mit Vertretern von Stadt und Kirchen am Mühlensteg vorbei. Es ist ein Heimspiel, denn „Ditz“ Woll ist „Süwer Schlückske“-Mitglied. Er hat für die kommenden vier Jahre das Amt des Oberpumpenmeisters inne und folgt auf Dieter „Ditz“ Verhoeven.

Sogar im Agnes-Heim wird am Sonntag ab 15 Uhr eine kleine Pumpenkirmes gefeiert. Rund um die Pumpe, die vor einigen Jahren von der Gemeinschaft „Guje Pomp“ gestiftet wurde, findet auch ein Schützenfest statt. Die Senioren ermitteln beim Armbrustschießen ihren Schützenkönig.

Die Pumpenkirmes hat in Rees eine lange Tradition und geht auf die hohe Bedeutung zurück, die Pumpen einst für die Versorgung der Bevölkerung mit Trink- und Löschwasser hatten.

Die nachweislich erste Reeser Pumpengemeinschaft wurde 1664 urkundlich erwähnt, dürfte aber vermutlich  noch älter sein. Mehr als zwei Jahrhunderte lang teilten sich Nachbarn die hohen Kosten für die Erschließung und Wartung von Brunnen. In Rees gab es davon 20 öffentliche und 60 private Pumpen. Im Jahr 1896 lösten sich die Pumpengemeinschaften auf, doch zur 700-Jahr-Feier von Rees im Jahr 1928 ließen einige Nachbarschaften die Tradition erfreulicherweise wieder aufleben.