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Neue EU-Verordnung: Acrylamid: "Irgendwann schmeckt's gar nicht mehr"

Neue EU-Verordnung : Acrylamid: "Irgendwann schmeckt's gar nicht mehr"

Die EU schreibt vor, dass in der Gastronomie nur noch bis maximal 175 Grad Celsius frittiert werden darf.

Seit Mittwoch gilt die neue EU-Verordnung zur Reduzierung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln. Die neuen Regeln besagen unter anderem: Frittieren nur noch bis zu einer Temperatur von 175 Grad. Das gilt natürlich auch für die Gastronomen in Emmerich.

So wie Peter Röttger, der den Stadion-Grill am Nollenburger Weg betreibt. Darauf angesprochen, schüttelt er missmutig den Kopf. "Die Leute haben über Jahrzehnte Pommes gegessen und bislang ist noch keiner dran gestorben", begegnet er dem Thema mit Sarkasmus. An der Zubereitungsweise seiner Pommes muss er zwar nichts ändern. "Wir frittieren hier schon seit Jahren nicht mehr heißer als 175 Grad." Doch sieht er einen drohenden Qualitätsverlust durch die Auflagen für Hersteller, die das Amtsblatt der EU ebenfalls enthält.

Die Produzenten müssen künftig den Stärkegehalt in ihren Kartoffelprodukten minimieren. "Stärke ist bei Pommes und Kroketten der wichtigste Geschmacksträger. Irgendwann schmeckt unser Essen dann eben nach gar nichts mehr", erklärt Röttger seine Bedenken.

Acrylamid ist ein Stoff, der im Jahr 2002 von der schwedischen Lebensmittelbehörde entdeckt wurde und als möglicherweise krebserregend gilt. Im November 2017 hat die EU-Kommission die neue Verordnung auf den Weg gebracht. Nach einer fünfmonatigen Übergangsfrist ist sie jetzt in Kraft getreten.

Unter Imbissbetreibern gibt es auch Stimmen, die solche Regulierungen begrüßen. Gaby Ketelaer zum Beispiel, seit kurzem Inhaberin der Grill Station 7 in Elten: "Wenn es der Gesundheit der Gäste dient, leiste ich dazu gerne meinen Beitrag." Sie frittiere die Pommes nicht mehr so heiß, dafür aber etwas länger als vorher. "Die schmecken so ohnehin viel besser", sagt die Gastronomin. Sie hat längere Zeit experimentiert, um unter den neuen Bedingungen ein Gefühl für die ideale Garzeit zu bekommen. Einen Qualitätsverlust durch die Stärkereduktion sieht sie nicht.

Sowohl Röttger als auch Ketelaer wurden durch ihre Lieferanten über die neue Verordnung informiert. Röttgers Großhändler aus Bocholt hat im Februar einen "Leitfaden zur Kontrolle von Acrylamid-Gefährdungen" an seine Kunden verschickt.

Kontrollen erfolgen durch die Lebensmittelüberwachung des Kreises. Dabei ist auch die Entnahme von Proben vorgesehen. Bei Verstößen drohen Bußgeld- sowie Strafverfahren.

Neue Regeln gibt es nicht nur für die Zubereitung von Pommes, sondern auch für Backwaren, Frühstückscerealien oder Kaffee. Die Emmericher Kaffeerösterei van Gülpen muss an ihrem Herstellungsprozess aber nichts ändern. Geschäftsführer Lutz Reinhard van Gülpen erklärt: "Wir sind überhaupt nicht betroffen und waren von den Grenzwerten immer schon meilenweit entfernt." Er betont die gesundheitsfördernde Wirkung, die gemäßigter Kaffeekonsum entfalten kann. In Bezug auf Acrylamid erinnert er sich an eine Studie: "Aus der ging hervor, dass man fünf Liter Kaffee trinken müsste, um den Acrylamidgehalt von einer Schale Pommes zu erreichen."

(cst)