Emmerich: Als der Krieg nach Mehr kam

Emmerich: Als der Krieg nach Mehr kam

Vor 65 Jahren begann der Krieg am rechten Niederrhein direkt vor der Haustür. Viele Soldaten starben. Daran erinnert die Ausstellung "Spuren der Trauer" über den Briefwechsel von Pastor Esser mit Angehörigen der bei den Kämpfen um Mehr gefallenen Soldaten.

HAFFEN-MEHR Am 7. März 1945 erreichten die Alliierten nach wochenlangen Kämpfen Xanten und errichteten am linken Rheinufer Stützpunkte, um von dort die andere Rheinseite unter Artillerie-Beschuss zu nehmen. Das war der Tag, an dem auch in Haffen, Mehr und Mehrhoog der Krieg vor der Haustür richtig begann. Denn noch am selben Tag trafen die ersten Geschosse Mehr. Die Alliierten setzten den Beschuss in den nächsten Tagen und Wochen fort.

Vor 65 Jahren hatte der Krieg endgültig auch den rechten Niederrhein erreicht. Dieses Ereignis war der Anlass für die Heimatfreunde Haffen-Mehr, ihre neue Ausstellung im Heimatmuseum Haffen in dieses thematische Umfeld zu stellen. Vor einigen Jahren hatte Wolfgang Heinze vom Museumsteam beim Aufräumen des Dachbodens im Mehrer Pfarrhaus nämlich eine Kiste mit alten Briefen von Pastor Karl Esser gefunden. Eine echte historische Schatztruhe, wie sich beim Sichten der Schreiben herausstellte. Der Pastor hatte in der Kiste die Korrespondenz mit den Angehörigen gesammelt, deren Söhne, Väter oder Ehemänner bei den Kämpfen rund um Haffen, Mehr und Mehrhoog gefallen waren.

"Mit jedem Brief, den ich las wurde ich nachdenklicher", berichtet Wolfgang Heinze. Denn darin ging es um ergreifende persönliche Schicksale. Um Mütter, die das Grab des Sohnes suchten, oder Frauen, die darauf hofften, vielleicht doch noch ein Lebenszeichen ihres Mannes zu bekommen.

Pastor Esser war damals von den Alliierten als eine Art Verwalter eingesetzt worden. Zu seinen Aufgaben gehörte auch, sich darum zu kümmern, dass die Angehörigen Nachricht vom Schicksal der Gefallenen bekamen. Die Toten war 1945 zunächst notdürftig beerdigt und später auf die Soldatenfriedhöfe in Haldern oder Ijsselstein (Niederlande) umgebettet worden.

Die Identität der Toten zu ermitteln, war oft nicht einfach. Denn fast alle Soldaten, die rund um Haffen-Mehr und Mehrhoog fielen, kamen aus ganz anderen Regionen. Mit Dienstmarken und persönlichen Gegenständen versuchte der Pastor herauszufinden, um welche Personen es sich handelt.

Liste der Gefallenen

Renate Kleinpass (später Lorenz) unterstützte den Geistlichen dabei. Die junge Frau führte akribisch die Listen der Gefallen, notierte genau Zeitpunkt des Todes und Lage des Grabes. Durch diese Aufzeichnungen war es später vielen möglich, den Verbleib ihrer Angehörigen zu erfahren. Und manche Suchanfrage fand tatsächlich noch ein Happy-End. Auch das zeigen Dokumente in der Ausstellung, wie der Brief von Heinz K., der dem Pastor im Oktober 1945 schrieb: "Ich kann Ihnen die freudige Mitteilung machen, dass ich noch lebe und bereits am 22. August aus der Gefangenschaft entlassen bin."

Übrigens: Renate Kleinpass brachte ihre Arbeit damals das private Glück. Sie lernte so ihren späteren Mann Wolfgang kennen. Der war nach Mehr gekommen war, um dort nach seinem verschollenen Bruder zu suchen.

(RP)