Emmerich: AKW in Mehr: nur kalter Kaffee ?

Emmerich: AKW in Mehr: nur kalter Kaffee ?

MEHR (zel) Lange war es ruhig um die Fläche am Stummen Deich, jetzt flammt die Diskussion um ein mögliches Atomkraftwerk in Mehr wieder auf. Anlass ist eine Äußerung von Wirtschaftsministerium Christa Thoben. Sie hatte gestern im Landtag erklärt, dass nirgendwo in Deutschland der Neubau von Kernkraftwerken geplant sei.

Der SPD-Energieexperte und Landtagsabgeordnete Norbert Römer dagegen traut dem Braten nicht und forderte die Landesregierung auf, zu sagen, wo sie neue Atomkraftwerke plane. Laut eines Gutachtens der Regierung seien unter anderem Rees, Datteln, Leverkusen, Gelsenkirchen, Hamm, Paderborn und Würgassen als neue AKW-Standorte denkbar. Dieses Gutachten sei auch mit Unterstützung von FDP und CDU erstellt worden, so Römer gestern auf RP-Anfrage. FDP-Fraktions-Chef Gerd Papke hielt dagegen, es gebe keine Geheimpläne für neue Atomkraftwerke. Römer habe zu tief "in seine Harry Potter Bücher geguckt".

Joachim Neuser, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, sagte, es gebe kein "Gutachten einer Regierung und schon gar nicht dieser Regierung. Was Herr Römer da anspricht ist kältester Kaffee", so Neuser.

Römer bezieht sich auf eine Studie aus dem Jahr 2002. Da hatte die EWO-Energietechnologie GmbH im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien potenzielle Standorte erkunden lassen. Dabei stieß das Institut auf Rees. Vieles spreche aus wirtschaftlicher Sicht für die Stadt, heißt es in der Studie. Die Nähe zum Hochspannungsnetz, die geringe Siedlungsdichte und vor allem die unmittelbare Lage am Rhein. Der wäre nämlich ein idealer Kühlraum für das Kraftwerk.

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Pikanterweise ist die Fläche Vahnum am Windrad weiterhin im Gebietsentwicklungsplan als Areal für "flächenintensive Großvorhaben" vorgesehen. Damit wäre dort auch ein Kernkraftwerk denkbar.

Für den Reeser Grünen-Chef Helmut Wesser steht fest, dass man daher solche Diskussionen wie die aktuelle immer ernst nehmen muss. "Dass das Thema immer mal wieder angesprochen wird, zeigt, dass wir hier auf der Hut sein müssen", sagte er gestern. Es gebe eine Wende in der Energiepolitik.

(RP)
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